Apothekenreform geglückt, Warken wird Papst 23.05.2026 08:23 Uhr
H-a-l-l-e-l-u-j-a! Was war das für eine Freude im Bundestag am gestrigen Freitag. Die Apothekenreform ist durch. Drei Jahre hat es für das Mammutprojekt gebraucht, eine Regierung ist darüber zerbrochen, ein Minister daran zerschlissen. Dombau zu Köln nichts dagegen. Aber wie ehrt man eine Ministerin, die dieses höchste Wunder vollbracht hat? Pünktlich zu Pfingsten kommt nur eine Weihe in Frage.
Es ist ein Wunder, das für den menschlichen Geist nicht zu erfassen ist: Der Herr hat der Menschheit ein Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) geschenkt, pünktlich zur Erscheinung des Heiligen Geists, doppelte Freude im Hohen Haus sozusagen. Entsprechend sakral traten die Messdiener im Bundestag auf: „Habemus Apothekenreform“, frohlockte Pröpstin Tanja von der Kleinstkonfession SPD. „Hallelujah!“
In ihren Lobgesang stimmten die Brüder und Schwestern ein. Pater Christos sprach über Daseinsfürsorge, Nächstenliebe und Notdienst. Bischöfin Simone hub ebenfalls zur allgemeinen Lobpreisung an: Apotheken gebühre Respekt, nicht nur für ihre tägliche Arbeit für die Armen und Schwachen. Sondern auch dafür, dass sie zwei Jahrzehnte durch die Wüste wandern mussten, ehe sie nun schon bald das Gelobte Land erreichen würden. Die ganze göttliche Gnade wurde in dieser Stunde sichtbar. Nur die grantige Heidenbraut der Grünen wollte der seligen Gemeinde Wasser lieber in den Wein schütten und beschwor die Apokalypse des GKV-Systems herauf. „Schämen Sie sich für dieses Gesetz. Danke für nichts!“ Das Schöne aber, liebe Paula, ist doch: Gott liebt auch Dich so, wie Du bist.
Doch von den Worten falscher Propheten ließen sich die Glaubensdiener nicht beirren. Gleich nachdem die heilige Reform beschlossen wurde, verschwanden sie aus dem Saal – um gemeinsam zu ihrer neuen geistlichen Hirtin zu pilgern. Denn der war endlich gelungen, woran ihr Vorgänger, der heilige Eremit Karl, wieder und wieder gescheitert war. Der asketische Mönch hatte seine Glaubensschrift schon drei Jahre zuvor verfasst, bei den Prozessionen des Jahres 2023 hatte er die Menge vom Fenster seiner Stube aus eingesegnet. Doch bevor er sein Werk zu Ende bringen konnte, hatte er als Märtyrer ins Exil gehen müssen.
Es herrschte eine andächtige Stimmung, als die Gemeinde die heiligen Hallen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) betrat. Hier spürte man die Erhabenheit großer Reformen. Mit gesenkten Blicken stiegen die Gläubigen die Stufen hinauf – gut, einige nahmen wohl auch den Fahrstuhl – und versammelten sich vor der Kammer der Hohepriesterin. Schon bald sah man am Himmel über Berlin weißen Rauch aufsteigen.
Auf den Straßen hatten sich längst die Apothekerinnen und Apotheker der Stadt versammelt – endlich wieder in ihrer traditionellen Tracht: Die roten T-Shirts des Protestes waren abgelegt, die Kittel strahlten in unbeflecktem Weiß. In rituellen Feuern wurden Pappen mit großer roter Null und Unterschriftenlisten verbrannt. Drumherum herrschten Tanz, Jubel und Ekstase. Endlich war sie da, die Erlöserin der Heilkünste! Am Abend schritten die Gesandten der Abda durch die Menge, liturgische Gesänge auf ihren Lippen. In ihren Händen hielten sie Gefäße mit Ibuprofen, Weihrauch Kapseln und Myrrhe – Geschenke an ihre neue Päpstin, Nina I.
So oder so ähnlich wurde die Verabschiedung der Apothekenreform am Freitag tatsächlich gefeiert. Zuvor wurde allerdings bis zuletzt um Details gerungen. Ins Ziel geschafft haben es die PTA-Vertretung, die jetzt anders heißt, die Zweigapotheken, die hoffentlich nie jemand eröffnen wird, und mehr Geld für den Notdienst, das aber aus dem pDL-Topf genommen wird. All das ist zu verschmerzen, weil tatsächlich das Fixum erhöht werden soll. In zwei Stufen zwar, aber auf die versprochenen 9,50 Euro immerhin. Diese Win-Win-Win-Situation wurde medienwirksam ins Schaufenster gestellt, nur zu Papier gebracht wurde noch nichts. Aber darüber senkt sich jetzt erst einmal der Schleier der Nächstenliebe. Schöne Pfingsten. Veni Sancte Spiritus.