„Ich habe niemanden, der das machen könnte“ 04.06.2026 15:30 Uhr
Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) kommen für Apotheken weitere Möglichkeiten, Angebote für die Patient:innen zu schaffen. Damit soll das Gesundheitssystem an anderen Stellen entlastet, aber es sollen auch neue Einnahmequellen geschaffen werden. Doch wenn es ums Impfen und Blutabnehmen geht, können und wollen gar nicht alle Apotheken die neuen Dienstleistungen anbieten.
Ganzjährige Impfangebote für Totimpfstoffe, venöse Blutabnahme und Tests, Abgabe von Rx-Arzneimitteln in bestimmten Fällen – mit dem ApoVWG wird in vielen Apotheken das Angebot umfangreicher. Dass hierbei nicht alle Apotheken mitziehen, weil sie es nicht wollen oder personell beziehungsweise räumlich gar nicht abbilden können, thematisierte nun die „Sächsische Zeitung“. So meint beispielsweise Heiko Neumann von der Zinzendorf-Apotheke in Niesky, dass mehr Kompetenzen generell „große Klasse“ seien, weil Arztpraxen entlastet werden könnten.
Impfen und Blut abnehmen wolle er trotzdem nicht. „Ich hätte dann Sorge, dass vielleicht doppelt geimpft würde.“ Das Thema sei in den Praxen besser aufgehoben. Hinzu kommt die schwierige Personalsituation: „Ich habe niemanden in meiner Apotheke, der das machen könnte.“ Neumann sucht ohnehin bereits eine:n Apotheker:in – bislang erfolglos. Zudem geben die Strukturen vor Ort solchen Angeboten kaum Raum: Neben zwei Apotheken verfügt das 10.000-Einwohner-Städtchen über mehrere Ärzte.
Ähnlich sieht es auch Inhaberin Jeannine Drescher aus der Adler-Apotheke in Reichenbach. Das neue Impfangebot sei sinnvoll, wo es einen Mangel an Hausärzten gebe – aber nicht in Reichenbach mit seinen drei Allgemeinmedizinern im 5000-Einwohner-Ort. „Wir sind da sehr gut aufgestellt. In die ärztlichen Kompetenzen möchte ich nicht eingreifen“, sagt sie.
„Auf dem Land arbeiten Arzt und Apotheker schon eng zusammen“, zitiert die „Sächsische Zeitung“ Jana Garbe von der Stadtapotheke in Rothenburg. Mehr Kompetenzen seien gut, doch die Ausweitung des Impf-Angebots oder Blutabnahmen gingen zu weit. „Dazu gehören ärztliche Kompetenzen.“ Parallelstrukturen würden geschaffen. „Wir werden das nicht anbieten“, so die Inhaberin.