So zieht das ganze Team an einem Strang

Impfen: Team mitnehmen statt überreden 16.09.2026 14:28 Uhr

Berlin - 

Neue Arbeitsabläufe wie das Impfen und das Erbringen pharmazeutischer Dienstleistungen funktionieren im Alltag nur dann nachhaltig, wenn das gesamte Team dahintersteht. Druck oder reine Vorgaben von oben erzeugen meist Widerstand. Entscheidend ist es, echte Bedenken im Team offen aufzugreifen, praxisnahe Sicherheit zu schaffen und positive Rückmeldungen aktiv zu nutzen.

Im Gespräch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tauchen immer wieder ähnliche Hürden auf. Sie lassen sich mit der richtigen Perspektive leicht abbauen:

„Sollten das nicht eigentlich Ärztinnen und Ärzte machen?“

Es geht nicht darum, Praxen etwas wegzunehmen, sondern um eine sinnvolle Ergänzung im Gesundheitssystem. Apotheken schließen Versorgungslücken bei Routineaufgaben und leiten auffällige Befunde gezielt an die Ärzteschaft weiter.

„Es fühlt sich für mich unangenehm an, Patientinnen und Patienten sofort ein Formular zum Unterschreiben vorzulegen.“

Die Hemmschwelle liegt meist nur bei uns im Kopf. Für Kund:innen ist es völlig alltäglich, Formulare abzuzeichnen – erst recht, wenn wir kurz dazu sagen, dass es sich lediglich um die Bestätigung für die kostenfreie Übernahme durch die Krankenkasse handelt.

„Was ist, wenn die Patient:innen Nein sagen oder genervt reagiert?“

Ein „Nein“ ist keine persönliche Ablehnung der Fachkompetenz, sondern schlicht eine Entscheidung der Kund:innen. Wir bieten eine wertvolle Leistung an. Lehnen Patient:innen ab, wird das sofort lächelnd und ohne Nachhaken akzeptiert – das tut niemandem weh, sollte aber nicht davon abhalten, auch den nächsten Kund:innen das Angebot erneut zu machen.

„Wir haben im HV überhaupt keine Zeit dafür!“

Im HV erfolgt meist nur der kurze Impuls. Die eigentliche Dienstleistung findet im Beratungsraum statt und blockiert somit nicht den laufenden Betrieb in der Offizin.

„Was ist, wenn beim Impfen etwas schiefgeht?“

Die gesetzlich vorgeschriebenen Schulungen bieten ein solides Fundament. Interne Praxistrainings und klare Notfall-Standards im Team nehmen schnell die Angst vor der Durchführung. Auch ein Austausch mit bereits erfahrenen Impf-Apotheken kann hier helfen.

Sicherheit schaffen & Schulungsbedarf identifizieren

Um Unsicherheiten abzubauen, ist die richtige Herangehensweise und eine offene Atmosphäre essenziell:

  • Klärungsbedarf ermitteln: In kurzen Feedback-Runden klären, wo genau Unsicherheiten liegen (z. B. in der direkten Durchführung der Dienstleistung (Gerätehandhabung), bei der EDV-Dokumentation oder bei der aktiven Ansprache)
  • Praxis-Übungen: Gegenseitiges Impfen im Trockentraining oder Test-Messungen unter Kolleg:innen schaffen Routine und gegenseitiges Vertrauen.

Motivation durch sichtbare Erfolgserlebnisse

Nichts überzeugt mehr als die positive Resonanz der Menschen, die das Angebot nutzen. Geglückte Situationen und begeistertes Feedback sollten deshalb gezielt festgehalten werden – etwa wenn Patient:innen dankbar sind, weil sie keinen extra Arzttermin für eine Routine-Auffrischung brauchten, oder wenn ein Bluthochdruck durch den Check frühzeitig erkannt wurde.

Werden diese Rückmeldungen als fester Tagesordnungspunkt („Story of the Week“) in die Dienstbesprechungen eingebunden, wird der tatsächliche Nutzen der eigenen Arbeit für das gesamte Team greifbar. Ein kleines Board mit anonymisierten Zitaten oder Dankeskarten direkt im Impf- und Beratungsraum etwa stärkt dabei nicht nur das Gemeinschaftsgefühl, sondern nimmt auch wartenden Patient:innen letzte Zweifel.