Frauen mit Diabetes

Wechseljahre: Hitzewallung oder Unterzuckerung? 22.06.2026 08:06 Uhr

Berlin - 

Das Zusammenspiel von weiblichen Zyklushormonen und dem Blutzucker ist ein großes Thema, das in der klassischen Medizin oft vernachlässigt wird. Viele Frauen mit Diabetes stellen fest, dass ihr gewohnter Therapieplan in bestimmten Wochen des Monats plötzlich nicht mehr funktioniert. Kommen die Wechseljahre hinzu, kann die Frage „Hitzewallung oder Unterzuckerung?“ bei bestimmten Symptomen im Raum stehen.

Wie sensitiv die Zellen auf Insulin reagieren, hängt stark von Hormonen wie Östrogen und Progesteron ab. So kann in der zweiten Zyklushälfte der Insulinbedarf um bis zu 15 Prozent steigen. Die Tage direkt vor der Menstruation sind für die meisten Frauen mit Diabetes die größte Herausforderung. Hier kommen zwei Faktoren zusammen:

  1. Die hormonelle Blockade: Durch das hohe Progesteron benötigt der Körper teilweise 10 bis 40 Prozent mehr Insulin als in der ersten Zyklushälfte, um die gleichen Kohlenhydratmengen zu verarbeiten.
  2. Heißhungerattacken: Der sinkende Serotoninspiegel vor der Periode sorgt oft für Heißhunger auf Kohlenhydrate und Fett, was das Blutzuckermanagement zusätzlich erschwert.

Unterzuckerung droht

Fallen sowohl Östrogen als auch Progesteron schlagartig beim Einsetzen der Periode ab, führt das bei vielen Frauen dazu, dass die Insulinresistenz sich plötzlich wieder verändert. Dann kann ein erhöhtes Risiko für Hypoglykämien bestehen, wenn die Insulindosis nicht rechtzeitig nach unten angepasst wird.

Trotz des Einsatzes moderner Pumpensystemen werden diese Schwankungen bislang kaum erfasst. „Viele Frauen leisten hier jeden Monat Feinarbeit an ihrer Therapie, indem sie manuell nachsteuern müssen“, sagt Professorin Dr. Susanne Reger-Tan, Klinikdirektorin der Klinik für Diabetologie und Endokrinologie am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen. „Sie beobachten, vergleichen, korrigieren – und brauchen dafür eine Beratung, die diese hormonellen Veränderungen ernst nimmt.“

PMOS: Mehr als Zyklusprobleme

Auch das Polyendokrine Metabolische Ovarialsyndrom (PMOS) macht deutlich: Hormone, Gewicht, Blutzucker und Herzgesundheit hängen eng zusammen. Dabei leidet etwa jede achte Frau unter PMOS. Das Problem: Es bleibt bei vielen lange unerkannt. „Der neue Name macht sichtbar, dass es nicht nur um Eierstöcke geht, sondern dass es eine Multisystemerkrankung mit starken Stoffwechselveränderungen ist“, erklärt Reger-Tan. Für Betroffene könne eine Diagnose entlastend sein: „Ihre Beschwerden haben einen Namen und sie können gezielter beraten werden – auch in Bezug auf mögliche gesundheitliche Risiken“, so die Expertin.

Nicht jede Wallung ist harmlos!

Von Diabetes betroffene Frauen können in den Wechseljahren unter zusätzlichen Schwankungen der Insulinwirkung leiden. Denn der Östrogenspiegel sinkt in der Menopause und verändert die Insulinwirkung, sodass die Werte schwanken. Rund zwei Drittel der Frauen mit Typ-1-Diabetes berichteten in einer Untersuchung nach der Menopause über instabilere Glukosewerte, weiß Reger-Tan. Besonders tückisch: „Schwitzen, Zittern und Herzklopfen können sich anfühlen wie eine Hitzewallung oder aber wie eine Unterzuckerung.“ Im Zweifel sollte deswegen immer zuerst der Glukosewert geprüft werden, so die Expertin. „Eine Unterzuckerung darf nicht übersehen werden.“