Google Pay statt Bargeld

Ich bezahle mit meinem Smartphone! Silvia Meixner, 17.08.2018 07:52 Uhr

Berlin - Wie möchten Sie bezahlen? Mit meinem Smartphone. In der Adler-Apotheke im rheinland-pfälzischen Rhaunen ist das ab sofort möglich. Als einer der ersten Apotheker Deutschlands hat Johannes Jaenicke Google Pay eingeführt. Seine Zukunftsprognose wirkt abschreckend für alle unbeirrbaren Bargeld-Liebhaber.

„Bisher hat erst ein Kunde mit Google Pay bezahlt“, sagt der Apotheker. Aber so ist das eben, wenn man Trendsetter ist. Aller Anfang ist schwer, man braucht ein wenig Geduld. „Wir haben alle Handys und merken oft im Gespräch, dass wir das Portemonnaie vergessen haben. Das Handy hingegen hat man immer dabei.“

Deshalb ist er von der Idee der Near Field Communication (Nahfeldkommunikation, kurz: NFC) überzeugt. „Man kann Erfindungen wie Google Pay ignorieren oder man kann sie produktiv nutzen.“ Sein Team und er sind jedenfalls begeistert. Und diese Begeisterung soll sich auch auf die Kunden übertragen. Bezahlt werden kann via Smartphone oder Google Watch. Internationale Konzerne arbeiten bereits an weiteren Gadgets, mit denen man in Zukunft bezahlen können soll. Die Ideen reichen von Handschuhen bis zum Ohrring. Online bestellbar sind zum Beispiel schon Kugelschreiber oder T-Shirts mit eingebautem NFC-Chip.

Der Google Pay-Dienst ist in Deutschland Ende Juni gestartet, wir sind das 19. Land, in dem die Bezahlform eingeführt wurde. Jaenicke wagt eine Prognose: „In fünf Jahren werden 30 Prozent aller Transaktionen via Handy bezahlt werden.“ Privat hat er allerdings erst einmal diese Bezahlform genutzt. Im Discounter wollte er mit seinem Smartphone bezahlen und löste an der Kasse Irritationen aus. „Sie müssen Ihre EC-Karte nehmen, hat die Kassiererin gesagt“, erzählt er lächelnd.

Er blieb hartnäckig und es funktionierte schließlich. „Das Tolle daran ist, dass man keine PIN mehr braucht. Man muss nur sein Handy entsperren, danach kann man damit bezahlen.“ Natürlich erst nachdem man die entsprechende App heruntergeladen hat. Viele deutsche Bankhäuser bieten diese Form des Bezahlens mittlerweile an.

Laut einer Umfrage der Beratunsgesellschaft PwC aus dem Jahr 2017 wollen 55 Prozent aller deutschen Konsumenten gern mit dem Smartphone bezahlen. De facto haben es bislang allerdings erst rund 13 Prozent getan. Für Kunden, die schnelles Bezahlen schätzen, ist Bezahlen mit NFC eine einfache Sache: Smartphone oder Google-Watch ans Bezahlgerät halten, in Sekundenschnelle wird das Geld überwiesen.

Man benötigt ein Smartphone mit dem Google-Betriebssystem Android und NFC-Technik, außerdem eine Visa- oder Mastercard einer Bank, die am Bezahlsystem teilnimmt, sowie die Google Pay-App, die man aus dem Play Store herunterladen kann. Bis Ende 2018 soll das mobile Bezahlen laut Handelsverband HDE an 80 Prozent aller deutschen Kassenterminals funktionieren.

„Auf dem Land ist Bezahlen mit dem Smartphone noch nicht so etabliert“, sagt Jaenicke. Umso besser, dass er es anbietet. „Es wird ein neuer Trend werden, so zu bezahlen“, meint er. Die Maschinerie sei angelaufen und nicht mehr zu stoppen. „Jeder Apotheker kann es anbieten, man muss nur das Gerät dafür freischalten. Es ist kostenfrei“, erklärt der Pharmazeut. „Und bald kommt Apple Pay“, sagt der Apotheker. Auch da will er mit seinem Team vorne mit dabei sein. Er sagt: „Mein Schwiegervater zum Beispiel ist über 70, er hat zwar ein Handy, wird aber vermutlich nicht mit NFC bezahlen. Aber bei Kunden unter 60 kann‘s losgehen.“

Von Anbietern seit Jahren als Bezahlen der Zukunft propagiert, läuft die Maschinerie in Deutschland nur zäh an. Denn die Deutschen sind ein Volk der Barzahler. Und sie stellen Fragen, was mit ihren Daten passiert. Passieren könnte. Da die Antworten internationaler Konzerne wie zum Beispiel Google nicht immer befriedigend ausfallen, behalten viele ihre klassische Bezahlweise bei.

Experten erinnern immer wieder daran, dass Google die gesamte Kaufhistorie seiner Kunden auswertet und die Daten mit Tochterfirmen teilt. Dann lieber Scheine und Münzen, sagen sich viele. Das Smartphone oder eine Uhr an der Kasse an ein Bezahlgerät zu halten, erscheint vielen unsicher. Dass der große Run auf Google Pay in seiner Offizin bislang ausblieb, nimmt Jaenicke gelassen. Gut Ding braucht Weile. Immerhin haben Kollegen angerufen, die ihn um Rat fragten, wie das denn so funktioniere mit diesem Google Pay.