Senioren greifen häufiger zu Cannabis 15.06.2026 08:59 Uhr
In den USA konsumieren immer mehr ältere Menschen Cannabis. Der Grund: Die Senioren sind zunehmend unzufrieden mit ihren herkömmlichen Medikamenten oder fürchten sich vor deren Nebenwirkungen. Das fanden Forscher der University of Utah Health und der University of Colorado Boulder heraus.
Für Erwachsene über 60 steigt der Cannabiskonsum in den USA schneller als in jeder anderen Bevölkerungsgruppe. Das zeigt eine neue Studie, die von der American Medical Association (AMA) im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht wurde. Forschende der University of Utah Health und der University of Colorado Boulder wollten anhand dieser Analyse die Beweggründe für den Konsum der älteren Menschen herausfinden.
Altersbedingte Beschwerden lindern
Insgesamt wurden dafür 169 Erwachsene interviewt. Das Alter betrug im Durchschnitt 60 Jahre; die Befragung fand zwischen November 2021 und November 2023 statt. Die Teilnehmenden wollten altersbedingte Beschwerden wie Schmerzen oder Schlafstörungen lindern und insgesamt eine verbesserte Lebensqualität erreichen.
Die Studienautoren konnten erhebliche Vorbehalte gegenüber klassischen Medikamenten ausmachen. „Insbesondere hatten sie Bedenken hinsichtlich Nebenwirkungen, langfristiger Gesundheitsrisiken oder Abhängigkeiten im Zusammenhang mit pharmazeutischen Medikamenten und betrachteten Cannabis als sicherere Alternative. Andere Befragte gaben an, bereits alle pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Optionen – darunter Therapie, Akupunktur oder Massage – ausgeschöpft zu haben und Cannabis als letzten Ausweg zu betrachten“, berichten die Forschenden.
Schlafstörungen und Schmerzen
Zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen, für die Cannabis genutzt werden sollte, gehörten:
- Schlafstörungen (57 Prozent)
- Schmerzen (50 Prozent)
- psychische Gesundheit (25 Prozent)
„Zum größten Teil haben wir festgestellt, dass diese Leute nicht wirklich daran interessiert sind, high zu werden. Sie wollen sich einfach nur besser fühlen“, erklärt Angela Bryan, Hauptautorin der Studie. „Insgesamt wollten sie wirklich eine bessere Lebensqualität, eine Verringerung ihrer Schmerzen, einen besseren Schlaf und die Möglichkeit, die Zeit mit Familie und Freunden etwas mehr zu genießen“, ergänzt Mitautorin Rebecca Delaney, Assistenzprofessorin an der University of Utah Health.
Kombination aus THC und CBD
Auch bei der Wahl der Cannabisprodukte zeigten sich klare Präferenzen:
- 58 Prozent bevorzugten essbare Produkte mit einer Kombination aus THC und CBD
- 29 Prozent bevorzugten CBD-dominante Produkte
- 14 Prozent bevorzugten dagegen ein THC-dominantes essbares Produkt
Die Proband:innen machten sich im Hinblick auf Nebenwirkungen am häufigsten Sorgen, high zu werden oder beeinträchtigt zu sein. „Das unterstreicht, dass es den meisten Senioren nicht um den Rauscheffekt geht“, so die Forschenden. Die meisten älteren Menschen wählen Kombinationsprodukte, weil sie reinen CBD-Produkten nur eine „begrenzte Wirksamkeit“ zusprechen.
Mehr Gespräche führen
Die Ergebnisse machen auch Versorgungslücken der älteren Patienten deutlich. „In Ermangelung einer ärztlichen Beratung stehen sie vor zahlreichen Entscheidungen ohne klare Informationen darüber, welches Produkt ihre Bedürfnisse am besten erfüllen kann“, geben die Forschenden zu bedenken. Daher solle mehr Forschung sowie die Entwicklung klinischer Leitlinien betrieben werden, um Ärzten und Patienten bessere Entscheidungsgrundlagen zu bieten.
„Wir würden uns sehr wünschen, dass mehr dieser Gespräche zwischen Ärzten und Patienten stattfinden, um sicherzustellen, dass sich die Menschen unterstützt und informiert fühlen, wenn sie nach alternativen Wegen zur Behandlung ihrer Schmerzen suchen“, so Delaney. Es müsse das Ziel sein, Menschen zu helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen und geeignete Produkte zu finden.