TI-Ausfälle: Gematik schickt Paw Patrol in Apotheken 12.09.2026 08:00 Uhr
Zwei TI-Ausfälle in einer Woche – und das in Jahr 3 des E-Rezepts. So kann es nicht weitergehen. Krisensitzung bei der Gematik. Ausschließen lassen sich Störungen wohl kaum, aber wie kann man Praxen und Apotheken unterstützen? Mobile Hilfsteams? Zu teuer. Pralinen, Kreuzworträtsel und Beruhigungstee? Könnte als unpassend empfunden werden. Rohrpost? Zu oldschool. Am Ende des Brainstormings zeichnet sich eine Lösung ab: Hunde sollen die schlimmsten Probleme abfedern. „Kein Einsatz zu groß, keine Pfote zu klein!“
Pünktlich zu Beginn der neuen Woche tritt Flipsi seinen Dienst in der Hasenbach-Apotheke in Koblenz an. Flipsi ist ein Berner Sennenhund, speziell ausgebildet, um dem Team bei einem neuerlichen TI-Ausfall beizustehen. Nachdem er seinen neuen Arbeitsplatz einmal ausgiebig abgeschnüffelt und auch in den Ecken markiert hat, bezieht er sein Körbchen im Rezepturbereich und wartet auf seinen ersten Einsatz.
Allzu lange muss er nicht warten. Schon kurz nach Ladenöffnung wittert Flipsi die erste Störung. Das Team wundert sich noch über sein plötzliches Gebell, denn noch funktioniert das System, und auch im Gematik-Dashboard ist noch alles auf Grün. Doch der Spürnase macht niemand etwas vor: Zwei Minuten nach dem ersten Anschlagen des Hundes geht in der Apotheke nichts mehr.
Jetzt kann Flipsi zeigen, was in ihm steckt. Wochenlang wurde er darauf abgerichtet, TI-Störungen nicht nur vor ihrem ersten Auftreten zu erkennen, sondern auch zu wittern, was die Ursache ist. Mit einem Sprung ist der Hund am Kassenplatz, schmatzend zieht er den Heilberufeausweis aus dem Leserschlitz. Drei Bisse und die Plastikkarte hat das Zeitliche gesegnet. Womit der Übeltäter also identifiziert und aus dem Verkehr gezogen wäre.
Flipsi weiß genau, was jetzt zu tun ist. Zielgerichtet steuert er die Mitarbeiterinnen an den Verkaufsplätzen an, die sich auf den neuerlichen Schock erst einmal einen Schluck aus dem Schnapsfässchen an seinem Halsband genehmigen dürfen. Nachdem so das Team erst einmal beruhigt ist, wechselt er auf die andere Seite. Aufmunternd stupst er Oma Pachulke mit seine Nase an, die daraufhin ihre Fassung schnell wiederfindet. Dem ungeduldigen Herrn hinter ihr reicht er kurz die Pfote, bis auch dessen Puls sich normalisiert. Und der Mutter mit ihren beiden quängelnden Kleinkindern lässt er zwei Minuten lang in sein Fell greifen. Auch das wirkt Wunder bei allen Beteiligten.
Erst hinten als der Neustart misslingt, wird die Offizin wieder von kollektiver Unruhe erfasst. Einen Teenager, der sich laut aufzuregen beginnt, vertreibt Flipsi mit einem subtilen Knurren. Doch dann springt der Hund selbst wie ein Besessener aus der Tür. Er hat Witterung aufgenommen: In der Arztpraxis eine Straße weiter wurde eben ein Block mit Muster-16-Formularen aus dem Aktenschrank geholt. Innerhalb von Minuten bringt er die ausgestellten Papierrezepte in die Apotheke. Der Kurier eines ausländischen Versenders, der ihm die Zettel stibitzen wollte, muss derweil erst einmal sein Bein verarzten lassen.
Natürlich wäre Flipsi auch in der Lage, die verschollene E-Rezepte im TI-Nirwana aufzuspüren. Doch als am Abend immer noch kein Serverpaket auftaucht ist, saust er in den Keller hinab und macht mit lautem Bellen auf sich aufmerksam. „Aber das ist ja unser altes Faxgerät“, jubelt die Inhaberin. Der nächste Ausfall kann kommen!