BMG trödelt, Apotheken drohen Retaxationen 01.06.2026 15:25 Uhr
Auf den letzten Metern wollte die Politik noch handeln und Rabattverträge bei Biologika verbieten. Doch zumindest bei einer Ausschreibung kam die Intervention zu spät: Die Verträge des BKK-Dienstleisters SpectrumK starten heute wie geplant. Auf die Apotheken rollen damit nicht nur Diskussionen mit den Patientinnen und Patienten zu, sondern womöglich auch Retaxationen.
Seit April müssen Biologika in der Apotheke ausgetauscht werden, oft werden dem Vernehmen nach die Felder „aut-idem“ oder „pharmazeutische Bedenken“ angekreuzt. Die Kassen wollten die Sache mit exklusiven Rabattverträgen beschleunigen, von Milliardeneinsparungen war die Rede.
Im allerletzten Moment legten die Fraktionen einen Änderungsantrag zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) vor, mit dem Ausschreibungen noch einmal um zwei Jahre verschoben werden sollen.
Doch da waren die ersten Vergabeverfahren längst in der Welt. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) musste die Kassen darum bitten, auf Zuschläge zu verzichten. Zähneknirschend nahmen TK/GWQ und Barmer ihre Ausschreibungen zurück.
SpectrumK bleibt dagegen stur. Der BKK-Dienstleister war bereits im Februar vorgeprescht und hatte sogar schon Zuschläge erteilt. Eine Rückabwicklung sei rechtlich und technisch problematisch und würde zu Verunsicherung führen, so das Management. Daher treten die Verträge wie geplant mit dem heutigen Tag in Kraft.
Den Ärger haben nun die Apotheken. Denn sie müssen jetzt darauf achten, dass sie bei rund 50 kleineren Kassen genau das richtige Präparat abgeben. Ansonsten drohen Retaxationen – und die können bei Biologika teuer werden. Die drei betroffenen Wirkstoffe haben durchweg mindestens drei-, oft auch vierstellige Preise.
Dabei hatte das BMG bereits im Januar im Rahmen eines Fachgesprächs angekündigt, dass es gesetzliche Änderungen geben werde. Doch dann passierte vier Monate lang nichts – kein Wunder also, dass die Kassen versuchten, Fakten zu schaffen. Politische Ankündigungen helfen nicht weiter, das wissen die Apotheken auch vom Fixum. Im Zusammenhang mit den Rabattverträgen müssen sie nun mit den Konsequenzen der politischen Trödelei leben.