Symptomfreiheit ist kein Indiz

Grippe, Covid, Angina: Genesung dauert länger als gedacht 13.02.2026 14:05 Uhr

Berlin - 

Wann ist man nach einer Infektion wirklich wieder gesund? Während sich viele auf ihr subjektives Empfinden verlassen, zeigt eine aktuelle Langzeitstudie, dass der Körper oft länger braucht als bisher gedacht. Die Studienergebnisse basieren auf dem Vergleich von Smartwatch-Daten mit persönlichen Krankheitsberichten. Insbesondere bei Covid-19 und der Influenza bleibt das Herz-Kreislauf-System messbar unter Stress, auch wenn die Symptome bereits abgeklungen sind.

Forscher untersuchten im Zeitraum von 2020 bis 2023 bei knapp 4800 Probanden in Israel, wie lange die Genesung nach einer Corona-Infektion, der echten Grippe und Streptokokken-Angina tatsächlich dauert. Dabei verglichen sie das subjektive Empfinden anhand von Fragebögen mit objektiven Daten von Smartwatches.

Gemessen wurde die Herzfrequenz und das Stresslevel basierend auf Herzratenvariabilität. Die Ergebnisse der Studie „Smartwatch-derived versus self-reported outcomes of physiological recovery after COVID-19, influenza, and group A streptococcus“ wurden im Fachjournal The Lancet Digital Health veröffentlicht.

Stresszustand trotz Symptomfreiheit

Die zentrale Erkenntnis von Studienautor Dr. Yosi Levi von der School of Industrial and Intelligent Systems Engineering an der Tel Aviv University ist die sogenannte „Genesungs-Lücke“. Das heißt konkret, dass die physiologische Erholung oft deutlich länger dauert als das Verschwinden der Krankheitssymptome. Der Körper ist demnach messbar noch im Stresszustand, obwohl man sich eigentlich schon wieder gesund fühlt.

Im direkten Vergleich der Krankheiten konnten die Forschenden belegen, dass diese Lücke bei einer Coronainfektion am größten war. Selbst bei milden Verläufen dauerte die physiologische Erholung oft über eine Woche länger als das Abklingen der Symptome.

Bei einer Influenza und einer Streptokokkeninfektion gab es zwar auch derartige Verzögerungen, aber die physiologischen Parameter, wie der Ruhepuls, kehrten bei bakteriellen Infektionen wie Streptokokken oft schneller zur Norm zurück als bei den viralen Infekten.

Gängige Empfehlungen zu optimistisch

Das Problem: Sobald die Teilnehmenden angaben, symptomfrei zu sein, kehrten sie sofort zu ihrem normalen Aktivitätslevel zurück, welches beispielsweise die Schrittzahl und den Kalorienverbrauch umfasste. Die Smartwatch-Daten zeigten jedoch, dass ihr Herz-Kreislauf-System zu diesem Zeitpunkt oft noch nicht wieder auf dem Basisniveau war. Außerdem zeigten insbesondere Patienten mit Fieber oder schwereren Verläufen eine massiv verzögerte physiologische Erholung im Vergleich zu Patienten mit nur sehr milden Symptomen.

Die Studie legt nahe, dass die gängigen Empfehlungen, wie zum Beispiel fünf Tage nach Symptomende wieder voll belastbar sein, für viele Menschen zu optimistisch sind. Ein zu früher Start mit Sport oder hoher Arbeitsbelastung könnte den Körper überfordern.

Ruhepuls beachten

Die Forscher sehen großes Potenzial darin, Wearables zu nutzen, um Patienten individuell zu sagen, wann sie wirklich wieder fit sind. Wenn der Ruhepuls noch erhöht ist, sollte man es trotz fehlender Symptome noch ruhig angehen lassen. Je nach Fitness-Level sollte dieser bei einem gesunden Erwachsenen in einem Bereich zwischen 60 bis 80 Schläge pro Minute liegen. Bei Sportlern gelten auch niedrigere Werte zwischen 40 bis 50 Schlägen pro Minute als normal.