Baden-Württemberg

Betrug mit Sovaldi APOTHEKE ADHOC, 16.12.2014 12:59 Uhr

Berlin - 

In Baden-Württemberg ist Apothekern eine neue Betrugsmasche aufgefallen: Ein vermeintlicher Patient bestellt per Fax aus dem Ausland das Hepatitis-C-Medikament Sovaldi (Sofosbuvir) vor. Bei der Abholung wollen die Betrüger die knapp 20.000 Euro für das Präparat in bar zahlen – offenbar mit Falschgeld. In einer Apotheke in Inzlingen an der Schweizer Grenze war ein Täter erfolgreich: Er entriss einer Mitarbeiterin das Präparat und floh.

Offenbar haben die Täter schon seit einiger Zeit an ihrer Masche gearbeitet. Vor rund vier Wochen hatten sie versucht, das Präparat telefonisch vorzubestellen, und angekündigt, bar zahlen zu wollen. Das hatte die Apothekenleiterin stutzig gemacht. Sie forderte daraufhin nicht nur das Rezept, sondern auch die Zahlung per Vorkasse – und hörte nie wieder etwas von dem italienisch sprechenden Mann.

Bei einem anderen Apotheker aus Lörrach, einem Nachbarort von Inzlingen, wurden Anfang der vergangenen Woche gleich drei Packungen Sovaldi telefonisch vorbestellt. Die Bestellung wurde noch zweimal per Fax bestätigt. Auf dem Papier befand sich neben dem Namen einer angeblichen Patientin auch der Stempel eines vermeintlichen Arztes aus Modena. Der Arzt kündigte an, die Medikamente am Donnerstag abzuholen.

Da war er aber offenbar verhindert: Denn bereits am Donnerstagnachmittag flog der Betrüger in Inzlingen auf. Einem Bericht der Badischen Zeitung zufolge kam der Mann am Vormittag in die Apotheke, um das vorbestellte Medikament abzuholen. Das Geld legte er demnach in Plastik eingeschweißt auf den HV-Tisch. Die Mitarbeiterin wurde misstrauisch und schickte eine Kollegin zur Bank, um es prüfen zu lassen. In der Zwischenzeit entriss der Mann ihr das Präparat und rannte aus der Apotheke. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass das Geld Falschgeld war.

Die Polizei sucht nun nach dem Täter, der zwischen 1,80 und 1,85 m groß, zwischen 40 und 50 Jahre alt und „auffallend mager“ beschrieben wird. Dass der Täter aufgeflogen ist, war offenbar Glück für den Apotheker in Lörrach, der die Arzneimittel gar nicht abgeben konnte, obwohl er Donnerstag und Freitag noch versuchte, den Mann oder die Arztpraxis zu erreichen.

Er kam somit mit dem Schrecken davon und konnte die bereits beim Großhandel bestellten Packungen Sovaldi zurückschicken. Die Polizei stellte anhand der Fax-Kennzeichnung noch fest, dass das vermeintlich in Italien abgeschickte Schreiben tatsächlich aus Rumänien stammte.

Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg warnt nun vor der Masche: „Es ist anzunehmen, dass die Täter mit dieser Betrugsmasche noch weitere Apotheken behelligen.“ Der Verband bittet um erhöhte Aufmerksamkeit bei derartigen Vorbestellungen von hochpreisigen Arzneimitteln.