Antidiskriminierungsbeauftragte setzt sich ein

Wechseljahre: Unterstützung für Frauen 20.01.2026 14:51 Uhr

Berlin - 

Frauen in den Wechseljahren brauchen nach Ansicht der Antidiskriminierungsbeauftragten des Bundes, Ferda Ataman, mehr Verständnis und Unterstützung im Job. Viele reduzierten ihre Arbeit oder verließen die Arbeitswelt früher, das schade auch der Wirtschaft, so Ataman in einer Mitteilung.

„Frauen in den Wechseljahren brauchen Unterstützung statt Ignoranz.“ Arbeitgeber, Politik, Medizin und Forschung seien hier gefordert. In der Öffentlichkeit sei das Thema nach wie vor ein Tabu und schambehaftet, hieß es weiter. Studien zeigten, dass Wechseljahre und die damit einhergehenden Beschwerden Karrieren von Frauen negativ beeinflussten. Mehr als neun Millionen Frauen in Deutschland befinden sich den Angaben zufolge in den Wechseljahren.

Expertengremium soll Vorschläge machen

Sachverständige aus der Gynäkologie, der Wirtschaftswissenschaft und dem Arbeitsrecht sollen nun unter der Überschrift „Wechseljahre und Diskriminierung“ Vorschläge erarbeiten. Diese sollen der Mitteilung zufolge in Handlungsempfehlungen einfließen, die Ataman im Herbst für Deutschland vorlegen will. Methodisch orientiere sich das Projekt an den 2022 von der britischen Regierung veröffentlichten Empfehlungen „Menopause in the Workplace“.

Projekte im BMG

Auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Forschung und Versorgung mit Blick auf medizinischen Anliegen von Frauen stärken und startete dafür Ende vergangenen Jahres einen Dialog zu den Wechseljahren. Dass Frauen in vielen Bereichen andere Bedürfnisse als Männer hätten, werde weiter nicht ausreichend berücksichtigt, sagte anlässlich der Vorstellung „Ich möchte offen in unserer Gesellschaft über Frauengesundheit reden können – am Arbeitsplatz, in der Kantine, am Esstisch und in der Öffentlichkeit.“

Ziel ist, Defizite in der Forschung, bei Daten, Informationen und Aufklärung und in der Versorgung zu identifizieren und zu Verbesserungen zu kommen. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorgestellt werden.

In der vergangenen Woche hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) zudem hat den Startschuss für mehr Forschung zum Thema Frauengesundheit gegeben. Interessierte können sich mit ihren Forschungsvorhaben um Mittel aus den insgesamt bis zu zehn Millionen Euro umfassenden Fördertöpfen bewerben. „Das Thema Frauengesundheit braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Verständnis und mehr Wissen. Frauen haben andere Beschwerden, Symptome und Belastungen als Männer. Genau diese Unterschiede sollen sich in der Gesundheitsversorgung besser abbilden. Die Förderung von konkreten Forschungsvorhaben durch das BMG leistet einen wichtigen Beitrag dazu. Ich verspreche mir von den Ergebnissen konkrete Verbesserungen für betroffene Frauen“, so Warken.

Der Ausschuss Ärztinnen im Hartmannbund begrüßt die Forschungsinitiative. „In der täglichen Versorgung erleben wir, dass Frauen bei vielen Erkrankungen andere Symptome und Therapieansprechen zeigen als Männer. Medizinische Leitlinien beruhen jedoch noch immer auf überwiegend männlichen Studiendaten. Die Folge sind mögliche Verzögerungen in der Diagnostik sowie Therapien, die bei Patientinnen weniger wirksam oder schlechter verträglich sein können als bei Patienten“, so Dr. Wenke Wichmann, Sprecherin des Netzwerks. Die Forschungsinitiative setze an diesem strukturellen Defizit an Auch der patientinnenzentrierte Ansatz der Förderlinien, der die Forschung zu frauenspezifischen Themen unterstützt sei positiv zu bewerten: „Forschung, die Themen wie Endometriose, Wechseljahre und Versorgung nach Gewalterfahrungen berücksichtigt, ist hochrelevant für die Frauengesundheit“, so Dr. Iris Illing, ebenfalls Netzwerk-Sprecherin. „Nachhaltige Verbesserungen in der Frauengesundheit lassen sich nur erreichen, wenn diese Themen fest in Forschung, Lehre und Versorgung verankert werden.“