Bei Kindern

Lungenentzündung: Sprunghafter Anstieg nach Corona 11.02.2026 09:44 Uhr

Berlin - 

Während der Corona-Pandemie gingen aufgrund der Schutzmaßnahmen die Zahlen der Atemwegsinfekte bei Kindern stark zurück. Aktuell schnellen diese bei Lungenentzündungen, insbesondere durch das Bakterium Mycoplasma pneumoniae, wieder nach oben. Eine neue Studie belegt, dass die Entstehung einer großen Gruppe anfälliger Kinder und komplexe Wechselwirkungen zwischen Viren und Bakterien die pädiatrische Medizin vor völlig neue Herausforderungen bei Diagnose und Prävention stellen.

Die chinesische Studie „Interaction analysis of non-bacterial respiratory pathogens during and after the coronavirus disease 2019 pandemic in two cities along the eastern coast of China“ zeigt, dass sich die Dynamik pädiatrischer Atemwegsinfektionen nach der Pandemie grundlegend verändert hat. Während die strengen Schutzmaßnahmen die Infektionsraten zeitweise um über 56 Prozent senkten, stiegen die Nachweise nach der Lockerung um mehr als 75 Prozent an. Besonders Lungenentzündungen bei Kindern stehen im Fokus.

Die Forschenden analysierten Atemwegsproben von 73.096 pädiatrischen Patient:innen, die mit akuten Atemwegsinfektionen in Wenzhou und Ningbo, zwei Küstenstädten im Osten Chinas mit ähnlichem Klima, ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Diese wurden zwischen März 2021 und Februar 2024 entnommen und umfassten den Zeitraum vor, während und nach der Umsetzung von Covid-19-Maßnahmen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Pediatric Investigation veröffentlicht.

Sprung bei Lungenentzündungen

Laut den Ergebnissen verzeichnete das atypische Bakterium Mycoplasma pneumoniae, ein Hauptauslöser für Pneumonien bei Kindern, demnach einen massiven Sprung. Während der Pandemie betrug die Nachweisrate noch 5,29 Prozent. Danach stieg sie auf 34,78 Prozent. „Wir waren überrascht, wie stark Mycoplasma pneumoniae wieder zunahm. Dies deutet darauf hin, dass während der Pandemie eine große Gruppe anfälliger Kinder entstanden ist“, erlärt Co-Autor Dr. Shunhang Wen.

„Dies war eine seltene Gelegenheit, zu beobachten, wie sich Atemwegserreger verhalten, wenn ihre normalen Übertragungsmuster gestört und dann plötzlich wiederhergestellt werden“, betont Studienleiter Dr. Hailin Zhang vom Yuying Children’s Hospital der Wenzhou Medical University in China. „Die Pandemie ermöglichte es uns, nicht nur die Veränderungen der Infektionsraten zu beobachten, sondern auch, wie sich die Erreger gegenseitig beeinflussen.“

Wechselwirkung zwischen Erregern

Die Forschenden beobachteten verstärkte Wechselwirkungen zwischen den Erregern, die sogenannte Pathogeninterferenz. So unterdrückte beispielsweise eine hohe Aktivität von Influenza-B-Viren zeitweise das Auftreten von Mycoplasma pneumoniae.

„Dieses Muster deutet darauf hin, dass die Infektion mit einem Erreger einen anderen kurzzeitig unterdrücken kann, möglicherweise durch Immunreaktionen wie die Freisetzung von Interferon“, erklärt Wen. „Das Verständnis dieser Dynamik könnte Ärzten helfen, Veränderungen während Ausbrüchen vorherzusehen.“

Die Wissenschaftler:innen betonen daher, dass künftige Präventions- und Impfstrategien nicht mehr nur isolierte Erreger betrachten dürfen, sondern diese neuen, komplexen Interaktionsmuster berücksichtigen müssen, um auf ungewöhnliche Infektionswellen bei Lungenentzündungen vorbereitet zu sein.