PTA vs. PKA: Adexa sorgt sich um Gehaltsgefüge 06.10.2026 16:43 Uhr
Die Adexa bleibt bei ihrer Linie und lehnt die Empfehlung der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein (TGL) ab. Die Zahlen entsprächen lediglich dem Angebot der Arbeitgeberseite, eine solche Empfehlung sei auch kein Tarifvertrag. PTA und Approbierte kämen im Vergleich zu PKA zu kurz, und für Juli bis September sei keine Erhöhung vorgesehen.
Die Tarifkommission von Adexa habe das Angebot, das jetzt als Empfehlung präsentiert worden sei, geprüft und als unzureichend abgelehnt. Ein Tarifvertrag müsse Qualifikation, Berufserfahrung und Verantwortung deutlich oberhalb der gesetzlichen Mindeststandards abbilden. Ein Blick in die aktuelle Gehaltstabelle zeige, warum das Angebot genau daran scheitere: PTA und PKA lägen nur noch auf dem Niveau des Mindestlohns.
Da das Angebot für PTA 120 Euro mehr vorsehe, für PKA aber 200 Euro, werde der Abstand zwischen beiden Berufen kleiner: In der ersten Gehaltsstufe sinke die Differenz von 185 auf rund 100 Euro.
„Das liegt nicht daran, dass PKA zu gut bezahlt würden. Der steigende Mindestlohn schiebt das Gehaltsgefüge von unten zusammen und feste Erhöhungsbeträge für alle verstärken diesen Effekt“, so die Adexa. Prozentual am wenigsten bleibe bei den Approbierten: Für sie bedeuteten 120 Euro im Schnitt weniger als 3 Prozent mehr Gehalt.
Die Arbeitgeberseite habe ihr Angebot im Lauf der Verhandlungen nachgebessert. Damit habe sie auf die besseren wirtschaftlichen Aussichten vieler Apotheken reagiert, und das erkenne man an. „Wir wissen auch, dass viele Apothekeninhaberinnen und -inhaber schwierige Jahre hinter sich haben und knapp kalkulieren müssen. Dafür haben wir Verständnis. Es darf aber nicht dazu führen, dass die Beschäftigten und ihre Qualifikation den Preis dafür zahlen.“
Ohne Personal keine Apotheke
Denn: „Was bringt das, wenn keiner mehr den Beruf ergreifen möchte? Diese Frage muss sich die Arbeitgeberseite ehrlich stellen“, so die Adexa weiter. „Wenn eine qualifizierte Ausbildung sich kaum noch im Gehalt bemerkbar macht, entscheiden sich junge Menschen für andere Berufe. Schon heute bleiben Stellen lange unbesetzt, Öffnungszeiten werden eingeschränkt und die Teams arbeiten an der Belastungsgrenze. Ohne qualifiziertes Personal gibt es keine Apotheke vor Ort. Faire Gehälter widersprechen deshalb nicht den Interessen der Inhaberinnen und Inhaber. Sie sind eine Investition in die Zukunft jeder Apotheke.“
Hinzu komme, dass Nordrhein beim Tarifniveau inzwischen hinter dem übrigen Bundesgebiet zurückliege. Das betreffe nicht nur die Gehälter. Die Beschäftigten in Nordrhein arbeiteten 40 statt 39 Stunden pro Woche und hätten weniger Urlaubstage.
Die Beschäftigten hätten die wirtschaftlich schwierigen Jahre der Apotheken mitgetragen: mit hohem Einsatz, mit Flexibilität und oft mit Zurückhaltung bei den eigenen Forderungen. „Im bisherigen Tarifvertrag hatten beide Seiten ausdrücklich vereinbart, zügig einen neuen Vertrag abzuschließen, sobald eine Honorarerhöhung für die Apotheken feststeht. Diese Erhöhung ist inzwischen gekommen. Die Beschäftigten erwarten deshalb zu Recht, daran beteiligt zu werden, und zwar lückenlos ab dem 1. Juli und nicht erst ab Oktober.“
Verhandeln statt verkünden
Mit Verwunderung nehme man zur Kenntnis, dass die TGL ein abgelehntes Angebot nun als Empfehlung präsentiere, ohne vorher auf das Schreiben der Tarifkommission einzugehen. „Tarifverhandlungen leben vom direkten Austausch der Verhandlungspartner, nicht von Stellungnahmen in der Presse. Eine einseitige Empfehlung kann einen gemeinsam vereinbarten Tarifvertrag nicht ersetzen. Verlässlichkeit für die Teams und gleiche Bedingungen in allen Apotheken schafft nur ein Tarifvertrag.“
Man stehe weiterhin für konstruktive Gespräche bereit und erwarte, dass die Verhandlungen bald weitergehen. „Die Beschäftigten in Nordrhein haben Anspruch auf eine ernsthafte Verhandlung und auf ein Ergebnis, das ihrer Qualifikation und ihrer Arbeit in der Apotheke gerecht wird.“