Defektlisten

„Hitparade“ der Lieferengpässe APOTHEKE ADHOC, 14.03.2014 11:29 Uhr

Kämpft gegen Lieferengpässe: HAV-Vize Dr. Hans Rudolf Diefenbach hat 430 Defektlisten ausgewertet. Foto: Elke Hinkelbein
Berlin - 

Das Fax in der Rosen-Apotheke in Offenbach von Dr. Hans Rudolf Diefenbach stand nicht mehr still: 430 Listen mit Lieferengpässen haben Apotheker dem Vize des Hessischen Apothekerverbands (HAV) im Januar und Februar geschickt. Drei Wochen lang haben sich Diefenbach und seine Mitarbeiterin Katarina Wellendorf durch die Defektlisten gewühlt und die Meldungen ausgewertet. Das Ergebnis ist eine „Hitparade“ der zwölf Präparate mit besonders hohen Ausfallquoten.

In den meisten Fällen ist jeweils eine bestimmte Packungsgröße und Wirkstärke betroffen. In zwei Fällen wurden zwei Packungsgrößen in der Auswertung zusammengefasst. Die Liste spiegelt zwar nicht die tatsächliche Lieferfähigkeit, gibt bei 430 Meldungen aber mehr als einen ersten Eindruck:

  1. Bisoprolol Ratiopharm, 5mg (N3): 265 Defekte
  2. Pantoprazol Heumann (N3): 218 Defekte
  3. Bisoprolol Ratiopharm, 10mg (N3): 215 Defekte
  4. L-Thyrox Hexal, 50 mg (N3): 207 Defekte
  5. L-Thyrox Hexal, 100 mg (N3): 201 Defekte
  6. Tevanate, Teva, 70mg (N3): 188 Defekte
  7. Xipamid Ratiopharm, 20mg (N3): 154 Defekte
  8. Jodthyrox, Merck (N3): 142 Defekte
  9. Metformin Axcount, 1000mg (N3): 139 Defekte
  10. Vigantoletten, Merck Serono, 1000mg (N3): 134 Defekte
  11. Doxycyclin 1A Pharma, 100mg (N1+N2): 129 Defekte
  12. Doxycyclin Ratiopharm, 200mg (N1+N2): 124 Defekte

Diefenbach hat sich mit seinem Mutschler hingesetzt und die registrierten Lieferengpässe entsprechend gewichtet. Massiv seien diese aufgetreten bei trizyklischen Antidepressiva (Amitryptilin), Analgetika wie Diclofenac, Opioiden wie Tilidin, den Hypnotica Zopiclon und Zolpidem, den Betablockern Metoprolol und Bisoprolol, aber auch bei der gesamten Schilddrüsenhormonpalette.

Zu den häufigen Ausfällen zählen laut der Auflistung ferner Osteoporosemittel, Vitamin-D3-Präparate, orale Antidiabetika (Metformin), Glucocorticoide wie Prednisolon und Betamethason sowie die ACE-Hemmer Enalapril und Ramipril.

Häufig betroffen sind auch der Protonenpumpenhemmer Pantoprazol, Prokinetika wie Metoclopramid, thiazidanaloge Diuretika wie Xipamid, eine Reihe von Antibiotika (Cefixim, Cefuroxim, Ciprofloxacin, Aminoglykoside, Fosfomycin) sowie Hormonersatzmittel.

Diefenbach betont, dass die Präparate einer meist hohen zweistelligen Prozentzahl an Apotheken oft über Wochen bis Monate fehlten. Einige Arzneimittel seien seit mehr als fünf Monaten nicht lieferfähig.

Bedenklich ist laut Diefenabach, dass auch Notfallmedikamente wie Solu Decortin H oder auch das gerade jetzt öfter benötigte Celestamine in flüssiger Form vielerorts nicht zu bekommen sei.

Große Lücken hat der HAV-Vize auch bei Impfstoffen registriert: Von den 430 Meldungen reklamierten 87 Apotheken einen Ausfall von Repevax, 38 das Fehlen von Boostrix und 29 nicht ausgeliefertes Tetanol. Die Liste umfasse insgesamt 19 Impfstoffe. „Es ist ziemlich blauäugig hierin kein Problem zu sehen“, so Diefenbach mit Blick auf eine jüngste Stellungnnahme der Bundesregierung zu Lieferengpässen. „Ignoranz schafft da keine Abhilfe.“

Diefenbach ärgert sich, dass das Bundesgesundheitsministerium auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion erklärt hat, ein Fehlbedarf bei Impfstoffen sei bislang nicht aufgetreten. Dies könne angesichts der vorliegenden Zahlen nicht unwidersprochen bleiben, so der HAV-Vize.

Weil die ABDA aus seiner Sicht „mager bis gar nicht in diese Diskussion eingestiegen zu sein scheint“, will der HAV selbst aktiv werden: Die gesammelten Ergebnisse sollen einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.