Stiftung Warentest

Wechseljahre: Hormonpräparate oder Phytopharmaka? 31.01.2026 08:38 Uhr

Berlin - 

Stiftung Warentest hat 57 Medikamente gegen Wechseljahresbeschwerden untersucht. Lediglich rezeptpflichtige Hormonpräparate erhielten das Prädikat „geeignet“ für starke Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Pflanzliche Mittel wie Traubensilberkerze oder Johanniskraut schnitten deutlich schwächer ab.

Hitzewallungen und Schweißausbrüche sind die primären Folgen der hormonellen Umstellung. Andere Symptome wie Schlafstörungen, Gelenkschmerzen oder Konzentrationsprobleme (Brain Fog) treten zwar auf, sind wissenschaftlich aber weniger eindeutig belegt.

Untersuchungskriterien

Testleiterin Dr. Claudia Michael erklärt: „Allein in Deutschland sind ja rund 9 Millionen Frauen in den Wechseljahren. Etwa jede dritte von ihnen hat Beschwerden, die so stark sind, dass sie sich eine Behandlung wünschen.“ Stiftung Warentest hat 57 apothekenpflichtige Arzneimittel auf Basis klinischer Studien und Expertisen geprüft – darunter 52 rezeptpflichtige und 5 rezeptfreie Präparate.

Zu ihnen wurden „hochwertige Studien“ analysiert und unabhängige Expert:innen zu Rate gezogen. Laut Michael werden strengere Maßstäbe angelegt „als bei den Zulassungsbehörden“. Entscheidend sei nicht nur, ob die Präparate wirken, sondern wie groß der Nutzen für die Patienten im Alltag sei.

Die Auswahl basiert auf dem Arzneiverordnungs-Report 2024 und deckt gängige Östrogen- und Gestagen-Präparate ab. Das Spektrum reicht von Tabletten über transdermale Mittel wie Pflaster, Sprays oder Gele bis hin zu lokal wirksamen Vaginal-Zäpfchen und -Cremes gegen Scheidentrockenheit.

Was kann Fezolinetant?

Zusätzlich zum klassischen Hormonersatz wurden rezeptfreie pflanzliche Arzneimittel mit Phytohormonen sowie das neuartige, nicht-hormonelle Medikament Veoza mit dem Wirkstoff Fezolinetant bewertet. „Das besondere daran ist: Es wirkt nicht hormonell“, betont Michael. Allerdings gebe es noch keine Langzeitdaten. „Das Medikament ist erst seit Anfang 2024 auf dem Markt. Einen Vorteil gegenüber der klassischen Therapie hat es bisher nicht gezeigt.“

Gleichzeitig gebe es ein erhöhtes Risiko für Leberschädigung, was eine regelmäßige Überprüfung notwendig mache. Damit sei es vor allem eine Option für Frauen „die keine Hormone nehmen wollen oder aus gesundheitlichen Gründen nicht nehmen dürfen“, stellt Michael klar.

Hormonpräparate oder Phytopharmaka?

„Es gibt für beides tatsächlich Studienbelege“, stellt Bettina Sauer, Expertin für Gesundheit bei Stiftung Warentest, klar. „Demnach ist es so, dass Hormonpräparate stärker wirken als die pflanzlichen Mittel. Es haben viele unterschiedliche Hormonpräparate mit unserer besten Bewertung – ‚geeignet‘ – abgeschnitten.“ Zwar könnten Frauen mit Phytopharmaka einen Therapieversuch starten, „es könnte aber sein, dass das bei starken Beschwerden nicht reicht.“

Außerdem sei wichtig, dass zu Phytopharmaka weniger Erkenntnisse zu den langfristigen Risiken vorliegen. „Darum sagt man auf eigene Faust nur ein paar Monate einsetzen“, erklärt Sauer. Darüber hinaus sei die Einnahme mit der Ärztin oder dem Arzt abzusprechen. „Der entscheidende Unterschied liegt in der Wirksamkeit und in der Datenlage“, ergänzt Michael. „Hormonpräparate reduzieren Hitzewallungen nachweislich um etwa 75 Prozent. Außerdem sind sie gut erforscht.“

Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Präparate für jede Frau geeignet sind. Die Entscheidung für oder gegen Hormone sollte individuell nach Rücksprache mit der Ärztin getroffen werden – basierend auf dem persönlichen Leidensdruck, möglichen Vorerkrankungen und verfügbaren Therapiealternativen.

Achtung bei Rhapontik-Rhabarber

Bei pflanzlichen Präparaten mit Traubensilberkerze (auch Cimicifuga) oder Rhapontik-Rhabarber sehe es hingegen anders aus. „Die Studienlage ist dünner und die Langzeitdaten fehlen größtenteils“, stellt Michael klar. Die Wirkung sei – gerade im Vergleich zur Hormontherapie – somit weder gut belegt noch sonderlich ausgeprägt.

Während es bei der Traubensilberkerze eine geringe Datenlage gebe, sei sie beim Rhapontik-Rhabarber „noch schwächer“, betont Michael. „Frauen, die Brustkrebs hatten oder haben, sollten Rhapontik-Rhabarber nicht einnehmen.“

Der Hinweis, den Warentest nicht näher kontextualisiert, beruht auf der östrogenähnlichen Wirkung. Obwohl der Extrakt in Zellmodellen primär an den schützenden Beta-Rezeptor bindet und den krebsrelevanten Alpha-Rezeptor kaum aktiviert, bleibt das Restrisiko für hormonabhängige Tumoren klinisch relevant. Trotz unauffälliger Beobachtungsdaten wird daher zur Vorsicht geraten.

Keine Absage

„Von den Mitteln, die wir getestet haben, raten wir von keinem ab“, erklärt Michael. „Es geht wirklich darum, mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt das passende Mittel zu finden.“