Acht Polizisten im Einsatz

Tumult in Easy-Apotheke Alexander Müller, 30.12.2020 10:04 Uhr

  • In einer Easy-Apotheke zerstörten acht Polizisten bei einer Festnahme ein Regal. Foto: Pixabay
Berlin -

Mit einem gehörigen Schreck sind eine Easy-Apothekerin und ihr Team davongekommen. Acht Einsatzkräfte der Polizei nahmen einen Mann in Gewahrsam, der in der Offizin randaliert hatte. Bei der Aktion ging ein Regal zu Bruch. Über die Vorgeschichte gibt es verschiedene Darstellungen.

Die Apothekerin beschreibt einen völlig aufgelösten Mann, der offenbar Schutz suchend in die Apotheke gekommen sei. Als er dabei ins Backoffice vordringen wollte, habe sie sich ihm entgegengestellt und „Raus hier!“ gerufen. Der Mann sei daraufhin auch in die Offizin zurückgekehrt.

Inzwischen war die Polizei angerückt. Der Mann habe aber beteuert, nur das Opfer zu sein, und sich geweigert, seinen Personalausweis zu zeigen, berichtet die Inhaberin. Daraufhin sei ein Handgemenge in der Apotheke entstanden, bei der ein Aufsteller und ein Regal zu Bruch gingen. Zusammen mit der zwischenzeitlich eingetroffenen Verstärkung waren letztlich acht Polizisten vor Ort, setzen den Mann schließlich fest und führten ihn ab.

Die Apothekerin sollte gegenüber einem der Beamten den Schaden beziffern. Aber der ließ sich im ersten Chaos nicht ohne Weiteres abschätzen. Und da das Team der Easy-Apotheke unter dem Eindruck der eben erst beendeten Rangelei stand, wollte die Inhaberin ihre Mitarbeiter erst fragen, ob diese überhaupt weiterarbeiten könnten. Offenbar hat der Polizist diese – letztlich nicht erfolgte – vorübergehende Schließung in seinem Bericht zu Grunde gelegt, denn der Schaden wurde in der Mitteilung der Polizei mit 10.000 Euro beziffert. Tatsächlich rechnet die Inhaberin mit Blick auf die zertrampelten Packungen und das zerstörte Regal mit einem allenfalls niedrig vierstelligen Schaden.

Überhaupt liest sich die Mitteilung der Polizei ziemlich spektakulär: Demnach soll der 53- Jährige in dem Einkaufszentrum zunächst drei zufällig anwesende Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahren grundlos angegriffen und durch Schläge und Tritte leicht verletzt haben. In der Version, die die Apothekerin von Zeugen gehört hat, ist der Mann – in der Gegend wohl als etwas wunderlicher Lebenskünstler bekannt – im Drogeriemarkt von den Jugendlichen schikaniert worden.

Die herbeigerufenen Polizisten wollen in der Apotheke auch „weitere Hilferufe einer anwesenden Frau“ vernommen haben, der sie zu Hilfe geeilt seien. „Im Zuge der nunmehr folgenden Rangelei mit dem 53-Jährigen verletzte sich ein Beamter an Arm und Hand dergestalt, dass er anschließend nicht mehr dienstfähig war“, heißt es im Bericht. Da deutliche Hinweise auf eine psychische Störung bei dem „Randalierer“ vorgelegen haben, sei der Mann in eine Fachklinik gebracht worden.

Den Schaden übernimmt die Versicherung der Apothekerin. Inhaber sollten stets darauf achten, dass Vandalismus in ihrer Police mitversichert ist, rät der Versicherungsexperte Michael Jeinsen. Denn während Einbruch und Einbruchdiebstahl, Raub, Feuer, Sturm und Schaden durch Leitungswasser in jeder Inhaltsversicherung abgedeckt sind, sei Vandalismus eine Kann-Bestimmung. Dasselbe gilt laut Jeinsen für Trickdiebstahl, Rezeptbetrug und einfachen Diebstahl in der Freiwahl.