IT-Umstellung

Apobank entschuldigt sich Alexander Müller, 11.06.2020 15:32 Uhr

  • Die Apobank entschuldigt sich bei ihren Kunden für die misslungene IT-Umstellung. Foto: APOTHEKE ADHOC

Berlin - Nachdem die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) die Probleme mit ihrem IT-Umzug zu Beginn noch kleinredete, hat die Genossenschaftsbank in der Kommunikation jetzt die Kurve bekommen: Auf der eigenen Homepage entschuldigt sich die Apobank für die anhaltenden Probleme beim Umzug. Und den eigenen Kunden soll kein finanzieller Schaden entstehen.

Die Apobank hat über Pfingsten die IT-Migration vollzogen, der Wechsel des Kernbanksystems ist ein Großprojekt mit jahrelanger Vorbereitung. Umso ärgerlicher für die Bank, dass die Umstellung massive Probleme verursachte: Überweisungen blieben hängen, Abbuchungen wurden zurückgewiesen, Kunden konnten nicht auf ihre Konten zugreifen. Während die Apobank dies zunächst als Darstellungsprobleme herunterspielte und den Umzug insgesamt als gelungen bezeichnete, wurden die Bugs immer offenkundiger.

Mittlerweile räumt auch die Apobank dies ein und entschuldigt sich auf ihrer Homepage: „Wir sagen Entschuldigung! Der Start unseres neuen Online-Bankings ist nicht geglückt – deshalb bieten wir Ihnen aktuell nicht den Service, den Sie von uns gewohnt sind. Das bedauern wir sehr. Wir alle arbeiten mit Hochdruck daran, die Störungen zu beheben.“

Einer Sprecherin zufolge hatte man gerade zu Beginn selbst nicht damit gerechnet, dass die Einschränkungen so groß sind. Mittlerweile läuft vieles besser, aber noch sind nicht alle Störungen behoben. Um die Kunden zu unterstützen, bietet die Bank neben der Entschuldigung auf der Homepage jetzt auch Hilfestellungen an, zum Beispiel in Form von Erklärvideos, etwa zur Aktivierung der apoTAN+.

Wie groß der Schaden bei der Bank ist und ob gar rechtliche Auseinandersetzungen drohen, kann die Bank heute noch nicht sagen. Dafür sei es einfach noch zu früh, man befinde sich noch in der „Stabilisierungsphase“.

Fest steht schon jetzt: Der IT-Umzug hat deutlich mehr Geld verschlungen als ursprünglich geplant. Von bis zu einer halben Milliarde Euro wird gemunkelt. Die Apobank-Sprecherin bestätigte, dass es sich insgesamt um einen „mittleren dreistelligen Millionenbetrag“ handele.

Im Geschäftsbericht für das Jahr 2019 ist die Kostenexplosion schon vermerkt: „Der Sachaufwand inklusive Abschreibungen stieg dagegen sehr deutlich auf 423,9 Mio. Euro (2018: 325,2 Mio. Euro). Maßgeblich hierfür waren Aufwendungen für die IT-Migration, höhere regulatorische Aufwendungen sowie Investitionen zur Optimierung unserer Kreditprozesse und für strategische Projekte. Der Anstieg im Sachaufwand lag vor allem wegen der Kosten für die IT-Migration deutlich über seinem Planwert.“

Und in der Prognose hieß es: „Der Verwaltungsaufwand wird 2020 maßgeblich von den Investitionen in die IT-Migration bestimmt. Ohne die Kosten der IT-Migration ginge der Aufwand sehr deutlich zurück. Unter Berücksichtigung der Umstellungskosten wird der Sachaufwand spürbar steigen.“

Bis zuletzt glaubte man in Düsseldorf offenbar, alles im Griff zu haben. Wie schon ein Jahr zuvor heißt es im Geschäftsbericht: „Apobank-spezifische Risiken, auch mit potenziellen Auswirkungen auf ihre Gewinn- und Verlustrechnung, können sich aus der geplanten Migration der IT-Systeme auf das System des neuen Anbieters ergeben. Die Migration ist für 2020 geplant. Wir haben diese Risiken analysiert und entsprechende Maßnahmen getroffen, um ihnen wirksam zu begegnen.“

Die Entscheidung für die Einführung des neuen IT-Systems und den neuen Partner hatten Vorstand und Aufsichtsrat „nach Abwägung aller strategischen, qualitativen und Risikogesichtspunkte“ am 29. September 2017 getroffen. Als Rückgrat sollte das IT-System des neuen Anbieters die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells unterstützen. „Das neue System wird für uns als Spezialbank und zugleich EZB-regulierte Bank zugeschnitten und damit den speziellen Anforderungen gerecht, die sich aus unserem Geschäftsmodell ergeben: Es erlaubt uns, neue Themen flexibel und bei Bedarf auch unabhängig vom Kernbanksystem umzusetzen. Bereits 2020 soll die Migration auf das neue System stattfinden. Es kommt also viel Arbeit auf uns zu. Hierbei können wir auf die außergewöhnliche Einsatzbereitschaft und den Teamgeist unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen, den wir bei bisherigen Großprojekten bereits erleben durften.“

Der Vorstandsvorsitzende Ulrich Sommer war noch am 3. April überzeugt: „Die neue, leistungsfähige IT ist die Basis, um für unsere Kunden und Mitglieder schneller, digitaler und spezialisierter zu werden. Mit ihr werden wir Schnittstellen zwischen verschiedenen Anwendungen und damit unsere internen Prozesse effizienter gestalten.“

Derzeit wird im Team Projektleiter Lutz Schirmacher und dessen Vorstand Eckhard Lüdering sowie im gesamten Bankbetrieb mit Hochdruck daran gearbeitet, dieses Versprechen doch noch einzulösen.