Treuhand: Kosten fressen Zusatzumsatz 03.02.2026 15:27 Uhr
Der durchschnittliche Umsatz pro Apotheke ist laut Hochrechnung der Treuhand Hannover im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Doch auf der Ertragsseite bleibt davon so gut wie nichts hängen, so der Generalbevollmächtigte Dr. Sebastian Schwintek in einem Beitrag auf Linkedin.
Nach vorläufiger Prognose ist der Durchschnittsumsatz pro Apotheke laut Schwintek im vergangenen Jahr um 8 Prozent gestiegen: von 3,7 auf mehr als 4 Millionen Euro. „Ein starkes Zeichen, wieviel Versorgung Apotheken täglich stemmen.“ Allerdings könnten von den rund 300.000 Euro Mehrumsatz am Ende nur magere 2000 Euro Ergebnis übrig bleiben – „ein reales Minus, da deutlich unter Inflationsrate und Tarifabschlüssen“.
Ein Grund sei die deutliche Verteuerung des Wareneinsatzes, auch die Betriebskosten seien mit 4 Prozent wieder stärker als der Rohertrag gestiegen (plus 3,8 Prozent).
Das allenfalls schwache Wachstum beim Durchschnittsergebnis sei auch nur deshalb zustande gekommen, weil sich die Branche weiter „kannibalisiere“, so Schwintek: „440 geschlossene Betriebe bedeuteten durchschnittlich 9000 bis 10.000 Euro Rohertragsplus für die verbleibenden 16.601 Betriebe.“
Ganz schlecht sehe es weiter im ertragsschwächsten Drittel aus: Hier kämen Apotheken im Durchschnitt auf gerade einmal auf ein Betriebsergebnis von 24.000 Euro.
„Die Mehrzahl der Apotheken hat sich auf den Weg gemacht: kämpft, optimiert Prozesse, investiert in Personal und Digitalisierung, kooperiert, spart.“ Rückenwind gebe es auch durch die geplante Apothekenreform mit vielen guten Ansätzen. Aber: „Für viele wird das nicht reichen ohne eine schnelle und substanzielle Honoraranpassung nach 13 Jahren Stillstand.“
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) habe das erkannt und bekräftigt, die versprochene Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro umsetzen zu wollen. „Sie könnte damit die Zahl der ertragsschwachen Betriebe mit einem Ergebnis unter 100.000 Euro halbieren“, so Schwintek. Jetzt müssten der Ankündigung aber auch Taten folgen.
Wichtig laut Schwintek: „Alle Vor-Ort-Apotheken haben den Anspruch, für die gleiche Versorgungsleistung auch die gleiche Vergütung zu erhalten. Das hat nichts zu tun mit einer vermeintlich planlosen Politik der Gießkanne, wie der GKV-Spitzenverband aus durchsichtigen Umverteilungsmotiven glauben machen will.“