Apotheker testet im Wahlkampf

Mobile Teststelle: Apotheker kommt im Wohnmobil APOTHEKE ADHOC/dpa, 16.03.2021 14:58 Uhr

Berlin - Immer mehr Apotheken beteiligen sich bundesweit am Angebot von Schnelltests. Die hessische Gemeinde Hüttenberg suchte in der vergangenen Woche jemanden, der die Wahlhelfer testet – vor Ort. Apotheker Thomas Hengst sprang kurzerhand ein. Er organisierte ein Wohnmobil und richtete es ein. Die Nachfrage sei auch nach der Kommunalwahl vorhanden, sagt der Inhaber der Stern Apotheke. Bei der Abrechnung setzt er auf den traditionellen Weg.

Die Arbeit in der Apotheke bestehe derzeit nur aus Abenteuern, sagt Hengst. Die Anfrage der Gemeinde nach einem Tester für die Wahlhelfer sei ein Beispiel. „Ich habe gesagt, dass ich in meiner Apotheke noch nicht so weit bin.“ Immerhin müssten Arbeitsschutzmaßnahmen erfüllt und ein geeigneter Raum gefunden werden. „Die Leute haben uns nahezu genötigt“, sagt er.

Hengst fiel das „rollende Büro“ ein, das er in seiner Nebentätigkeit für die Unternehmensberatung Apokonzept24 benutzt. Mit dem Wohnmobil könne er von dem zentralen Standort in Hessen aus innerhalb von sechs Stunden nahezu jeden Ort in Deutschland erreichen – etwa wenn kurzfristig Not am Mann ist. „Ich bin noch als Springer tätig.“ Der Bus wurde über Nacht einbestellt und eingerichtet. Der Apotheker ist zum Qualitätsmanager und Fachauditor im Sozial- und Gesundheitswesen ausgebildet. Die Anforderungen an eine Teststelle seien deshalb ohne Probleme zu erfüllen gewesen.

Am Sonntag testete er die Wahlhelfer in Hüttenberg-Rechtenbach. Seitdem gingen weitere Anfragen ein und er ist im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis auf Test-Tour. Die kostenlosen Bürgertests bietet er nicht an. „Solange ich keine Abrechnungsgrundlage von der Kassenärztlichen Vereinigung habe, mache ich das nicht“, betont Hengst. Er verlangt 35 Euro pro Test, in Wetzlar sind es 39 Euro. Die Reaktion der Kunden sei gut. „Die Menschen sind dankbar, weil die anderen Teststellen überlastet sind.“

Auch Firmen fragen nach dem „Testmobil“ des Apothekers. „Die Unternehmen freuen sich und wollen, dass ich am besten sofort vorbeigefahren komme.“ Die Chefs übernähmen die Kosten. „Ich brauche nur eine Steckdose und es kann losgehen.“ Dem Apotheker geht es laut eigenen Aussagen nicht um die Einnahmen. „Reich wird man damit nicht. Aber wir müssen jetzt alle zusammenhalten und gemeinsam in unserem lokalen Netzwerk – schnell und unkompliziert – etwas auf die Beine stellen.“ Besonders gefreut habe er sich über den Besuch des Bundestagsabgeordneten Jürgen Irmer (CDU), der sich über die Situation der Coronatests durch die Apotheke vor Ort ein Bild machen wollte.

Generell ärgert ihn das Durcheinander und die verschiedene Aussagen seitens der Politik. Das habe mit den Masken im vergangenen Jahr angefangen. „Man macht Versprechungen, die man nicht hält. Und die Kunden gehen uns in den Apotheken wegen der kurzfristigen Entscheidungen auf die Barrikaden“, sagt er. Ihm fehlt eine klare, einheitliche Kommunikation – auch in Hessen: Im benachbarten Landkreis Gießen dürfe er laut Anordnung nicht testen. Denn das Personal nicht ärztlich geführter Einrichtungen muss vor erstmaliger Aufnahme der Testungen an einer Schulung durch eine Ärztin oder einen Arzt oder eine Stelle des öffentlichen Gesundheitsdienstes teilnehmen. Er habe die Testschulung aber über die Apothekerkammer gemacht. „Wenn ich also mit dem Bus dorthin fahre, ist das nicht erlaubt.“ Auf Nachfrage habe es geheißen, dass die Formulierung so nicht stimme und sich ein Fehler im System eingeschlichen habe.

Mobile Teststationen sind auch andernorts unterwegs. Apotheker Matthias Bußmann betreibt in Ahlen in Nordrhein-Westfalen eine mobile Teststelle und parkt an besonders frequentierten Plätzen. In Thüringen fährt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Landkreis Greiz. Vorerst bis Freitag steuern mobile Teams täglich verschiedene Stationen in Städten und Gemeinden an. Dort können sich die Bewohner des Landkreises ohne vorherige Terminvereinbarung auf Corona testen lassen. Die Busse halten für jeweils zwei Stunden, je Stunde können etwa 25 Menschen getestet werden. Die Antigen-Schnelltests werden vom DRK vorgehalten und von dort auch mit der KV Thüringen abgerechnet.