PDE-5-Hemmer im Überblick 09.09.2026 15:24 Uhr
Erektile Dysfunktion (ED) ist häufiger als gedacht – und zwar in jedem Alter. Vier bis sechs Millionen Männer sind hierzulande betroffen. Zudem ist ED keine Lifestyle-Erkrankung, sondern kann Depressionen nach sich ziehen und mit kardiovaskulären Problemen zusammenhängen. Zur Behandlung stehen Phosphodiesterase-(PDE)-5-Hemmer zur Verfügung. Bei den Wirkstoffen gibt es Unterschiede.
Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil sind PDE-5-Hemmer, die bei ED zum Einsatz kommen. Sildenafil erreicht bereits nach einer Stunde den maximalen Plasmaspiegel und besitzt eine Halbwertszeit von vier Stunden. Die Einnahme erfolgt unabhängig von den Mahlzeiten und eine halbe Stunde vor der geplanten sexuellen Aktivität – eine Planung, die nicht in jeder Situation einfach ist.
Außerdem gilt es zu beachten, dass bei sexueller Stimulation mit Sildenafil eine Erektion binnen 16 bis 45 Minuten erreicht werden kann. Zudem kann die Einnahme mit einer Mahlzeit, vor allem mit fettreichem Essen, den Wirkeintritt verzögern.
Tadalafil besitzt eine mittlere Halbwertszeit von 17,5 Stunden und erreicht bereits nach zwei Stunden die maximale Plasmakonzentration. Der „Wochenendpille“ wird eine Wirksamkeit von ein bis drei Tagen zugesprochen. Jedoch wird eine Wirkung nur bei sexueller Stimulation erreicht.
Vardenafil ist der dritte PDE-5-Hemmer. Die Halbwertszeit ist mit Sildenafil vergleichbar und beträgt vier bis fünf Stunden. Maximale Plasmaspiegel werden im Mittel nach 60 Minuten erreicht. Die Einnahme während einer fettreichen Mahlzeit kann den Wirkeintritt verzögern.
In der Stärke zu 5 mg ist Tadalafil außerdem zur Behandlung des benignen Prostatasyndroms zugelassen. Außerdem kommen Sildenafil zu 20 mg und Tadalafil zu 20 mg zur Behandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) der WHO-Funktionsklasse II und III zur Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei Erwachsenen zur Anwendung.
Die Wirkstoffe hemmen selektiv und reversibel PDE-5 und verhindern so den Abbau von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP). Bei sexueller Stimulation wird lokal Stickstoffoxid ausgeschüttet. Durch die PDE-5-Hemmung steigt der Spiegel an cGMP im Corpus cavernosum. Die glatte Muskulatur entspannt sich. Durch den Bluteinstrom kommt es schließlich zur Erektion.
Während der Behandlung mit beiden PDE-5-Hemmern können unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) auftreten. Für Sildenafil zählen Kopfschmerzen, verändertes Farbsehen, Sehstörungen, Flush, verstopfte Nase oder Übelkeit zu den häufigen Nebenwirkungen. Für Tadalafil werden Sehstörungen nur als gelegentliche Nebenwirkung aufgeführt. Tachykardie und Hypotonie werden jedoch bei beiden Arzneistoffen als gelegentliche UAW beschrieben. Zudem verstärken beide Wirkstoffe die blutdrucksenkende Wirkung von Nitraten.
Kein OTC-Switch
OTC-Switches für Sildenafil und Tadalafil wurden abgelehnt. Dabei könnte die Entlassung aus der Verschreibungspflicht eine potenzielle und kurzfristige Option zur Verbesserung der Situation der Betroffenen sein. Ein Blick in andere Länder zeigt, wie erfolgreich ein OTC-Switch sein kann.
Ein Beispiel ist England. Aufgrund des OTC-Switches von Sildenafil sind mehr Männer in die ärztliche Versorgung gekommen. Der Grund: Die Beratung in der Apotheke. Denn ED ist ein stummer Marker und Präindikator für beispielsweise kardiovaskuläre Probleme und Diabetes und somit mehr ein Symptom als eine eigenständige Erkrankung.
Die Betroffenen suchen nach der fundierten Beratung in der Apotheke häufiger einen Arzt auf. Somit bietet das Gespräch mit Expert:innen zu erektiler Dysfunktion und Sildenafil die Möglichkeit, zukünftige kardiovaskuläre Ereignisse zu verhindern.
Dieses und weitere Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Apotheken Umschau. Für weitere Beiträge besuchen Sie gern die APOTHEKE ADHOC-Rubrik „Apotheken Umschau“.