Vor allem Hochpreiser retaxiert

Retax: LAV holt knapp 1 Million Euro zurück 16.07.2026 09:52 Uhr

Berlin - 

Die Abteilung Taxation des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg (LAV) hat ihre Bilanz für das vergangene Jahr vorgestellt. Die Zahl der retaxierten und geprüften Rezepte hat ein Rekordniveau erreicht. Doch die LAV-Expertinnen konnten im Jahr 2025 insgesamt 982.023 Euro (Vorjahr knapp über 620.000 Euro) für zu Unrecht vorgenommene Retaxationen zurückfordern.

Die Kündigung der Hilfstaxe im Jahr 2024 sorgte für einen Mehraufwand in der Abteilung Taxation. Dass die Zahl der Retaxationen und der geprüften Rezepte einen neuen Höchststand erreichte, lag vor allem an den zahlreichen strittigen Retaxationen im Bereich Rezepturen. Erst das Urteil des Bundessozialgerichtes im November 2025 schaffte Klarheit. Die Bearbeitung der Retaxationsfälle dauert und ist noch längst nicht abgeschlossen.

„Für 2025 hat sich abseits der Rezepturabrechnungsfälle bestätigt, was sich seit 2024 abzeichnet: Durch die Regelungen des ALBVVG sind die Retaxationsbeträge deutlich gesunken“, so LAV-Geschäftsführer Frank Dambacher. „Gleichzeitig setzte sich der Trend fort, dass einzelne Kassen auch bei wirklich geringen Beträgen spitzfindig und oft genug kleinlich den umfangreichen Retaxationsprozess auf Biegen und Brechen durchlaufen.“ Ein Beispiel ist die angeblich zu Unrecht abgerechnete Lieferengpass-Pauschale im Wert von 0,60 Euro brutto. „Ein solches Vorgehen verursacht am Ende auch bei den Kassen Aufwand und Kosten und ist alles andere als effizient.“

Die Zahlen 2025

Im Jahr 2025 konnten insgesamt 982.023 Euro (Vorjahr 621.683 Euro) für die LAV-Mitglieder als zu Unrecht vorgenommene Retaxationen zurückgefordert werden.

Vom Gesamtwert der im vergangenen Jahr vom LAV geprüften Retaxationen in Höhe von 1.581.788 Euro (Vorjahr 980.402 Euro) konnten im Einspruchsverfahren mehr als 62 Prozent (Vorjahr mehr als 63 Prozent) zurückgeholt werden. Das entspricht dem Gesamtwert von insgesamt 982.023 Euro. „Damit bestätigte sich auch im Jahr 2025, dass der Großteil des geprüften Retaxationswertes ungerechtfertigt war“, so der LAV. „Knapp zwei Drittel des Gesamtwertes der geprüften Retaxationen waren unberechtigt oder konnten durch weitere Nachweise nachträglich geheilt werden und gingen damit nicht zulasten der Apotheker.“

Mit insgesamt 15.085 geprüften Rezepten (Vorjahr 10.523) wurde ein neues Rekordniveau erreicht. Die Rezepte wurden zu 6507 Retaxationsvorgängen zusammengefasst (Vorjahr: 4842). Rund ein Fünftel der geprüften Rezepte, nämlich 3131 (Vorjahr: 1879), konnte zugunsten der LAV-Mitglieder entschieden werden. Auffällig dabei: Hinter den zu Unrecht retaxierten Fällen stehen mit 982.023 Euro beinahe zwei Drittel des Gesamtwerts aller Absetzungen. „Es wurden also viele Retaxationen über hohe Summen zu Unrecht vorgenommen“, so das Fazit.

Viele Retaxationen berechtigt

Im vergangenen Jahr war jedoch eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Retaxationen berechtigt. 11.954 Fälle (Vorjahr 7794) wurden zu Recht von den Kassen ausgesprochen. Allerdings handelt es sich bei einer Gesamtsumme von 599.764 Euro (Vorjahr: 358.718 Euro) um zahlreiche kleinere Beträge.

Die vom LAV erfolgreich abgewehrten Retaxationen betrafen hingegen häufig wirtschaftlich deutlich relevantere Summen, so Dambacher. „Gerade hier zeigt sich der hohe Nutzen einer konsequenten Interessenvertretung durch den Verband und durch unsere hochkompetente Prüfung durch die Abteilung Taxation.“