Dermatosen als Folgeerkrankungen

Psoriasis: Adipositas befeuert Entzündungen 28.02.2026 08:48 Uhr

Berlin - 

In Deutschland ist fast jeder vierte Erwachsene von Adipositas betroffen. Sie verursacht nicht nur Folgekrankheiten wie Diabetes, sondern steht laut Expert:innen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) auch in direktem Wechselspiel mit Hauterkrankungen. „Für chronisch entzündliche Systemerkrankungen wie die Psoriasis besteht ein hohes Risiko für die Entwicklung von Komorbidität wie beispielsweise das metabolische Syndrom“, sagt Professor Dr. Matthias Blüher vom Helmholtz-Institut für Metabolismus-, Adipositas- und Gefäßforschung (HI-MAG).

Adipositas betrifft rund ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland. Davon sind 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen betroffen. Als chronisch fortschreitende Erkrankung belastet sie das Gesundheitssystem massiv, da sie häufig mit Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen einhergeht. Laut der DDG besteht zudem eine enge medizinische Wechselwirkung zwischen der Vermehrung des Körperfetts und verschiedenen Hautkrankheiten.

„Für chronisch entzündliche Systemerkrankungen wie die Psoriasis besteht ein hohes Risiko für die Entwicklung von Komorbidität wie beispielsweise das metabolische Syndrom“, betont Blüher. Dies sei eng mit der Hautgesundheit verknüpft. Laut DDG begünstigt die Kombination der jeweiligen Risikofaktoren nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern ist auch ein wesentlicher Auslöser für die Entstehung einer Schuppenflechte.

„Das Bindeglied zwischen der Stoffwechselerkrankung Adipositas und Dermatosen wie Psoriasis könnte Entzündung sein“, betont Blüher. Die genauen Mechanismen, die für den Zusammenhang zwischen starkem Übergewicht und einem erhöhten Risiko für immunvermittelte Hauterkrankungen verantwortlich sind, kennen die DDG-Forschenden noch nicht. „Vermutet wird, dass überschüssiges Fettgewebe proinflammatorische Mechanismen auslöst, die die Entwicklung von Hautkrankheiten beeinflussen.“

Sonderrolle des weißen Fettgebewebes

Das weiße Fettgewebe spielt hier laut DDG eine Sonderrolle: Es dient nicht nur als Energiespeicher, sondern fungiere als hochaktives Drüsenorgan, das den Stoffwechsel und das Immunsystem über Botenstoffe steuert. Bei starkem Übergewicht gerät diese Funktion aus dem Gleichgewicht, sodass das Gewebe permanent entzündungsfördernde Signale, sogenannte Adipokine, aussendet.

Diese Stoffe befeuern chronische Entzündungen, was den Zusammenhang zu Herzleiden, Krebs und Hautkrankheiten wie Schuppenflechte, Akne inversa oder Neurodermitis erklärt. Speziell bei der Psoriasis spielt ein erhöhter Botenstoff-Spiegel eine Rolle: „Die Serum-Leptinspiegel sind bei Menschen mit Adipositas erhöht, und Leptin könnte einer der Faktoren sein, der Adipositas und Psoriasis verbinden“, sagt Blüher.

Da diese Prozesse den Behandlungserfolg beeinflussen können, rückt die Gewichtsabnahme in den Fokus. Blüher betont jedoch die klinische Realität: „Da liegt natürlich der Gedanke nah, durch eine Gewichtsreduktion diese Behandlungen positiv zu unterstützen. Wir wissen aber aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass eine Reduzierung des Gewichtes bei starker Adipositas nicht einfach ist“.

Inkretinmimetika als Meilenstein

Klassische Ansätze wie Ernährungsumstellung, Bewegung und Verhaltenstherapie führen meist nur zu moderaten Gewichtsverlusten von 3 bis 5 Prozent. Für einen langfristigen Erfolg setzt die moderne Medizin daher verstärkt auf pharmazeutische Unterstützung: „Mit den Inkretinmimetika, die in der Öffentlichkeit mit dem Begriff der ‚Abnehmspritze‘ verbunden sind, hat sich die Behandlung der Adipositas ganz grundsätzlich verändert“, konstatiert Blüher.

Diese Wirkstoffe ahmen körpereigene Darmhormone nach, zügeln den Appetit und ermöglichen Gewichtsreduktionen von teils über 20 Prozent. Dennoch bleibt die Behandlung laut dem DDG-Experten eine dauerhafte Aufgabe: „Adipositas ist als chronische Krankheit nicht heilbar. Aber die neuen pharmakologischen Entwicklungen sind Meilensteine in der Therapie der Adipositas. Wissen muss man aber auch, dass der erzielte Gewichtsverlust oft nicht von Dauer ist, wenn die Therapie abgesetzt wird.“

Therapie mit Biologika besser bei gleichzeitigem Gewichtsverlust

Wird eine antientzündliche Biologika-Therapie der Psoriasis durch eine Gewichtsreduktion begleitet, verbessert sich der Behandlungserfolg der Antikörper spürbar. Blüher rät daher zu einer fächerübergreifenden Zusammenarbeit: „Eine enge Abstimmung zwischen den Behandelnden aus Dermatologie und Endokrinologie erscheint daher sehr sinnvoll. Aber sie sollte individuell mit jeder Patientin und jedem Patienten abgestimmt werden.“

Dies sei auch wegen möglicher Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erbrechen sowie noch ungeklärter Langzeitfolgen der Medikamente wichtig.

Über die Gewichtsreduktion hinaus zeigen erste Untersuchungen laut DDG ein Potenzial der neuen Wirkstoffe bei der Suchtbekämpfung. „Es scheint Hinweise zu geben, dass Inkretinmimetika wie Semaglutid oder Tirzepatid nicht nur regulierend auf die Esssucht wirken, sondern auch regulierend auf andere Substanzabhängigkeiten wirken.“