Trend geht zu zwei Zimmern

Beratungsraum: Von wegen „Stiefkind“ 06.02.2026 07:59 Uhr

Berlin - 

Apotheken befinden sich im Wandel. Während auf der einen Seite viele Betriebe schließen müssen, machen sich andere auf Richtung Zukunft. Dazu gehört auch Platz für neue Services. Ein neuer Trend unter Einrichtern: „Immer häufiger wird beim Umbau von Apotheken ein zweiter Beratungsraum gewünscht“, sagt Raumplaner Hagen Brockhaus. Der Geschäftsführer gibt Tipps und warnt vor typischen Fehlern.

 

Die meisten Apotheken haben einen Beratungsraum. Seit 2012 schreibt die Apothekenbetriebsordnung vor, dass die Vertraulichkeit der Beratung gewährleistet werden müsse. Der separate Bereich kommt mit neuen Anforderungen wie Impfen und pharmazeutische Dienstleistungen wieder in den Fokus. „Wir sehen gerade: Immer mehr Kunden denken Beratung nicht mehr mit, sondern voraus“, sagt Brockhaus von Mediraum Design.

Top-Beratungsraum aus Strategiegründen

Inhaberinnen und Inhaber wünschten sich immer öfter einen „hochwertigen“ Beratungsraum. Dieser solle schalldicht und mit einer Waschmöglichkeit ausgestattet sein. „Als besonderes Bonbon kommt oft noch der Wunsch nach einem kleinen Wartebereich für die Zeit vor oder nach Impfungen oder intensiveren Gesprächen hinzu.“ Zwei Räume gewährleisteten, dass sowohl etwa Impfungen als auch intensive Beratung gleichzeitig stattfinden könnten.

Dahinter stecke nicht Luxus, sondern Strategie, sagt er. „Hier kreuzen sich Positionierung beim Leistungsangebot und Raumplanung. Der Beratungsraum wird vom Pflichtfeld zum Profil- und so zum Umsatztreiber.“ Wichtig sei, mindestens acht bis zehn Quadratmeter einzuplanen. Der Zugang von der Offizin aus solle gut sichbar und gleichzeitig diskret sein.

Im Raum selbst solle eine „wohnliche Atmosphäre“ geschaffen werden, in der sich Menschen wohlfühlen. „Und statten Sie den Raum für alle pharmazeutischen Dienstleistungen aus“, rät er. Mit einem Beratungsraum könne genau die persönliche Patientenbindung geschaffen werden, die kein Versandhandel bieten könne. Die Rechnung könne aufgehen: „Honorierte Medikationsanalysen und andere pharmazeutische Dienstleistungen summieren sich schnell zu einem spürbaren Zusatzeinkommen – und das nur durch die bessere Nutzung eines ohnehin benötigten Raums.“

Apotheken kümmern sich um Beratungsumfeld

Brockhaus nimmt die Bemühungen der Inhaberinnen und Inhaber in Richtung Beratungsservice bei seiner Arbeit wahr: „Jeder, aber wirklich jeder Apotheker oder jede Apothekerin achtet sowohl bei Neubau als auch beim Umbau der Apotheke auf Verbesserungen in diesem Bereich“, sagt er. Wenn es Defizite gebe, hänge dies oft mit dem Alter und dem Standort des Betriebs zusammen. „Die neueren Apotheken haben sehr häufig einen ordentlichen Beratungsraum. Die im Osten Deutschland etwa, weil sie neuer sind. Ob dieser Raum nach 30 Jahren Nachwendezeit allerdings den heute gestellten Anforderungen an Größe und Ausstattung entspricht, ist eine andere Frage.“

No-Gos und häufige Fehler, die es immer wieder gebe, seien zu kleine Räume, die keine echten Gespräche zuließen oder versteckte Lagen, die Patientinnen und Patienten nicht einladen würden. „Oder eine sterile Atmosphäre wie im Wartezimmer. Noch schlimmer ist es, wenn der Raum kurzerhand als Lager zweckentfremdet wird.“