Modellprojekt Nordrhein gestartet

Erster Apotheker impft gegen Grippe APOTHEKE ADHOC, 06.10.2020 07:56 Uhr

  • Apotheker Markus Reiz (2.v.L.) hat im Modellprojekt des AVNR mit der AOK Rheinland/Hamburg als erster Apotheker eine Grippeschutzimpfung in seiner Apotheke durchgeführt. Foto: AVNR

Berlin - Apotheker Dr. Markus Reiz hat gestern die erste Grippeschutzimpfung in einer deutschen Apotheke durchgeführt. Seine Donatus-Apotheke in Bornheim bei Bonn nimmt an dem Modellprojekt des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR) und der AOK Rheinland/Hamburg teil. Reiz ist Mitglied des Vorstands im AVNR.

In Nordrhein ist damit das bundesweit erste Modellprojekt zu Grippeschutzimpfungen in Apotheken gestartet. Nach Verbandsangaben haben rund 120 Apotheker aus mehr als 60 Apotheken an Rhein und Ruhr die notwendige Zusatzqualifikation zur Durchführung von Grippeschutzimpfungen erworben.

Die Voraussetzung für die Impfungen in der Apotheke hatten der Apothekerverband und die AOK am 9. Juli 2020 vertraglich vereinbart. Der Gesetzgeber hatte mit dem Masernschutzgesetz die Möglichkeit hierzu geschaffen.

Apotheker Reiz freut sich, dass er und seine Kollegen in der Donatus-Apotheke die neue Dienstleistung als erster anbieten konnte und dass es jetzt endlich losgehen kann. „Aktuell haben wir schon eine lange Warteliste von Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg, die unser neues Dienstleistungsangebot wahrnehmen wollen.“

AVNR-Vorsitzender Thomas Preis sagte: „Das war ein hartes Stück Arbeit für alle Beteiligten, in weniger als zwölf Wochen die Voraussetzungen zu schaffen, dass jetzt in den nächsten Tagen schon über 60 öffentliche Apotheken in Nordrhein ergänzend zum Impfangebot der Ärzteschaft für Grippeimpfungen der Bevölkerung zur Verfügung stehen können.“ Weitere gut 60 Apotheken sollen noch bis zum November folgen, so dass in der Grippesaison 2020/2021 fast 150 Apotheken an Rhein und Ruhr Grippeschutzimpfungen durchführen werden.

Die teilnehmenden Apotheker haben sich in ärztlich geleiteten Impfseminaren vorbereitet. Die Inhalte der Schulungen sind laut Verband mit dem Robert Koch-Institut (RKI) und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) abgestimmt worden.

Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, erklärte zum jetzt gestarteten Modellprojekt Grippeimpfung in öffentlichen Apotheken: „Dieser weitere, niedrigschwellige Zugang zur Impfung in öffentlichen Apotheken macht es den Menschen leichter, sich gegen Influenza impfen zu lassen. Die Grippeschutzimpfung ist eine der bedeutendsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen: Mit ihr können viele Grippetote vermieden werden.“

Die Apotheker in Nordrhein erhielten im Rahmen des Modellprojekts 12,61 Euro, zusätzlich werde ihnen der Impfstoff erstattet. Dagegen protestieren die Ärzte, weil für das Impfen gegen die Grippe je nach Bundesland nur zwischen 7,47 Euro (Sachsen-Anhalt) und 9,43 Euro (Hessen) erhalten. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert gemeinsam mit dem Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) die Politik auf, schnellstmöglich die Honorare für die Grippeimpfung auch für die Ärzte anzuheben.