Bonn

Kein Großhandel nach zwölf APOTHEKE ADHOC, 18.08.2014 12:33 Uhr

Nur bis Mittag: Die Stadtverwaltung Bonn will den Lieferverkehr in der Innenstadt nachmittags unterbinden. Die Apotheken sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Foto: Elke Hinkelbein
Berlin - 

In der Fußgängerzone in Bonn dürfen Großhändler ab 12 Uhr keine Apotheken mehr beliefern. Die Stadtverwaltung will den Lieferverkehr nachmittags unterbinden. Die bisherige stillschweigende Duldung von Anlieferungen auch über die offizielle Ladezeit hinaus ist damit vorbei. Neun Apotheken sind betroffen, sie sehen ihre Existenz in Gefahr.

Bisher konnten die Großhändler unbehelligt vor den Apotheken halten und die „eiligen“ Medikamente ausladen. Zunehmend sei das jedoch von Polizei und Ordnungsamt geahndet worden, sagt Andrea Forst-Raasch von der Hofgarten-Apotheke.

Anwohner hätten sich beschwert. Ein Unterauftragnehmer hatte daraufhin im Juni bei der Stadt eine Ausnahmegenehmigung zum Befahren der Fußgängerzone beantragt. Alle betroffenen Innenstadtapotheken hatten den Antrag mit ihrer Unterschrift unterstützt.

Es half nichts: Die Stadtverwaltung verweigerte eine Ausnahme für die Medikamenten-Lieferungen. „Apotheken müssen nicht zwangsläufig nachmittags beliefert werden; der Transport kann bis zum nächsten Morgen warten. Der Kunde kann seine Ware dann am Folgetag abholen“, teilte das Bonner Straßenverkehrsamt dem General-Anzeiger mit. In dringenden Fällen könne der Kunde die Medikamente in Apotheken außerhalb der Innenstadt holen.

Forst-Raasch widerspricht: „Die Argumentation ist vollkommen widersinnig. Wir haben einen Versorgungsauftrag. Den nehmen wir sehr ernst. Wenn wir nicht mehr beliefert werden dürfen, können wir Patienten, die ihre Medikamente innerhalb von Stunden brauchen, nicht mehr akut versorgen.“

Die Bonner Innenstadt sei ein großer Kreis, der mehrere hundert Meter ausmache, parken könne man dort schlecht. Zudem gebe es sehr viele Ärzte. Die Patienten könnten aber mit ihren Rezepten nicht quer durch die Gegend fahren. Die Apothekerin ärgert sich, dass die Stadt das Problem des Patientenwohls nicht begreife.

Bei der Stadt verweist man darauf, dass die Lieferanten auf Parkhäuser ausweichen könnten. „Aber viele scheiden wegen zu geringer Höhe aus, andere befinden sich im Umbau, weitere sind nachmittags zu stark frequentiert. Außerdem geht es um hochpreisige Medikamente, die entsprechend gesichert und gekühlt bleiben müssen“, so Forst-Raasch. Die könne man nicht per Sackkarre durch die Innenstadt schleppen.

10 bis 15 Kisten kommen alle zwei Stunden in der Hofgarten-Apotheke an. Das neue Verbot sei existenzgefährdend, sagt Forst-Raasch. Rund 70 Prozent machten in ihrer Apotheke Rx-Medikamente aus. Diese würden ab 12 Uhr völlig wegfallen. Nur noch die Laufkundschaft bliebe übrig. „Da kann die Apotheke zumachen.“

Dabei sei die Belieferung keine ins Gewicht fallende Beeinträchtigung des Fußgängerverkehrs, die beiden Fahrzeuge seien Pkw im Kleinwagenformat. Die Geldtransporter seien dagegen viel größer. Diese hätten eine Ausnahmegenehmigung, weil das Geld nicht über Nacht in den Läden aufbewahrt werden soll. Dabei werde das Geld ohnehin in den Läden aufbewahrt, „weil die Transporter nur das Geld des Vortages mitnehmen“, sagt Forst-Raasch. Auch die „Posttransporter mit den ganzen Zalando-Päckchen“ führen nach 12 Uhr weiter.

Nach dem ablehnenden Bescheid der Stadt hat der Logistiker nun Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht. Vorerst liefert das Unternehmen aber weiter, „auf eigene Gefahr, Knöllchen zu bekommen“, sagt Forst-Raasch. Die Apotheken haben sich mit dem Einzelhandelsverband und dem Verein City-Marketing in Verbindung gesetzt. Im September wollen sich alle Beteiligten erneut treffen.