Telemedizin

Kry-Chefin: Wir vermitteln das E-Rezept Lothar Klein, 20.12.2019 09:58 Uhr

Berlin - Anfang Dezember verkündeten Kry und DocMorris ihre Kooperation auf dem deutschen Markt. Seitdem wirbt die niederländische Versandapotheke auf ihrer Internetseite für die App des schwedischen Telemedizinanbieters, über die Patienten mit den Teleärzten in Verbindung treten können. Laut Dr. Cristina Koehn, Deutschlandchefin von Kry, ist die Zusammenarbeit bereits angelaufen, haben erste Telemedizinberatungen stattgefunden und wurden E-Rezepte ausgestellt.

Die Übertragung der digitalen Verordnung soll im Laufe des ersten Quartals 2020 über die technische Lösung von eHealth-Tec erfolgen – der Zur-Rose-Tochter, die auch am E-Rezept-Projekt der Techniker Krankenkasse beteiligt ist. Aktuell würden die dafür notwendigen Schnittstellen erstellt. Eine Bevorzugung oder gar Zuweisung an den Versender will Kry damit nach eigener Aussage aber nicht forcieren: „Mit Kry kann jeder Patient wählen, auf welchem Weg er sein Rezept einlösen möchte“, erklärte Koehn. „Für viele Deutsche ist das der Gang in die Apotheke, andere lassen sich ihr Medikament lieber zuschicken.“

Im Gespräch mit APOTHEKE ADHOC erklärt Koehn die Abwicklung jetzt so: „Die Übermittlung des E-Rezepts im Rahmen einer telemedizinischen Beratung durch Kry erfolgt nicht über die E-Rezept-App von DocMorris.“ Über die Kry-App wende sich der Patient an einen Arzt und beschreibe dort seine Symptome. Koehn: „Die Patienten sind über Video innerhalb weniger Minuten mit dem Arzt verbunden.“ Halte der Arzt eine Verordnung für erforderlich, werde er das Rezept auf elektronischen Weg ausstellen und mit einer qualifizierten elektronischen Signatur versehen. „Über die Kry-App wird daraufhin der Patienten informiert, dass ein E-Rezept vorliegt. Im nächsten Schritt entscheidet der Patient, ob er sich das Arzneimittel von DocMorris liefern lassen will oder das Rezept in einer Apotheke vor Ort einlöst. Dann nennt uns der Patient eine Apotheke, mit der wir dann Kontakt aufnehmen. Oder er kann uns beauftragen, das E-Rezept an DocMorris weiterzuleiten“, so Koehn.

Wie das von Kry Ärzten ausgestellte Rezept technisch in die Apotheke vor Ort kommt, bleibt vorerst ein Geheimnis: „Diese Details verraten wir derzeit nicht. Es funktioniert, aber wir möchten uns aktuell noch nicht zu den technischen Details äußern“, so Koehn weiter. Die Übermittlung des Rezepts funktioniere aber einwandfrei. Koehn: „Und wir klären vorab, ob das Arzneimittel vorrätig ist. Dieser Prozess ist bereits gestartet. Das ist schon mehrfach erfolgreich geschehen.“ Laut Koehn gab es schon mehrere positive Rückmeldungen von behandelten Patienten: „Vor allem waren diese dankbar, dass sie noch spätabends einen Arzt erreichen konnten.“

Weil die aktuell laufenden Pilotprojekte des Deutschen Apothekerverbands (DAV) in Baden-Württemberg und Berlin keine flächendeckende Abdeckung ermöglicht hätten, habe man sich zum Start für eine andere Lösung entschieden, so Koehn. Die absehbare dynamische Entwicklung des E-Rezept-Angebots in Deutschland werde aber im kommenden Jahr weitere Partnerschaften interessant machen. „Wir stehen erst am Anfang und sind mit den relevanten Akteuren im Gespräch. Für Kry ist wichtig, dass jeder Patient jede Apotheke in Deutschland auswählen kann.“

In Deutschland bietet Kry nach Angaben von Koehn Telemedizin an sieben Tagen in der Woche an: An Wochentagen zwischen 7 und 22 Uhr und am Wochenende und Feiertagen zwischen 8 und 20 Uhr. Ziel sei, zu diesen Zeiten innerhalb von 15 bis 30 Minuten Tele-Sprechstunden anzubieten, so Koehn: „Die Öffnungszeiten können wir im Moment mit einer zweistelligen Zahl von Ärzten abdecken. Je nach Anfrageentwicklung sollen weitere Ärzte hinzukommen.“ Der Ärztekontakt erfolgt ausschließlich über die Kry-App. „In Deutschland ist noch viel Aufklärungsarbeit über die Möglichkeiten der Telemedizin erforderlich, in Schweden ist das schon viel bekannter. Hier müssen wir die Aufklärung noch vorantreiben. Da sind alle Akteure gefragt.“

Europaweit wurde die Kry-App schon 1,2 Millionen Mal heruntergeladen, eine Million Videosprechstunden wurden damit durchgeführt. Für den deutschen Markt gibt es noch keine Zahlen. Zusammenarbeiten will Kry nur mit in Deutschland arbeitenden Ärzten: „Fast alle arbeiten in einer eigenen Praxis. Das begrüßen wir. Die Ärzte müssen natürlich eine deutsche Approbation haben und darüber hinaus langjährige Erfahrung in der Behandlung von Patienten“, so die Kry-Deutschlandchefin.

Ausstellen kann Kry auch AU-Bescheinigungen: „Wenn der Arzt eine Krankschreibung für notwendig hält, stellt er diese elektronisch aus. Wir übermitteln den AU-Schein dann innerhalb der Kry-App an den Patienten. Wenn es rechtlich notwendig ist, reichen wird den AU-Schein auch in Papierform ein.“ Die Telemedizin-Beratung kostet je nach Wochentag und Uhrzeit zwischen 30,59 Euro und 45,44 Euro. Eine Krankschreibung kosten 5,36 Euro zusätzlich. Das sind die Gebührensätze für Privatpatienten. Die Krankenkassen erstatten die Kosten aktuell noch nicht.