Kriminalität

Profidiebe auf Beutezug in Easy-Apotheke APOTHEKE ADHOC, 21.08.2017 10:15 Uhr

Berlin - Wenn die Kunden „vergessen zu bezahlen“, kann der Apotheke ein nicht unerheblicher Schaden entstehen – der aus eigener Tasche gezahlt werden muss. Worauf die Kunden es abgesehen haben, welche Tricks angewandt werden und wie Apotheker versuchen, den Schaden so gering wie möglich zu halten, berichtet der Inhaber der Easy-Apotheke Wilmersdorfer, Apotheker Alexander Irrgang, aus eigener Erfahrung.

Die Easy-Apotheke in der Wilmersdorfer Straße in Berlin ist hochfrequentiert und hat beinahe täglich mit Diebstählen zu kämpfen. Rechnet man den Schaden hoch, macht Irrgang monatlich im Durchschnitt auf den Nettoumsatz gerechnet 0,3 Prozent Verlust – „eigenes Risiko“, so der Apotheker, welches jedoch bei einem durchschnittlichen Rohertrag von über 30 Prozent gut zu verkraften ist.

Die Apotheke ist ein Hotspot im Kiez, die große Freiwahl ideal für Diebe. Irrgang und sein Team kämpfen gegen Einzeltäter und Banden. „Die Täter sind bunt gemischt. In der Wilmersdorfer hat es beinahe einen Bandencharakter, am Ku`damm war es auch schon mal eine ältere Stammkundin.“

Meist geht alles ganz schnell, vor allem wenn Banden auftreten, binnen weniger Minuten sind die Regale leergeräumt. Auch wenn die Mitarbeiter aufpassen, haben sie kaum eine Chance. „Die Diebe kommen mit präparierten Taschen, große Aldi- oder Lidl-Beutel, die innen mit Alufolie verklebt sind, die Warensicherungs-Antennen schlagen dann oft nicht mehr an.“ Das Team sichert die Packungen der Freiwahl, aber landen diese in Kühltaschen oder den präparierten Tüten, bleibt der Alarm oftmals aus. Um sich zu schützen, stehen vor einigen Produktreihen nur noch Leerpackungen in den Regalen.



Besonders „beliebt“ bei den Dieben sind Kosmetikprodukte der Marken Eucerin und Vichy, aber auch Nahrungsergänzungsmittel, Kondome oder Tee. „Geklaut wird alles, aber den Hauptanteil des Schadens macht die Kosmetik aus.“ Die Täter sind organisiert und vorbereitet. Sie kennen den Ablauf und die Stoßzeiten in der Apotheke. „Die Diebe kommen am Abend, wenn in der letzen Stunde sehr viel los ist. Auch in der Urlaubszeit schlagen die Täter vermehrt zu.“

Irrgang hat seine Mitarbeiter angehalten, sich den Tätern nicht in den Weg zu stellen oder hinterher zu laufen. „Das ist der Schaden nicht wert, wenn ihnen etwas passiert, weil die Täter aggressiv werden. Man weiß ja nie, ob jemand ein Messer zieht. Bemerkt das Team den Versuch eines Diebstahls, wird geklingelt, dann kommen die PKA nach vorne und stellen sich demonstrativ daneben. Manchmal lassen die Täter dann von der Ware ab.“

Der Apotheker hat bereits überlegt, Security einzustellen. Aber dieser wäre am Ende teurer als der Schaden. Zudem befürchtet Irrgang ein Sicherheitsmann könne die Kunden abschrecken. Das Easy-Konzept schützt die Apotheken mittels Kamera, Sicherungsetiketten und entsprechenden Antennen.



Irrgang muss den entstandenen Schaden ausgleichen und rechnet die Diebstahlquote wie im übrigen Einzelhandel in die Preise ein. Anzeigen hat der Apotheker schon einige erstattet, jedoch ohne Erfolg. Alle wurden eingestellt: „Anzeigen verlaufen im Sande, die Polizei nimmt sie nur noch auf und die Staatsanwaltschaft stellt sie ein. Es handelt sich nur um einen 'geringwertigen Schaden', der nicht weiter verfolgt wird.“

Wie dreist die Täter sind, zeigt ein Fall, der vor einiger Zeit passierte. Im naheliegenden dm wurde ein Dieb gefasst, samt einer Tüte voller Apothekenwaren. „Die Polizisten kamen mit den Produkten in die Apotheke und wir haben unsere Bestände überprüft. Ein Teil der Ware stammte tatsächlich von uns.“

Es ist schwer, der Lage Herr zu werden. Bekannte Einzeltäter haben vom Apotheker bereits ein Hausverbot erhalten. Wenn diese dann doch wieder kommen, weist Irrgang sie direkt an der Tür ab. „Wir versuchen, uns selbst zu helfen und das hart am Limit.“