Warum jucken Wunden, wenn sie heilen? 26.05.2026 08:58 Uhr
Wenn Wunden heilen, setzt oftmals auch Juckreiz oder Kribbeln ein. Weit verbreitet ist dazu der Leitsatz: „Wenn es juckt, dann heilt es!“ Aber stimmt das auch? Ein Überblick.
Fast jeder kennt es: Heilt eine Wunde oder Verletzung ab, kommt es häufig zum Juckreiz. In der Dermatologie und der Neurowissenschaft spricht man im Rahmen der Wundheilung von der engen Verknüpfung zwischen Immunreaktion und dem peripheren Nervensystem.
Histaminerge Signalbahn
In der Haut sind spezialisierte Immunzellen vorhanden, die sogenannten Mastzellen. Diverse Studien zeigen, dass diese Zellen während der Proliferationsphase (Zellneubildungsphase) der Wundheilung massenhaft Histamin und andere Botenstoffe, wie beispielsweise Zytokine ausschütten. Histamin dockt an H1- und H4-Rezeptoren der Blutgefäße an, um diese zu weiten. Nur so können Baustoffe und weitere Immunzellen zur Wunde transportiert werden.
Jucken steht für Heilung
Genau diese Rezeptoren sitzen jedoch auch auf den freien Nervenenden in der Epidermis. Histamin triggert demnach ein elektrisches Signal, das direkt ins Rückenmark und von dort ins Gehirn geleitet wird. Tierstudien haben sogar gezeigt: Blockiert man Histamin genetisch komplett, heilen Wunden nachweislich langsamer. Das Jucken ist also das Signal für eine schnelle Heilung.
Parallel dazu wandern Fibroblasten, sprich Bindegewebszellen in die Wunde und produzieren Kollagen, um die Lücke zu schließen. Diese Zellen verwandeln sich teilweise in Myofibroblasten, die sich aktiv zusammenziehen können, um die Wundränder zueinander zu ziehen. Zudem trocknet eventuell vorhandener Schorf aus, was ebenso eine zusammziehende Wirkung hervorruft.
Nicht kratzen!
Die Folge: Diese Zugspannung reizt die umliegenden Dehnungsrezeptoren der Haut und stimuliert die Nervenenden. Es folgt der bekannte Kratz-Impuls, dem man besser nicht folgen sollte. Denn so wird die dünne Schutzbarriere wieder zerstört, pathogene Keime können in die Wunde eindringen und auch die Narbenbildung wird negativ beeinflusst.