PTA-Karrieren

Immobilien statt Medikamente Nadine Tröbitscher, 25.11.2016 09:14 Uhr

Berlin - 

PTA, ILS Diplom Psychologische Beraterin, Kommunikationstrainerin, Autorin und Maklerin: Michaela Beer hat in ihrem Berufsleben bereits viele Stationen absolviert. Verkaufte sie vor Jahren noch Medikamente, sind heute Immobilien in ihrem Portfolio. Mit viel Arbeit und Motivation hat sich die gebürtige Ravensburgerin ihre Träume erfüllt.

Nach einem Praktikum in einer Ravensburger Apotheke war bei Beer das Interesse geweckt. Eigentlich hätte sie lieber Abitur gemacht, aber mit dem angesehen Beruf der PTA konnte sie sich auch identifizieren. Großes Interesse hatte Beer an der Tätigkeit in der Rezeptur, sie empfand die Arbeit in der Apotheke als sauber und anspruchsvoll. Die Ausbildung am NTA-Isny im Allgäu beendete sie im Februar 1996, danach war sie in Apotheken tätig.

Doch schnell sah Beer ihre Karriere in der Sackgasse, so wuchs der Wunsch nach Veränderung. Mittlerweile nach Berlin umgezogen, holte sie das Abitur nach und arbeitete nebenher in drei Apotheken. Nicht die viele Arbeit war dabei das Problem, sondern die Herausforderung, am richtigen Tag zur richtigen Zeit in der richtigen Apotheke zu sein. Das Abitur in der Tasche, wuchs 2003 die Idee, Pharmazie zu studieren: Beer hoffte, ihre PTA-Ausbildung und die sechsjährige Tätigkeit als Galenik-Coach anerkannt zu bekommen. Doch weit gefehlt: Obwohl sie jeden Apotheker mit ihren Galenik-Kenntnissen in die Tasche gesteckt hätte, wurde ihre Kenntnisse nicht anerkannt.

Also absolvierte Beer eine Weiterbildung zum Coach. Für Faktor X besuchte sie hunderte von Apotheken in ganz Deutschland. PTA und Apotheker stärkte sie durch Inhouse-Schulungen in ihrer Beratungskompetenz. Damals noch ohne Navi, half ein Routenplaner bei der Planung ihrer Einsätze. Während einer Schulung in einer Apotheke wurde sie gefragt, was sie denn eigentlich qualifiziere, das Personal zu coachen. Das war der Auslöser für das Fernstudium, 2005 hatte sie den Abschluss als ILS Dipl. Personal Coach, Psychologischer Berater. Fortan war Beer für Pharmafirmen interessant, sie gründete ihre eigene Agentur.

Beer arbeitete selbstständig als freie Trainerin unter anderem für Boehringer Ingelheim. Außendienstmitarbeiter wurden geschult, als Feld-Trainerin begleitete sie die Kollegen und gab nach dem Kundengespräch ein Feedback. Sie gab Coachings zu Produktkommunikation und Verkaufstrainings.

An der Bernd Blindow Schule in Berlin unterrichtete sie gemeinsam mit einer Apothekerin angehende PTA. Sechs Jahre lang betreute sie ein- bis zweimal pro Woche das Galenikpraktikum, drei Jahrgänge begleitete sie zu ihrem Abschluss.

Beer bildete sich stets fort und wurde 2009 zertifizierte DiSG-Trainerin (dominant, initiativ, stetig, gewissenhaft). Wie beim Farbprinzip geht es um die Einstufung der Persönlichkeit, um besser auf den Kunden und seine individuellen Bedürfnisse eingehen zu können.

Als sie dann schwanger wurde, schrieb sie ein Buch: „Freiverkäufliche Arzneimittel im Einzelhandel“. Ihre zweite Veröffentlichung „Kommunikation – Erfolgsfaktor in der Apotheke“ kam während der zweiten Schwangerschaft zustande. Nur beim dritten Kind verzichtete Beer darauf, Autorin zu sein, begann stattdessen ein Fernstudium zur Immobilienmaklerin. Inspiriert von der Sendung „Mieten, Kaufen, Wohnen“.

Beer dachte sich: „Das kann ich besser, ob ich Arzneimittel oder Immobilien verkaufe, ist egal.“ Ihr Mann als Fachanwalt für Mietrecht war von der Idee weniger begeistert. Ein schwarzes Schaf in den eigenen Reihen! Trotzdem unterstützte er seine Frau, heute ist er sehr zufrieden. Beer musste nie unter finanziellem Druck arbeiten und konnte entspannt in jede Besichtigung gehen.

Nach dem Abschluss zur geprüften Immobilienmaklerin 2012 eröffnete sie ein Jahr später ihr erstes Maklerbüro. Heute verkauft sie Häuser und Wohnungen in Berlin und Brandenburg. Auch Mietwohnungen gehören zu ihrem Portfolio. Das Fernsehformat „Mieten, kaufen, wohnen“ hat sie in zwei Sendungen unterstützt. „Die Realität sieht ganz anders aus“, verrät Beer.

In die Apotheke möchte sie nicht zurück, zu sehr genießt Beer das selbstständige Arbeiten. Ihr Halbtagsjob beschert ihr ein vielfach höheren Verdienst im Vergleich zum Gehalt einer Vollzeit-PTA. Parallelen sieht sie aber durchaus: Als Maklerin präsentiert sie die Vorteile ihrer Immobilien; sie kann aber auch mit Negativargumenten ihrer Kunden umgehen, etwa wenn es um alte Fenster oder feuchte Keller geht. Die Kommunikation ist die gleiche wie in der Apotheke, nur das Thema ein anderes. Fit muss man sein, sich auskennen, sagt sie.