Viruslast in der Raumluft

Grippe: Husten als größtes Ansteckungsrisiko 19.02.2026 08:00 Uhr

Berlin - 

Teilen sich Gesunde und Grippekranke einen Raum, galt bisher das bloße Einatmen derselben Raumluft als Gesundheitsrisiko. Forschende fanden jedoch heraus, dass die Viren sich effektiv mit dem Husten Infizierter verteilen. Blieb dieser bei den Erkrankten aus, steckten sich gesunde Personen auch nicht an.

Dass der bloße Aufenthalt im selben Raum mit einer infizierten Person automatisch zur Ansteckung führt, wird durch eine Untersuchung der University of Maryland widerlegt. Die im Fachjournal PLoS Pathogens veröffentlichte Studie ‚Coughing is the main driver of influenza virus transmission‘ zeigt auf, dass andere Faktoren entscheidend sind.

Grippekranke und Gesunde im Hotel

Um die Virusausbreitung unter realitätsnahen Bedingungen zu prüfen, wurden infizierte Teilnehmer:innen in einer kontrollierten Umgebung untersucht. In zwei Durchgängen wurden zwischen Januar und Februar 2024 fünf natürlich infizierte Spender im durchschnittlichen Alter von 21 Jahren zusammen mit elf gesunden Erwachsenen mit einem Altersdurchschnitt von 36 Jahren auf einer abgeschirmten Hoteletage untergebracht.

Die Proband:innen aßen gemeinsam, unterhielten sich und teilten Gegenstände. Die Frischluftzufuhr wurde stark eingeschränkt. In den Räumen sorgten Ventilatoren und Heizlüfter für eine konstante Luftumwälzung.

Die Teilnehmenden wurden regelmäßig einzeln in eine spezielle Kabine gesetzt. Diese fing die gesamte ausgeatmete Luft der jeweiligen Person auf, ohne dass Viren aus der Umgebungsluft das Ergebnis verfälschten.

Die Forschenden unterschieden in den Messungen zwischen zwei Szenarien:

  1. Normales Atmen: Die Testperson saßen ruhig da und atmeten über einen festgelegten Zeitraum gleichmäßig.
  2. Gezieltes Husten: Die Testperson wurden gebeten, in die Apparatur zu husten.

Große oder kleine Tröpfchen?

Nachdem die Luftproben gesammelt wurden, führte man PCR-Tests durch. Ein entscheidender Punkt war die Untersuchung der Tröpfchengröße. Es wurde analysiert, ob die Viren in großen schweren Tropfen, die schnell zu Boden sinken oder in winzigen Aerosolen, die lange in der Luft schweben transportiert werden.

Außerdem testete man in den Zellkulturen, ob die in der Luft gefundenen Viren replikationsfähig waren oder nur noch harmlose Virentrümmer. Das überraschende Ergebnis: Die Messungen ergaben eine enorme Diskrepanz zwischen normaler Atemluft und ausgehusteter Luft.

Husten als Virusschleuder

Beim normalen Atmen wurden zwar Viren gefunden, aber oft in so geringen Mengen, dass die Konzentration in einem normal belüfteten Raum kaum für eine Infektion ausreichte.

Beim Husten hingegen explodierte die Viruslast förmlich. Die Forschenden konnten nachweisen, dass ein einziger Hustenanfall mehr infektiöses Material in die Luft schleudert als minutenlanges Atmen.