Neue Zahnpasta hemmt Parodontitis-Erreger 06.02.2026 14:31 Uhr
Forschende des Frauenhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) haben einen Wirkstoff identifiziert, der gezielt zentrale Parodontitis-Erreger hemmt, ohne das übrige orale Mikrobiom zu stören. Die Substanz „tötet die Gingivitis-Erreger nicht einfach ab, sondern blockiert nur deren Wachstum. Sie können ihre giftige Wirkung nicht entfalten, und die gesunden Keime können ihnen sonst verwehrte Nischen besetzen“, erklärt Professor Dr. Stephan Schilling, Leiter der Fraunhofer-IZI-Außenstelle Molekulare Wirkstoffbiochemie und Therapieentwicklung.
Bakterienbeläge verursachen oft eine oberflächliche Entzündung des Zahnfleischs, die sogenannte Gingivitis. Sie äußert sich durch Rötungen, Schwellungen und Blutungen beim Zähneputzen.
Da der Kieferknochen in diesem Stadium noch unversehrt bleibt, ist die Erkrankung durch konsequente Pflege und professionelle Reinigung der Zähne meist vollständig reversibel. Unbehandelt droht jedoch der Übergang zur Parodontitis. Dabei greift die Entzündung auf den Zahnhalteapparat und den Knochen über. Das kann zu Zahntaschen, Geweberückgang und Zahnverlust führen.
Über den lokalen Schaden hinaus gilt Parodontitis als medizinischer Risikofaktor für systemische Leiden wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Alzheimer.
Wirkstoff reduziert pathogene Wirkung
In einer interdisziplinären Kooperation haben das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) und das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) in Halle (Saale) eine Substanz identifiziert, die das Wachstum von Parodontitis-Erregern wie Porphyromonas gingivalis hemmt.
Der Wirkstoff Guanidinoethylbenzylamino Imidazopyridine Acetat ist darauf ausgelegt, pathogene Bakterien gezielt zu adressieren, ohne die restliche Mundflora zu beeinträchtigen. Der Mechanismus basiert auf der Blockade des Enzyms Glutaminyl-Cyclase. Dieses ist bei den Zielbakterien für die Modifikation von Oberflächenproteinen verantwortlich, die die Bakterien stabilisieren und vor dem menschlichen Immunsystem schützen.
Die Hemmung schränkt die Fitness und Vermehrung der Keime ein. Dadurch wird deren pathogene Wirkung reduziert. Da die Bakterien nicht abgetötet werden, wird das Risiko einer Resistenzbildung im Vergleich zu herkömmlichen Antibiotika als geringer eingeschätzt.
Substanz blockiert Bakterienwachstum
Schilling erklärt zur Wirkweise der Substanz: „Sie tötet die Gingivitis-Erreger nicht einfach ab, sondern blockiert nur deren Wachstum. Sie können ihre giftige Wirkung nicht entfalten, und die gesunden Keime können ihnen sonst verwehrte Nischen besetzen. So hilft der Stoff im Einklang mit den gesunden Bakterien, das mikrobielle Gleichgewicht im Mund sanft aufzubauen und stabil zu halten.“
Die Substanz ist für die lokale Anwendung im Mundraum optimiert. Sie zeigt laut Frauenhofer Institut keine toxischen Eigenschaften, gelangt nicht in den Blutkreislauf und verursacht keine Zahnverfärbungen. Durch eine mucoadhäsive Formulierung haftet der Wirkstoff an der Schleimhaut, um die Einwirkzeit am Entzündungsherd zu verlängern.
Die finale Rezeptur ist als vollwertige Zahnpasta konzipiert. Sie enthält zusätzlich auch klassische Bestandteile wie Fluorid und Putzkörper. Außerdem wird die Technologie für die Tiermedizin adaptiert, da ähnliche Erregerprofile bei Hunden und Katzen auftreten.