Reflux & GERD im HV: Wenn Sodbrennen chronisch wird 13.07.2026 12:08 Uhr
Ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein und saures Aufstoßen gehören zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Apotheke. Doch wann ist es harmloses Sodbrennen nach dem Essen und wann eine chronische gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)? Für das Apothekenteam gilt es, am HV-Tisch die Grenzen der Selbstmedikation klar zu erkennen.
„Je mehr man gegessen hat und je voller der Magen ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt“, erklärt Professor Dr. Peter Hasselblatt (Universitätsklinikum Freiburg). Dass es besonders nachts im Liegen brennt, ist physikalisch bedingt: Ohne die Schwerkraft und bei geschwächtem Ösophagussphinkter läuft die Säure extrem leicht zurück. Tritt dies mehrmals pro Woche chronisch auf, spricht man von GERD.
Diagnostik: Der klinische Goldstandard
Neben der Gastroskopie gilt die 24-Stunden-pH-Metrie als Goldstandard. Über eine dünne Nasensonde wird der pH-Wert einen Tag und eine Nacht lang kontinuierlich gemessen. Nur so lässt sich echter saurer Reflux objektiv nachweisen und von einer rein hypersensiblen Speiseröhre abgrenzen.
Beratungskompetenz: Akuthilfe vs. Dauermedikation
- Physikalische Barriere oder Neutralisation als Akuthilfe: Bei gelegentlichen Beschwerden sind Antazida oder Alginate ideal. Alginate bilden mit der Magensäure eine gelartige Schutzschicht, die sich wie ein mechanischer Deckel auf den Mageninhalt legt.
- Chemische Blockade der Säureproduktion: Protonenpumpeninhibitoren (Omeprazol/Pantoprazol, PPI) schalten die Säureproduktion aus. In der OTC-Selbstmedikation gilt eine strikte Grenze von maximal 14 Tagen.
- Achtung, Rebound-Effekt: Werden PPI nach längerer Einnahme abrupt abgesetzt, schießt die Säureproduktion massiv über. Hier muss zwingend zum schrittweisen Ausschleichen geraten werden, flankiert von Akuthilfe-Maßnahmen.
Die „Red Flags“: Wann die Selbstmedikation endet
Bei diesen Warnsymptomen sollte Patient:innen ein Arztbesuch geraten werden:
- Dysphagie (Schluckbeschwerden)
- Unklarer Gewichtsverlust
- Bluterbrechen oder Teerstuhl
- Chronischer Husten/Heiserkeit am Morgen (Verdacht auf „stillen Reflux“, der die Stimmbänder reizt)
Die chirurgische Option: Erfolgsaussichten und Begleiterscheinungen
Wenn medikamentöse Therapien versagen oder nicht dauerhaft vertragen werden, bietet die Viszeralchirurgie mit der sogenannten Fundoplicatio eine etablierte Option. „Mit diesem minimalinvasiven Eingriff versuchen wir, wieder den ursprünglichen Zustand im Körper herzustellen“, so die spezialisierte Viszeralchirurgin Jessica Leers. Dabei wird der obere Magenteil laparoskopisch als Manschette um die Speiseröhre gelegt, um den Schließmuskel mechanisch zu stärken.
Klinische Studien belegen eine hohe Erfolgsquote für diesen Eingriff: Auch 10 bis 15 Jahre nach der Operation sind noch rund 80 Prozent der Patient:innen hochzufrieden und dauerhaft beschwerdefrei. Zu einer transparenten Betrachtung gehören jedoch auch typische postoperative Begleiterscheinungen: In der ersten Zeit nach dem Eingriff können initiale, temporäre Schluckbeschwerden (weil die Manschette anfangs eng sitzt) sowie verstärkte Blähungen oder ein sogenanntes Gas-Bloat-Syndrom (erschwertes Erbrechen) auftreten.
Dieses und weitere Themen finden Sie in der neu erscheinenden Ausgabe der Apotheken Umschau. Für weitere Beiträge besuchen Sie gern die APOTHEKE ADHOC-Rubrik „Apotheken Umschau“.