Psychotherapie

Doxycyclin gegen Traumata Nadine Tröbitscher, 04.04.2017 14:41 Uhr

Berlin - 

Traumatische Erinnerungen können die Betroffenen ihr ganzes Leben begleiten und durch Flashbacks das Erlebte reaktivieren. Ein Abschwächen der Symptomatik kann medikamentös oder durch eine Psychotherapie erreicht werden. Schweizer Forscher konnten Behandlungserfolge durch den Einsatz des Antibiotikums Doxycyclin feststellen.

Ein Forscherteam der Psychiatrischen Universitätsklinik und der Universität Zürich untersuchte die Abschwächung des negativen Erlebnisses durch die Gabe von Doxycyclin. Das Antibiotikum konnte die Gedächtnisbildung abschwächen.

Zurückzuführen sei die Wirkung auf die Hemmung bestimmter Enzyme, die für die Ausbildung traumatischer Erinnerungen verantwortlich ist. Diese Metalloproteinasen befinden sich im gesamten menschlichen Körper – unter anderem auch in der Extrazellulärmatrix, dem Raum zwischen den Nervenzellen, in dem die Gedächtnisbildung lokalisiert ist.

In einer Studie wurden etwa 80 Teilnehmern schmerzhafte elektrische Reize zugefügt, die mit bestimmten Farben verknüpft werden sollten. In der doppelblinden placebokontrollierten Studie erhielt die Verumgruppe vor der Reizsetzung 200 mg Doxycyclin. Nach sieben Tagen wurden die Probanden erneut mit den Farben konfrontiert. Die Placebogruppe zeigte verstärkte Schreckreaktionen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe wiesen die mit dem Antibiotikum behandelten Patienten eine etwa zwei Drittel abgeschwächte Reaktion auf die Farbe auf. Im Ergebnis ist sichtbar, das Doxycyclin das emotionale Gedächtnis abschwächt, allerdings müsste es vor dem Trauma eingenommen werden – unmöglich.

Die Forscher wollten zudem herausfinden, wie das Antibiotikum trotzdem im Rahmen der Therapie eingesetzt werden kann. So könnte in der Psychotherapie das Erlebte bewusst erneut aktiviert und durch die Gabe von Doxycyclin abgeschwächt werden. Geplant sind weitere Studien, die die Wirksamkeit belegen sollen.

Körperliche Gewalt oder Unglücke können Ursachen für eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sein. Die Betroffenen durchleben in sogenannten Flashbacks, die als einschießende Erinnerungen bezeichnet werden können, das Ereignis erneut. Auch Albträume können das Erlebte zurück ins Bewusstsein rufen. Die Patienten sind meist in psychologischer Betreuung, die jedoch nicht in jedem Fall erfolgreich ist. Forscher sind seit langem auf der Suche das sogenannte Traumagedächtnis medikamentös beeinflussen zu können.

Kürzlich veröffentlichten Forscher aus Großbritannien und Schweden Ergebnisse einer Studie in der Fachzeitschrift „Molecular Psychiatry“ in der 71 Probanden innerhalb sechs Stunden nach einem traumatischen Erlebnis 20 Minuten Tetris spielten. Im Ergebnis mussten die Teilnehmer der Zocker-Gruppe eine Woche nach dem Erlebnis deutlich weniger an das Geschehene denken. Die Zahl der Erinnerungen lag etwa 62 Prozent unter der Gruppe, die nicht spielte.