Arzneitees

Abwarten und Tee trinken – aber richtig! Benedikt Richter, 05.04.2019 13:52 Uhr

In der Erkältungszeit sind neben Taschentüchern und Bonbons auch die Arzneitees besonders gefragt. Foto: APOTHEKE ADHOC
Berlin - 

Die Apotheke bietet allerhand Produkte, die das Leben der Patienten erleichtern. In der Erkältungszeit besonders gefragt sind neben Taschentüchern und Bonbons auch die Arzneitees. Woher weiß man, welches Kraut wogegen gewachsen ist? Was gilt es bei der Zubereitung zu beachten? Und sind Tees eine empfehlenswerte Therapie oder nur etwas für „Kräuterhexen“?

Die Grundlage für Arzneitees sind pflanzliche Ausgangsmaterialien wie Blüten, Blätter, Wurzeln und Rinden, die entweder ganz oder zerkleinert angeboten und als Drogen bezeichnet werden. Um beurteilen zu können, welche Pflanzen und Pflanzenteile therapeutisch wirksam sind, veröffentlichte die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (Vorläufer des BfArM) in den Jahren zwischen 1978 und 1995 Monographien der wichtigsten Drogen. Diese enthalten Angaben zu Inhaltsstoffen, Wirkung und Indikation, aber auch zu Gegenanzeigen sowie Neben- und Wechselwirkungen.

Heute erfolgt die Bewertung von Drogen auf europäischer Ebene durch das Herbal Medical Products Committee (HMPC). Auch gängige und sinnvolle Teemischungen wurden dabei berücksichtigt und überprüft. Die veröffentlichten Monographien dienen Fachpersonal als wichtiger Anhaltspunkt für ihre indikationsbezogene Empfehlung.

Damit pflanzliche Drogen zur Teebereitung verwendet werden können, müssen sie den Anforderungen des Europäischen Arzneibuchs entsprechen, welche unter anderem Reinheit der Droge und mikrobiologische Qualität vorschreiben. Somit wird gewährleistet, dass Patienten, die einen Arzneitee kaufen, stets ein hochwertiges und qualitativ einwandfreies Produkt erhalten.

Da sich frische Pflanzenteile nur zur direkten Verwendung eignen, werden Arzneitees oft in getrocknetem Zustand angeboten. Die Trocknung findet entweder an der Luft oder unter Erhitzung statt, darf aber Wirkstoffe wie ätherische Öle nicht zerstören. Die anschließende Lagerung muss den Schutz des Tees vor Luftfeuchtigkeit und Licht gewährleisten, weshalb Aufgussbeutel oft einzeln eingepackt angeboten werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Tee zuzubereiten. Der Patient sollte stets auf die korrekte Methode hingewiesen werden, da diese erheblichen Einfluss auf Wirksamkeit und Geschmack hat.

Für weiche Pflanzenteile wie Blüten und Blätter wird ein Aufguss (Infus) empfohlen. Die Pflanzenteile werden mit siedendem Wasser aufgegossen und eine gewisse Zeit ziehen gelassen. Tees mit ätherischen Ölen sollten bei diesem Vorgang abgedeckt werden.

Bei härteren Pflanzenteilen wie Wurzeln empfiehlt sich eine Abkochung (Dekokt). Beim direkten Kochvorgang (etwa 15 Minuten lang) lösen sich die Wirkstoffe. Ätherisch-Öl-Drogen sind dafür nicht geeignet, da sich die Öle während des Kochens verflüchtigen.

Da einige Drogen beim Infus oder Dekokt auch unerwünschte Inhaltsstoffe freigeben können, sollten einige mittels Kaltwasserauszug (Mazeration) ausgezogen werden. Dieser Vorgang dauert allerdings einige Stunden bis Tage und tötet keine Keime ab.

Arzneitees sind eine sinnvolle Therapiemöglichkeit bei leichten bis mittelschweren Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen, können aber auch eine Ergänzung zu verordneten Therapien sein. Apotheker und PTA sollten daher gerade Patienten mit einem grippalen Infekt das Trinken von Arzneitee entsprechend ihrer Symptome empfehlen. Das Zubereiten und Genießen von Tee bringt Ruhe und Entspannung, die Wirkstoffe lindern die Beschwerden und das Trinken gleicht den Flüssigkeitshaushalt aus.

Empfehlenswerte Pflanzen sind unter anderem: Eibischwurzel und Isländisch Moos (reizlindernd durch Schleimstoffe), Primelwurzel (sekretolytisch und expektorierend durch Saponine), Süßholzwurzel (sekretolytisch, expektorierend und spasmolytisch durch Flavonoide, Phytosterole und Cumarine) und Thymiankraut (bronchospasmolytisch, expektorierend und antibakteriell durch ätherisches Öl mit Thymol, Carvacrol, Pinen, Borneol und Gerbstoffe). Diese Drogen sind oft Bestandteil diverser Hustentees, die auch bei Antibiotikatherapie empfehlenswert sind, um die Heilung zu unterstützen.

Arzneitees bieten somit eine preiswerte, sinnvolle und in der Regel gut verträgliche Therapieoption bei diversen Erkrankungen. Gerade erkältete Patienten profitieren vom umfangreichen Wirkspektrum der Drogen und werden für einen Tipp dankbar sein.