Frauengesundheit

Wechseljahre: Blutdruck im Blick 09.10.2026 14:00 Uhr

Berlin - 

Schlecht geschlafen, Herzklopfen, innere Unruhe: In den Wechseljahren scheint die Erklärung schnell gefunden. Doch Beschwerden allein verraten wenig über den Blutdruck. Für das Apothekenteam lohnt es sich, gezielt nachzufragen und eine Messung anzubieten. Auch dann, wenn die Werte früher immer unauffällig waren.

Mit der hormonellen Umstellung verändert sich auch das Herz-Kreislauf-System. Sinkende Östrogenspiegel können über verschiedene Mechanismen einen Blutdruckanstieg begünstigen. Dazu kommen das zunehmende Alter und weitere Einflussfaktoren wie Übergewicht oder Bewegungsmangel. Die Wechseljahre sind deshalb ein guter Anlass, den Blutdruck stärker in den Blick zu nehmen. Eine erhöhte Messung allein lässt allerdings noch keinen Rückschluss auf die Ursache zu.

Die Schwierigkeit: Bluthochdruck bleibt häufig lange unbemerkt. Kopfschmerzen, Schwindel oder Herzklopfen können vorkommen, sind aber unspezifisch. Sie beweisen weder eine Hypertonie noch lassen sie sich zuverlässig den Wechseljahren zuordnen. Umgekehrt bedeutet Beschwerdefreiheit nicht, dass die Werte normal sind. Wer sich auf das eigene Körpergefühl verlässt, kann einen erhöhten Blutdruck übersehen.

Im Beratungsgespräch hilft deshalb eine konkrete Frage: Wann wurde der Blutdruck zuletzt gemessen? Sind bereits erhöhte Werte bekannt, werden Medikamente eingenommen und wie werden sie vertragen? Auch Bluthochdruck während einer früheren Schwangerschaft gehört zur Vorgeschichte. Solche Informationen helfen dem Team, das Gespräch einzuordnen und eine ärztliche Abklärung anzuregen.

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Messen statt vermuten

Für die Einordnung zählt, wo und wie gemessen wurde. Bei standardisierten Praxismessungen liegt die diagnostische Grenze bei mindestens 140 mmHg systolisch und/oder 90 mmHg diastolisch. Für die Heimmessung gilt ein Mittelwert ab 135 mmHg systolisch und/oder 85 mmHg diastolisch als auffällig. Diese Grenzen sind keine individuellen Therapieziele. Ein einzelner erhöhter Wert stellt noch keine Diagnose dar; wiederholt erhöhte Werte gehören ärztlich abgeklärt, häufig mithilfe einer 24-Stunden-Messung.

Beim Gerätekauf kann die Apotheke mehr leisten als eine Produktempfehlung. Ein validiertes Oberarmmessgerät und die passende Manschettengröße sind eine gute Grundlage. Ebenso wichtig ist die Anwendung: vor der Messung fünf Minuten ruhig sitzen, den Arm entspannt auf Herzhöhe lagern und währenddessen nicht sprechen. Die Handhabung gemeinsam durchzugehen, hilft dabei, vermeidbare Messfehler zu erkennen.

Auch die Selbstmedikation gehört auf den Tisch. Nichtsteroidale Antirheumatika können den Blutdruck erhöhen; das ist etwa bei regelmäßig angewendeten Schmerzmitteln relevant. Das Team sollte deshalb nach verordneten und selbst gekauften Präparaten fragen. Wer wegen Nebenwirkungen Blutdrucktabletten auslässt, braucht ebenfalls Unterstützung: Beschwerden dokumentieren und ärztlich besprechen, statt die Therapie eigenständig zu verändern.

Die Wechseljahre – eines der Themen der aktuellen Apotheken Umschau.

Hormontherapie richtig einordnen

Eine menopausale Hormontherapie ersetzt keine Behandlung des Bluthochdrucks. Sie sollte auch nicht zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden. Gut eingestellter Bluthochdruck ist allerdings für sich genommen keine Gegenanzeige. Die europäische endokrinologische Leitlinie bevorzugt bei entsprechender Indikation transdermales Östrogen. Bei unkontrollierter Hypertonie soll eine Hormontherapie nicht begonnen werden. Die Entscheidung erfordert eine individuelle ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung.

Für den Alltag sind regelmäßige Bewegung, eine herzgesunde Ernährung und Rauchverzicht wichtige Ansatzpunkte. Auch Schlaf und Belastung verdienen Aufmerksamkeit. In der Beratung hilft es, gemeinsam einen umsetzbaren ersten Schritt zu finden, etwa regelmäßige Spaziergänge. Ein pauschales „Sie müssen weniger Stress haben“ bringt dagegen wenig, wenn die Kundin zwischen Beruf, Familie und weiteren Verpflichtungen kaum Spielraum hat.

Bei sehr hohen Werten braucht es eine klare Weiterleitung. Werte über 180 mmHg systolisch und/oder 110 mmHg diastolisch müssen ernst genommen werden. Ohne akute Beschwerden zunächst Ruhe ermöglichen und nach etwa 30 Minuten kontrollieren; bleiben die Werte so hoch, ist eine dringliche ärztliche Beurteilung erforderlich. Bei Brustschmerz, akuter Atemnot oder plötzlich auftretenden Lähmungs- beziehungsweise Sprachstörungen sofort 112 rufen. Dann darf die Einordnung als Wechseljahresbeschwerde keine Zeit kosten.

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