Neue Gebühren

Apothekerin im Clinch mit der Sparkasse Hagen Schulz, 20.08.2019 15:18 Uhr

  • Die Sparkasse Vorpommern erhöht für ihre gut 16.000 Geschäftskunden die Gebühren im Bargeldverkehr. Apothekerin Erika Meding meint, dass das Geldinstitut damit seinen Zweck verfehle. Foto: Elke Hinkelbein

Berlin - Wenn eine Bank in diesen Zeiten ihre Vertragsbedingungen ändert, kommt für ihre Kunden selten etwas Gutes dabei heraus. So müssen sich auch die Kontoinhaber bei der Sparkasse Vorpommern ab 1. September auf neue Gebühren einstellen. Erika Meding, Inhaberin der Recknitz-Apotheke im an der Ostsee gelegenen Ribnitz-Damgarten, kann den Kurs der Sparkasse nicht nachvollziehen. Die Apothekerin ärgert sich vor allem über die fehlende Kompromissbereitschaft des Geldhauses.

Deutschland ist und bleibt ein Land der Barzahler. Für die gut 16.000 Geschäftstreibenden, die ein Konto bei der Sparkasse Vorpommern haben, ist dies aktuell von Nachteil. Denn die Sparkasse erhöht ab September die Gebühren für die Ausgabe von Geldrollen. Pro Rolle sind dann 50 Cent fällig. Viel zu viel, wie Meding findet. Als lokal agierendes Geldinstitut solle die Sparkasse die Geschäftsleute vor Ort unterstützen statt ihnen zusätzliche Gebühren aufzuerlegen.

Die Sparkasse Vorpommern zeige jedoch keine Verhandlungsbereitschaft für ihre Geschäftskunden. Die Argumente seitens der Bank seien die erwarteten: „Die Sparkasse sagt uns, sie muss mit den Gebühren ihre Verdienstausfälle infolge der niedrigen Zinsen ausgleichen“, so Meding, die die Recknitz-Apotheke seit 1991 leitet. Das Ausgeben von Geldrollen ist dabei nicht die einzige Maßnahme, die zum 1. September in Kraft tritt.

Auch das Einzahlen von Bargeld wird bei Sparkasse Vorpommern künftig teurer. „Wer sich mühsam 100 Euro angespart hat, muss davon gleich mal fünf Euro wieder abgeben, wenn er das Geld zur Bank bringt“, berichtet Meding. Ihrer Ansicht nach verfehlt die Sparkasse mit der aktuellen Preispolitik ihren eigentlichen Zweck: „Sie sollte eigentlich die Bank für das Volk sein. Stattdessen macht sie alles auf Kosten des Volkes.“

Ihre Kunden zur Kartenzahlung umerziehen möchten Meding und ihre fünf Angestellten dennoch nicht. Schließlich würde dies das Gebührenproblem nicht lösen: „Jede Buchung mit dem Kartenleser kostet mich acht Cent. Wenn 300 Leute am Tag in meine Apotheke kommen und mit Karte zahlen, kommt da wieder so ein großer Betrag zusammen, den ich eigentlich auf die Kunden umlegen müsste. Das wäre ein endloser Rattenschwanz“, erklärt die Apothekerin.

Alternativen zur Sparkasse gibt es in der vorpommerschen Stadt kaum. Im Ort mit 15.000 Einwohnern gibt es nur drei ansässige Banken. „Bei der einen Bank wurde ich mit großen Augen und verwundert angeschaut, als ich erzählte, dass ich Geldrollen brauche. Die Banken wollen doch heutzutage nichts mehr mit Bargeld zu tun haben“, berichtet Meding. Stattdessen schließt sich die Apothekerin mit den anderen Händlern aus Ribnitz-Damgarten zusammen.

„Das Problem betrifft ja nicht nur mich. Aber man kann ja vieles untereinander lösen, wenn man nur miteinander redet. Der eine braucht mehr Kleingeld, der andere mehr Großgeld und dann tauscht man sich eben zurecht“, so Meding. Dennoch sei es traurig, dass solch Improvisationen überhaupt nötig sind. Ein Ende der Gebührenspirale ist laut der Apothekerin aktuell nicht abzusehen, auch die Gebühren fürs Online-Banking sollen bei der Sparkasse demnächst angepasst werden. „Und das immer zu Lasten der kleinen Leute“, seufzt Meding.

Kati Ambrosat, Pressesprecherin der Sparkasse Vorpommern, kann den Unmut der Apothekerin nachvollziehen. Allerdings seien die Maßnahmen alternativlos: „Bargeld kostet nun einmal, in der Lagerung, im Transport, in der Ausgabe. Um unseren Service und unsere Präsenz vor Ort aufrecht zu erhalten, müssen wir diese Kosten leider auf die Kunden umlegen.“

Zudem könne nicht behauptet werden, dass die Sparkasse nicht auf die Geschäftskunden zugegangen ist: „Wir geben jetzt standardmäßig Päckchen mit je zehn Rollen ab, um die Gebührenanpassung so gering wie möglich zu halten. Zudem haben wir unseren Kunden alternative Möglichkeiten zur Ver- und Entsorgung aufgezeigt“, so Ambrosat. Jedoch könne man nicht erwarten, dass die Sparkassen ihre Dienstleistungen kostenlos anbieten.

„In der Apotheke zahlen Kunden doch auch eine Rezeptgebühr oder eine Notdienstpauschale am Sonntag. Da werden also auch Gebühren für bestimmte Dienstleistungen erhoben. Nichts anderes machen wir auch“, erklärt Ambrosat das Handeln der Sparkasse Vorpommern. Nichtsdestotrotz wünsche sich das Geldhaus eine gute Beziehung zu seinen Geschäftskunden und hofft auf Verständnis von Apothekerin Meding.