Orale Läsionen: Harmlose Aphthe oder ernste Erkrankung? 28.03.2026 08:25 Uhr
Orale Läsionen – Veränderungen der Mundschleimhaut – können extrem schmerzhaft sein. Was oft als harmlose Aphthe beginnt, kann ein Warnsignal für ernste Systemerkrankungen sein. Da die Mundhöhle oft als Spiegel der allgemeinen Gesundheit fungiert, ist eine genaue Einordnung der Symptome entscheidend. Ein Überblick zum Download.
Die Klassifizierung und Ursachen der oralen Läsionen erfolgt meist nach ihrem Erscheinungsbild und ihrer Entstehung. Unterschieden werden dabei:
- infektiöse Ursachen:
- viral: Herpes-simplex-Viren oder das Coxsackie-Virus (Hand-Fuß-Mund-Krankheit)
- bakteriell: klassische Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis) oder Pilzinfektionen, meist mit Candida albicans (Mundsoor)
- mechanisch-traumatische Ursachen:
- schlecht sitzende Prothesen, scharfe Zahnkanten oder versehentliches Beißen in die Wange
- autoimmunbedingte und chronische Ursachen:
- Aphthen: schmerzhafte, rötlich umrandete Defekte, wobei die Ursache oft unklar ist, teils wegen Stress oder Nährstoffmangel
- Lichen planus: eine chronisch-entzündliche Erkrankung mit weißlichen Netzstrukturen
- chemisch-toxische Reize:
- Tabak- und Alkoholkonsum können zu Leukoplakien – weißen, nicht abwischbaren Flecken – führen. Diese gelten als Krebsvorstufen.
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Wie man Läsionen unterteilt
Je nach Art der Läsion variiert auch das Beschwerdebild: Symptome wie Schmerzen und Brennen sind typisch für Aphthen, Herpes oder akute Entzündungen. Weiße abwischbare Beläge sind hingegen klassisch für Pilzinfektion. Sind diese nicht abwischbar, spricht das eher für Leukoplakie oder Lichen planus.
Aphthen sind kleine Bläschen auf der Mundschleimhaut oder auch an der Zunge. Die weiß-gelblichen Gebilde haben einen roten Rand. Unterschieden wird in den Minor-Typ mit Wunden, die weniger als 1 cm groß sind, und den Major-Typ mit einer Wundgröße ab 1 cm. Die kleinen Bläschen können für Schmerzen beim Essen, Trinken und Sprechen oder auch Schlucken sorgen. Mehr noch: Platzt die Aphthe auf, können sich Entzündung und Brennen verstärken. Die gute Nachricht: Aphthen sind nicht ansteckend, in der Regel harmlos und verschwinden von allein.
Rötungen und Schwellungen geben einen Hinweis auf Entzündungsprozesse oder traumatische Reizungen. Geschwüre, auch Ulzera genannt, sind offene Stellen, die bei fehlender Heilung länger als zwei Wochen dringend abgeklärt werden müssen. Blutungen stehen oft im Zusammenhang mit Zahnfleischerkrankungen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:
- symptomatische Therapie:
- schmerzlindernde Gele oder Sprays, oft mit Lidocain
- antiseptische Mundspülungen mit Chlorhexidin, um Sekundärinfektionen zu vermeiden
- pflanzliche Tinkturen mit Kamille, Salbei oder Myrrhe zur Beruhigung
- kausale Therapie:
- antiviral/antimykotisch: Zubereitungen gegen Herpes oder Suspensionen gegen Pilzbefall
- zahnärztliche Korrektur: Schleifen von scharfen Kanten oder Unterfütterung von Prothesen
- Kortison: bei schweren immunologischen Verläufen, wie bei ausgeprägter Lichen planus
Behandlung von Aphthen
In der Regel heilen die schmerzenden Bläschen nach einigen Tagen von selbst wieder ab. Eine Narbe bleibt nicht zurück. Eine Behandlung kann jedoch die Beschwerden lindern und die Heilung beschleunigen. Hier einige Beispiele:
- flüssiger Filmverband mit einem Cellulosederivat (bildet den schützenden Film) sowie Carbon- und Mineralsäure (erhöhen die Stabilität und verbessern die Haftung des Films auf der Schleimhaut)
- betäubende Gele mit Lidocain und in Kombination mit Kamille und/oder Salbei
- Tinkturen mit Myrrhe, Nelke oder Rhabarberwurzel
- Mundspüllösungen mit Chlorhexidin, Ethacridinlactat oder Hexetidin
- Sprays und Gele mit Hyaluronsäure
- Lösungen mit Dexpanthenol
Der Fokus für die Prävention von oralen Läsionen liegt auf der Änderung des Lebensstils: Verzicht auf Tabak und Alkohol, Optimierung der Mundhygiene und des Stressmanagements.
Achtung: Jede Veränderung im Mund, die länger als 14 Tage besteht, schmerzlos ist oder sich verhärtet anfühlt, sollte unbedingt ärztlich abgeklärt werden, um bösartige Veränderungen frühzeitig auszuschließen.