Repräsentative Umfrage des IKW

„UV-Strahlung ist kein reines Sommerthema“ 23.01.2026 13:21 Uhr

Berlin - 

„Auf das Sonnenbrandkonto kann man nur einzahlen, nicht abheben“ – vielen Apothekenteams ist dieser Lehrsatz mehr als geläufig. Trotzdem wird Sonnenschutz von der Apothekenkundschaft oft noch als saisonales Thema betrachtet – oder gewinnt an Gewichtung, wenn es im Urlaub ins Warme geht. Eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Industrieverbandes Körpferpflege- und Waschmittel (IKW) zeigt: Trotz vorhandener UV-Strahlung auch in den kalten Jahreszeiten, nutzen viele Menschen nach eigenen Angaben tatsächlich keine Sonnenschutzmittel.

54,2 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 74 Jahren gaben an, im Herbst und Winter grundsätzlich kein Sonnenschutzmittel zu verwenden. Knapp 48 Prozent sehen Sonnenschutz im Winter als weniger wichtig im Vergleich zum Sommer. 46,8 Prozent der Befragten verbinden Sonnenschutz ausschließlich mit Sommer, Strand oder Schwimmbad.

UV-Schutz ist kein reines Sonnenthema

Zwar existiert laut Befragung ein wachsendes Bewusstsein für UV-Schutz; immerhin 58,8 Prozent gaben an, dass sie heute stärker auf Sonnenschutz achten würden als früher. Dieses Wissen ist laut Auswertung allerdings nicht zur Routine geworden: Nur knapp 18 Prozent geben an, täglich Sonnenschutz aufzutragen.

Birgit Huber, Bereichsleiterin des Kompetenzpartners Schönheitspflege im IKW, betont: „UV-Strahlung ist aber kein reines Sommerthema. UV-Strahlen wirken das ganze Jahr über. Und gerade im Winter – etwa bei reflektierendem Schnee oder längeren Aufenthalten im Freien – ist es wichtig, die Haut zu schützen.“

Fachlich lässt sich dies durch den sogenannten Albedo-Effekt stützen: Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) verstärkt eine geschlossene Schneedecke die UV-Belastung durch Reflexion um bis zu 80 bis 90 Prozent. Zudem bleibt die hautalternde UV-A-Strahlung im Gegensatz zu Sonnenbrand verursachenden UV-B-Strahlung auch im Winter nahezu konstant hoch.

Sonnenbrand vor allem bei Jüngeren

Die Umfrage zeigt außerdem, dass 33,4 Prozent der Befragten Sonnenschutz im Winter nur bei längeren Aufenthalten im Freien, wie etwa im Skiurlaub, einsetzen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Schutzmaßnahmen zwar primär ab einem UV-Index von 3, warnt jedoch davor, dass die kumulative UV-Dosis über das Jahr entscheidend für das langfristige Hautkrebsrisiko ist.

Außerdem weisen die Ergebnisse darauf hin, dass insbesondere jüngere Erwachsene die Wirkung der Wintersonne unterschätzen. Rund ein Drittel der unter 29-Jährigen habe bereits einen Sonnenbrand im Gesicht durch unterschätzte UV-Strahlung im Winter erlitten. Bei Personen über 60 Jahren treten solche Fälle deutlich seltener auf.

Keinerlei UV-Resilienz im Winter

Die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) betont, dass die Haut im Winter über keinerlei UV-Resilienz verfügt. Da der biologische Gewöhnungseffekt der Lichtschwiele fehlt, reagiert das Hautorgan extrem empfindlich auf Strahlung. Die Expert:innen mahnen, dass besonders im Gebirge die unterschätzte UV-Dosis auf eine schutzlose Epidermis trifft, wodurch das Erbgut der Hautzellen bereits in Sekunden geschädigt werden kann.

Trotz der Empfehlungen gibt es auch Stimmen, die zur Verhältnismäßigkeit raten. Das BfS merkt an, dass im deutschen Flachlandalltag bei einem niedrigen UV-Index unter 3 ein konsequenter Sonnenschutz oft nicht zwingend erforderlich ist. Dies wird auch im Hinblick auf die Vitamin-D-Synthese diskutiert, die in den Wintermonaten ohnehin eingeschränkt ist. Kritiker geben zudem zu bedenken, dass eine tägliche Ganzjahresroutine bei reinem Aufenthalt in Innenräumen die Umwelt unnötig durch kosmetische Filter belasten kann.

Geschlechterunterschiede

Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich ebenfalls. Die Umfrage erfasste hierbei allerdings lediglich die Unterscheidung zwischen Frauen und Männern; andere Geschlechter wurden in der Auswertung nicht berücksichtigt. Demnach integrieren 28,4 Prozent der Frauen Sonnenschutz in ihre Winter-Pflegeroutine.

Bei den Männern sind es 21,6 Prozent. Hierbei sollte beachtet werden, dass Winter-Sonnenschutz idealerweise einen höheren Lipidanteil haben sollte, um die Hautbarriere gleichzeitig vor der austrocknenden Heizungsluft und Frostschäden zu schützen.