Kommentar

Apotheken sind lokale Helden 03.03.2026 10:25 Uhr

Berlin - 

Was das Honorar angeht, befinden sich die Apotheken in der Warteschleife. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, packen einige Inhaberinnen und Inhaber selbst an und schaffen mit eigenen Ideen neue Einnahmefelder. Bravo! Ein Kommentar von Carolin Ciulli.

In Gelsenkirchen geht die Stadt mit einer Apotheke in einem neuen Modellprojekt eine Jahresvereinbarung ein. Der Inhaber und sein Team kümmern sich um Präventionsfragen. Sie beraten die Bürgerinnen und Bürger und leiten sie an die geeigneten Stellen weiter – sei es für „Essen auf Rädern“, Sportmöglichkeiten, psychische Betreuung oder Nachbarschaftshilfe.

Für seine Lotsenfunktion erhält der Apotheker knapp 100.000 Euro. Mit dem Betrag kann er ein eigenes Team aufbauen, Qualitätsstandards entwickeln und nicht nur kostendeckend, sondern auch gewinnbringend arbeiten. Das Beispiel zeigt, dass sich Apotheken nicht verstecken müssen und abseits von der großen Bundespolitik selbst das Ruder in die Hand nehmen sollten. Denn die Stadt schrieb das Projekt regulär aus, die Apotheke bekam den Zuschlag.

Unhabhängiger von Rezeptgeldern

Auch andere Betriebe bemühen sich, sich regional stärker aufzustellen und unabhängiger von Rezeptgeldern zu machen. Für die Apotheken ist das ein entscheidender Schritt in die eigene Zukunft.

Natürlich kostet solch ein Engagement auf kommunaler Ebene auch Ressourcen. Doch wer nicht investiert, gewinnt auch nicht. Eine Stärke der Vor-Ort-Apotheken ist eben dieses regionale Netzwerk, in dem sie ein wichtiger Teil sind. Jetzt gilt es Wege zu finden, dies monetär nutzbar zu machen. Dazu lohnt sich der Austausch mit regionalen Partnern wie Banken oder Vereinen, um Sponsoren für Präventionsprojekte zu finden.

Stärken betonen

Die Apotheken müssen laut werden und ihre Stärken weiter betonen. Nicht nur in Berlin, sondern auch in ihrem Umfeld. Wer dann noch nachweisen kann, dass die Projekte Früchte tragen, kommt dem Ziel, diese Projekte in die Regelversorgung aufzunehmen, ein Stück näher.

Ein Problem bleibt: Die Apotheken sind vielerorts aber weiter am Limit, das ist nicht zu leugnen. Wo Geld für mehr Personal fehlt oder Fachkräfte einfach nicht zu bekommen sind, sind leider auch keine großen Schritte möglich.