Cannabis-Apotheken oft weit entfernt 23.07.2026 14:56 Uhr
Der Weg zur nächsten auf Medizinalcannabis spezialisierten Apotheke ist für fast die Hälfte der Patient:innen weiter als zehn Kilometer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse im Rahmen des Cannabis-Barometers von Bloomwell. Die sichere Versorgung von Hunderttausenden beruht damit auf digitalisierten Versandprozessen.
Fast die Hälfte der Patient:innen wohnt weiter als zehn Kilometer von einer der 271 auf Medizinalcannabis spezialisierten Apotheken entfernt. Angesichts von mehr als 1000 verschiedenen Produkten in Deutschland sowie der erforderlichen Verarbeitungsschritte in der Apotheke könnten Patient:innen in den meisten lokalen Apotheken vor Ort ihre gültigen Rezepte nicht einlösen, betont Bloomwell. In sechs Bundesländern gebe es demnach sogar gar keine oder maximal eine auf Medizinalcannabis spezialisierte Apotheke.
Nord-Süd-Gefälle
In der Verteilung der Patient:innen gibt es laut der Bloomwell-Analyse bundesweit Unterschiede. In Relation zur Bevölkerung ist demnach die Zahl der Medizinalcannabis-Patient:innen im Süden Deutschlands deutlich höher als im Norden.
Am höchsten ist der Anteil der selbstzahlenden Medizinalcannabis-Patient:innen nach dem 1. April 2024 in südwestdeutschen Bundesländern wie dem Saarland (29,6 Prozent über dem Bundesdurchschnitt), Bayern (27,6 Prozent), Rheinland-Pfalz (17,9 Prozent), Hessen (16,5 Prozent) oder Baden-Württemberg (14,4 Prozent). In ostdeutschen Bundesländern ist der Anteil der Medizinalcannabis-Patient:innen in Relation zum Bundesdurchschnitt geringer: In Brandenburg liegt ihr Anteil mit 31,3 Prozent unter dem Schnitt – Mecklenburg-Vorpommern (18,2 Prozent), Sachsen (28,3 Prozent), Sachsen-Anhalt (22,5 Prozent) und Thüringen (18,9 Prozent) liegen noch weiter darunter. Dennoch habe der Anteil der Medizinalcannabis-Patient:innen in ostdeutschen Bundesländern seit der Teillegalisierung 2024 deutlich zugenommen.
„Unsere neue Übersichtskarte über die bundesweite Versorgung mit Medizinalcannabis sendet ein positives Signal: Die Digitalisierung hat auch in Regionen, in denen es flächendeckend an niedergelassenen Ärzt:innen mit Erfahrung im Bereich Medizinalcannabis mangelt, den Zugang für Cannabis-Patient:innen ermöglicht“, so Dr. Julian Wichmann, Mitgründer und Geschäftsführer von Bloomwell. Zudem würden Informationen über den legalen digitalen Therapiezugang immer besser zu den Betroffenen durchdringen. „Die illegale, mit Risiken behaftete Selbstmedikation gerät daher bundesweit zunehmend ins Hintertreffen. Medizinalcannabis spielt inzwischen in ganz Deutschland eine führende Rolle bei der Bekämpfung des illegalen Marktes“, sagt Wichmann.
Streichung im Spargesetz „absurd“
Auch der Durchschnittspreis für Medizinalcannabisblüten sei im zweiten Quartal 2026 je Gramm auf 4 Euro gesunken. Vor diesem Hintergrund sei die vorgesehene Streichung der Erstattung von Medizinalcannabisblüten im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (BStabG) „völlig absurd“, erklärt Niklas Kouparanis, Mitgründer und Geschäftsführer von Bloomwell.
„Das eigentliche Problem ist seit Langem die überholte Preisverordnung, die sich von der Marktdynamik vollends entkoppelt hat“, so Kouparanis weiter. Die Kassen würden, bis das Gesetz in Kraft tritt, bis zu 19 Euro je Gramm Medizinalcannabisblüten erstatten. „Wir sind in der Vergangenheit mehrmals auf Kassen zugegangen, um gemeinsam effizientere Wege der Versorgung für Patient:innen zu finden. Stattdessen lässt der Gesetzgeber chronisch erkrankte Menschen, die teils seit Jahren gut auf ihre Medikation eingestellt sind, nun komplett im Regen stehen. Unser Angebot für Dialog und Kooperation gilt weiterhin.“
Die Analyse basiert nach eigenen Angaben auf anonymisierten Datensätzen von Cannabis-Patient:innen im sechsstelligen und Verordnungen im siebenstelligen Bereich. Für die regionale Verteilung der Patient:innen wurden der Mittelpunkt von Postleitzahlen ohne Personenbezug sowie alle Adressen der spezialisierten Apotheken – insgesamt 271 – berücksichtigt, in denen Patient:innen seit September 2020 ein über Bloomwell ausgestelltes Rezept eingelöst haben.