Forschende klären Mechanismus

COPD: Gefährliche Schübe nach Grippeinfektion 27.02.2026 08:55 Uhr

Berlin - 

Nach einer Grippeinfektion kann es zu gefährlichen Schüben bei COPD-Erkrankten kommen. Ein Marburger Forscherteam konnte nun den auslösenden Botenstoff für die Schleimüberproduktion und geschwächte Virusabwehr identifizieren.

Stecken sich COPD-Patient:innen (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) mit Grippe an, so kann es laut Forschenden der Philipps-Universität Marburg danach zu einer massiven Verschlechterung der chronischen Lungenerkrankung kommen. Dank einer Analyse konnte als Auslöser ein bestimmter Botenstoff namens CXCL11 bestimmt werden. In Folge einer Infektion wird dieser vermehrt gebildet und bringt die Atemwege aus dem Gleichgewicht.

Schleimproduktion und Immunschwäche

Nach der Erkrankung wird nicht nur zu viel zäher Schleim produziert, sondern auch die natürliche Abwehr gegen Viren deutlich geschwächt. Diese Entdeckung sei ein wichtiger Schritt, um gefährlichen Krankheitsschübe künftig besser behandeln zu können, betonen Professor Dr. Mareike Lehmann und Professor Dr. Bernd Schmeck. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazins Thorax veröffentlicht.

In humanbasierten Modellsystemen aus Epithelzellen der Atemwege wurden die Mechanismen untersucht und die strukturellen und funktionellen Eigenschaften des respiratorischen Epithels realitätsnah abgebildet. Hierbei wurden die Zellen kontrolliert mit Influenzaviren infiziert und mittels hochauflösender Einzelzellanalysen charakterisiert, sowie zelltypspezifische Veränderungen präzise erfasst.

Zusammenarbeit wichtig

„Solche Studien sind nur in Marburg möglich, weil wir hier eine enge Verzahnung von klinischer Versorgung und molekularer Grundlagenforschung haben. Dadurch können wir Fragestellungen direkt aus der Behandlung von Patientinnen und Patienten in experimentelle Modelle übertragen – und die gewonnenen Erkenntnisse wiederum zurück in die Klinik spiegeln“, so Lehmann.

Die Ergebnisse spielen zukünftig eine wichtige Rolle, um akute Verschlechterungen bei COPD gezielter zu verhindern oder therapeutisch zu behandeln, so die Forschenden.

Was ist COPD?

COPD ist eine schleichende Krankheit. Man unterteilt sie in folgende Stadien:

  • Frühstadium: Oft nur der klassische „Raucherhusten“ mit Auswurf, meist morgens. Belastungsatemnot wird oft noch auf mangelnde Fitness geschoben.
  • Fortgeschritten: Die Kurzatmigkeit tritt schon bei alltäglichen Dingen auf (Treppensteigen, Einkaufen). Die körperliche Leistungsfähigkeit sinkt spürbar.
  • Spätstadium: Atemnot tritt bereits im Ruhezustand auf. Der Sauerstoffmangel kann andere Organe (besonders das Herz) schädigen.

COPD ist nicht heilbar

Der Fortschritt der Krankheit verläuft nicht immer linear, sondern oft in Schüben, sogenannten Exazerbationen. Das sind akute Verschlechterungen, meist durch Infekte ausgelöst, von denen sich die Lunge nie wieder ganz auf das vorherige Niveau erholt. COPD ist nach aktuellem Stand nicht heilbar, aber durch einen sofortigen Rauchstopp und moderne Medikamente lässt sich das Fortschreiten massiv verlangsamen.