Sanicare: Es lebe der Katalogkunde! 07.11.2026 08:52 Uhr
15 Millionen aktive Kundinnen und Kunden hat Redcare, 13 Millionen sind es bei DocMorris. Auch wenn man davon das Auslandsgeschäft abzieht: Ein Großteil der erwachsenen Bevölkerung hierzulande ist mit den beiden Platzhirschen gut versorgt – wer unbedingt will, kann ja im Akutfall auch noch in die Apotheke um die Ecke gehen. Doch es gibt noch eine Klientel, die bislang übersehen wurde: Sogenannte Telefon- und Katalogkunden sollen Sanicare zum Comeback verhelfen.
Fressen oder gefressen werden, lautet die Devise im Versandhandel. Insbesondere DocMorris hat in den vergangenen Jahren so ziemlich jeden Konkurrenten aufgekauft, der nicht bei Drei auf den Bäumen war. Und auch der Rest wurde noch heruntergeschüttelt. Shop Apotheke wiederum setzt auf den Sympathiefaktor – hier ganz pragmatisch in Gestalt des Jauch-Rabatts.
Kein Wunder, dass da so manch kleiner Versender nicht mehr mitspielen kann. Sanicare musste vor einigen Monaten die Segel streichen. Insolvenz war angesagt.
Doch mit Besamex hat sich jetzt überraschend ein Käufer gefunden. Zugegeben: Nicht der Standort wird gerettet, nicht die Arbeitsplätze. Aber immerhin die Marke und der Kundenstamm.
Letzterer scheint ein Kuriosum zu sein: „Viele treue Stammkunden, die auch telefonisch bestellen und sich beraten lassen“, erklärt der neue Firmenchef Dirk Düvel. Alles andere als die unbequemen Schnäppchenjäger, auf die es die Konkurrenz aus den Niederlanden abgesehen hat.
Wer jetzt sofort an den Claim „Sanicare macht‘s möglich“ denkt, liegt gar nicht so falsch. Es sind die sogenannten Best Ager, die mit Versandhäusern wie Otto, Quelle und Neckermann groß geworden sind und die man einst in Bad Laer und jetzt in Marschacht ins Auge genommen hat.
So werden jetzt wieder Kataloge verschickt, die man in Ruhe an verregneten Sonntagen durchblättern und ankreuzen kann. Am Ende kann man die gewünschten Artikel auf einer vorfrankierten Abreißkarte eintragen, oder man ruft eben einfach bei der Hotline an und gibt seine Bestellungen telefonisch durch.
Bei wem sich der nostalgische Wohfühleffekt auf diese Weise immer noch nicht einstellen will, der kann auch mit anderen Mitrentnern eine Shoppingparty veranstalten. Eine Sanicare-Beraterin bringt Sekt und Kuchen mit und allerlei Produkte, die sie am gemeinsamen Abend vorführen wird. Vom Kompressionsstrumpf bis zur Ginkgotablette ist alles dabei, was das rüstige Herz begehrt.
Und wem das immer noch nicht reicht, der kann auch eine Kaffeefahrt buchen. Einmal Hannover und zurück – und am Ende ist die Hausapotheke wieder prall gefüllt.
So schlägt der Versender gekonnt die Brücke zwischen schöner heiler Welt und dem Gefühl, auch im fortgeschrittenen Alter noch am Puls der Zeit zu sein. Als es dem Versender dann auch noch gelingt, Stefan Mross als Werbefigur zu verpflichten, gehen die Verkaufszahlen endgültig durch die Decke. Sollen die Muttis doch bei dm bestellen, die Zuzahlungsvermeider bei DocMorris und die Pfennigfuchser bei Apodiscounter – die besten Kunden mit den tiefsten Taschen erreicht man auf die altmodische Art.