Übertragung verhindern

Testosteron: Bei lokaler Anwendung Kleidung tragen 09.04.2026 11:33 Uhr

Berlin - 

Patient:innen, die Testosteron lokal auf der Haut verwenden, sollten nach der Applikation stets Kleidung tragen. Nur so könne eine versehentliche Übertragung auf andere Personen und Haustiere verhindert werden.

Wird Testosteron lokal auf der Haut aufgetragen, so kann es zu einer versehentlichen Übertragung des Hormons auf andere Personen oder Haustiere kommen. Deswegen sollten Anwender:innen künftig besser davor gewarnt werden, ihre Tiere oder Kontaktpersonen mit testosteronhaltigen Gels oder Cremes in Kontakt zu bringen.

Änderung der Produktinformation

Angesichts der verfügbaren Daten aus der Fachliteratur über die Sekundärexposition von Haustieren gegenüber transdermalen hormonhaltigen Arzneimitteln, kommt der Ausschuss für Risikobewertung (PRAC) zu dem Schluss, dass die derzeitigen Leitlinien für den Anwender ausgeweitet werden sollten. Zudem sollen die Produktinformationen testosteronhaltiger Arzneimittel zur topischen Anwendung entsprechend geändert werden.

Testosteron wird lokal vor allem als Gel oder Creme zur Testosteronersatztherapie bei Männern eingesetzt. Der Hauptgrund ist ein klinisch bestätigter Testosteronmangel (Hypogonadismus). Das Gel wird meist auf Schultern, Oberarme oder Bauch aufgetragen. Von dort gelangt der Wirkstoff über einen längeren Zeitraum in den Blutkreislauf. Typische Symptome wie Erschöpfung, Libidoverlust, depressive Verstimmungen oder der Abbau von Muskelmasse sollen so gelindert werden.

Kinder und Frauen gefährdet

Berühren andere Personen, insbesondere Frauen und Kinder, die behandelte Hautstelle oder kommen mit Resten an den Händen des Anwenders in Kontakt, kann es zu einer ungewollten Aufnahme des Hormons kommen:

  • Bei Kindern kann der längere Wirkstoffkontakt die vorzeitige Pubertät, vergrößerte Genitalien, aggressives Verhalten und ein beschleunigtes Knochenwachstum auslösen.
  • Bei Frauen kann es zu verstärktem Haarwuchs im Gesicht oder am Körper kommen. Auch eine tiefere Stimme, Zyklusstörungen oder Akne sind möglich.
  • Besonders gefährlich ist der Kontakt für Schwangere, da das Hormon die Entwicklung des ungeborenen Kindes schädigen kann.

Haustiere reagieren empfindlich

Haustiere reagieren oft sehr empfindlich auf kleinste Mengen der Hormone, da sie im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht eine viel höhere Dosis aufnehmen. Dies geschieht beispielsweise durch Ablecken der Haut oder bei engem Körperkontakt.

Hunde reagieren mit einer Vergrößerung der Analdrüsen, Haarausfall (Alopezie), Aggressivität oder einer Schwellung der Genitalien. Bei Katzen kann es zu Verhaltensänderungen wie Urinmarkieren, gesteigerter Aggression oder auch Gewichtsverlust und Veränderungen des Fells kommen.

Für Personen die Testosteron lokal verwenden gilt deshalb: Nach dem Auftragen sofort die Hände mit Seife waschen und die behandelte Stelle mit Kleidung bedecken, bevor andere Menschen oder Tiere berührt werden.