Grippewelle: Immer mehr Fälle 14.01.2026 08:07 Uhr
Die Grippewelle ist zunehmend zu spüren. Auch an den Berliner Vivantes-Kliniken steigen die Fallzahlen seit Dezember, wie Presssprecher Christoph Lang auf Anfrage mitteilte. Vor allem Kinder seien stark betroffen. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) rät deswegen auch jetzt noch zur Grippeimpfung. „Da die Welle voraussichtlich noch einige Wochen andauert, kann eine Impfung auch jetzt noch sinnvoll sein“, sagte NLGA-Präsident Fabian Feil.
Die Grippe grassiert aktuell, die Fallzahlen steigen. Auch die drei Standorte der DRK-Kliniken zählen dieses Jahr bislang 50 Grippefälle mehr als im Vorjahreszeitraum (Stand 12. Januar), erklärte Sprecherin Corinna Schwetasch. Viele davon würden aber in erster Linie wegen anderer Beschwerden behandelt und nicht wegen der Grippe. Vereinzelt gebe es Fälle auf der Intensivstation, vor allem Menschen mit Vorerkrankungen seien betroffen.
Nach Angaben des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) ist die Influenza-Viruslast des Typs A im Abwasser in den vergangenen drei Monaten um 15 Prozent gestiegen (Stand 12. Januar). Die Zahl der gemeldeten Fälle liegt über dem Mittelwert der vergangenen fünf Jahre.
Impfung dringend empfohlen
An den Vivantes-Häusern müssen nach Angaben von Lang vor allem ältere und vorerkrankte Patientinnen und Patienten mit einer Grippe stationär aufgenommen werden. Betroffene würden isoliert werden, um niemanden anzustecken, das sei Standard.
„Einige werden auch auf Intensivstationen behandelt. Wir raten daher dringend allen, vor allem über 60-Jährigen und Vorerkrankten, sich impfen zu lassen“, sagte Lang. Die Impfung verhindere zumindest in den allermeisten Fällen einen schweren Verlauf. „Sie macht auch jetzt noch Sinn, da die Grippe-Saison noch einige Wochen andauern wird.“
Typischerweise beginnt die Influenza-Saison im Januar und dauert bis Ostern – damit hatte die Grippewelle dieses Mal einen relativ frühen Start. Nach der Impfung dauert es rund 14 Tage, bis sie ihre volle Wirkung entfaltet.
Hohe Infektionszahlen bei Kindern
Eine starke Grippewelle grassiert derzeit unter Kindern, wie Professor Dr. Tobias Tenenbaum berichtet, der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Sana-Klinikum Lichtenberg ist. „Wir sind bis aufs letzte Bett gefüllt“, berichtet der Arzt. Die Stationen seien stärker ausgelastet als vergangenes Jahr.
Viele Kinder mit Grippe würden auf der Intensivstation behandelt – vor allem mit schweren Lungenentzündungen. Einige müssten beatmet werden.
Kaum RSV-Fälle
„Betroffen sind vor allem jüngere Kinder, Säuglinge und Kleinkinder, sowohl mit als auch ohne Risikofaktoren.“ Einen fatalen Fall habe es in dieser Saison aber noch nicht gegeben. Bei allen Kindern habe sich der Gesundheitszustand im Krankenhaus verbessert.
Positiv sei auch, dass es bislang kaum RSV-Fälle gebe. Für Neugeborene und Säuglinge empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) seit Sommer 2024 einen Antikörper-Wirkstoff zum Schutz vor dem Respiratorisches Synzytial-Virus (RSV). Der zeigt ganz offenbar Wirkung.
Influenza vermehrt nachgewiesen
Das NLGA untersucht regelmäßig zufällig ausgewählte Proben von Patientinnen und Patienten mit Erkältungskrankheiten. In der zweiten Kalenderwoche sind der Behörde zufolge bei 36 Prozent dieser Proben Influenzaviren nachgewiesen worden. „Die Influenza-Welle ist in vollem Gange“, sagte Feil. Ein erster bedeutsamer Anstieg der Grippefälle wurde bereits kurz vor Weihnachten registriert.
In der zweiten Kalenderwoche wurden dem NLGA eigenen Angaben zufolge 1124 laborbestätigte Influenzafälle übermittelt. Seit Ende Juni seien fünf durch Laboruntersuchungen bestätigte Influenza-Todesfälle an das Landesgesundheitsamt übermittelt worden.
Todesfälle selten
Todesfälle allein aufgrund einer Influenzaerkrankung sind dem NLGA zufolge eher selten. Meist führt die Infektion zusammen mit einer schon vorher bestehenden Grunderkrankung zum Tod. Die tatsächliche Anzahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Influenza, gleich ob direkt oder in Verbindung mit einer anderen Krankheit, lässt sich erst nach Ende der Saison anhand der Todesfallstatistik feststellen. In der Saison 2024/25 sind in Niedersachsen 134 Personen mit einer Influenza-Infektion gestorben.