Thüringen

Grüne: Cannabis frei in Apotheken Katharina Lübke, 08.08.2014 12:56 Uhr aktualisiert am 12.09.2014 16:52 Uhr

Landtagswahl: Die Partei Bündnis 90/Die Grünen schlägt ein Pilotprojekt zur geregelten Abgabe von Cannabis in Apotheken vor. Foto: Susanne Schmich/pixelio.de
Berlin - 

In Thüringen wollen Bündnis 90/Die Grünen die Apotheken in ihre Drogenpolitik einbeziehen. So schlägt die Ökopartei ein Pilotprojekt zur geregelten Abgabe von Cannabis vor. Der Besitz und Konsum von Cannabis und anderen nicht legalen psychotropen Substanzen sollten entkriminalisiert werden, heißt es im Wahlprogramm.

Die bisherige strafrechtliche Sanktionierung von Drogenkonsum sei gescheitert, so die Partei. Wer gesundheitsschädlichen Konsummustern sinnvoll begegnen wolle, müsse Konsumenten akzeptieren. „Dabei setzen wir auf einen Dreiklang aus Prävention, Hilfe und Entkriminalisierung“, heißt es im Wahlprogramm. „Deswegen müssen wir uns grundlegend umorientieren und Legalisierungskonzepte ins Auge fassen.“

Das Ziel müsse der verantwortungsvolle Umgang mit Suchtmitteln sein, sagt Stefan Göhlert, Landesgeschäftsführer der Grünen in Thüringen. Um Konsumenten „weicher“ Drogen wie Cannabis von Dealern und dem illegalen Drogenmarkt fernzuhalten, will die Partei über eine mögliche kontrollierte und legale Abgabe diskutieren.

„Bestandteil dieser Debatte können Modellprojekte zur Abgabe sein, wie sie in Frankfurt und Berlin gerade diskutiert werden“, so Göhlert. Ein solch wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt könnte Suchtpräventiven schadenminimierende Effekte und soziale Auswirkungen einer kontrollierten Cannabisabgabe untersuchen.

Eine wichtige Rolle könnten hier die Apotheker spielen: „Die Apotheken als zentrale Gesundheitsdienstleister sind in diesem Diskussionsprozess für uns sehr wichtige Partner und Berater, auf deren Erfahrungen im Kontext gesundheitlicher Beratung einerseits und der Abgabe von Medizinalhanf andererseits wir nicht verzichten wollen“, so Göhlert.

Bevor aber ein Modellprojekt initiiert werde, bedürfe es einer intensiven Diskussion mit den Beteiligten: Suchthilfeträgern, Drogenexperten, Polizei, Apothekern und Bürgern. Zudem will sich die Partei „Drug-Checking“-Angebote, also die chemische Analyse von Drogen einsetzen, um potenzielle Konsumenten vor gesundheitsschädlichen Präparaten warnen zu können.

Zusätzlich sollen Drogenkonsumräume Hilfsmittel für den sicheren Konsum bereitstellen. „Wer abhängig ist, braucht Hilfe und keine Strafverfolgung. Deshalb wollen wir die Sucht- und Drogenberatung finanziell erhalten und personell ausbauen“, so die Grünen.

Ein erster Schritt zur Entkriminalisierung solle die Erhöhung der „geringen Mengen“ bei Cannabisprodukten auf zehn Gramm sein. Bisher gilt im Land eine Menge von 6 Gramm als „geringe Menge“, bis zu der von einer strafrechtlichen Verfolgung abgesehen werden kann.

Die Landtagswahl in Thüringen findet am 14. September statt. Am höchsten in der Gunst der Wähler liegt aktuell die CDU mit 36 Prozent, die Sozialdemokraten kommen auf 19 Prozent. Die Linke wird mit 27 Prozent vermutlich zweitstärkste Kraft werden. Die Grünen liegen bei 6 Prozent, die AfD bei 4 Prozent und die FDP bei 2 Prozent.