Besser zum Arzt

Mikrobiom: Finger weg vom Darm-Selbsttest 31.08.2026 14:06 Uhr

Berlin - 

Teurer Trend ohne Nutzen: Zwar boomt der Markt für medizinische Selbsttests, insbesondere Analysen des eigenen Darmmikrobioms, aber medizinische Fachgesellschaften raten von diesen teuren Online-Tests dringend ab. Empfohlen wird stattdessen der Gang in eine Arztpraxis.

Das Hauptproblem dieser Tests liege laut den Experten der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in ihrer mangelnden Aussagekraft. Die Analysen seien meist viel zu ungenau, da sie oft nur grobe Bakteriengruppen statt der spezifischen, einzelnen Bakterienarten erfassen. „Entscheidend ist nicht allein, welche Mikroorganismen im Darm leben, sondern welchen Einfluss sie dort ausüben“, so DGVS-Expertin Birgit Terjung.

Nur Momentaufnahme

Zudem liefere solch ein Test lediglich eine flüchtige Momentaufnahme: „Nach aktuellem Wissensstand lassen kommerzielle Mikrobiomtests keine zuverlässige Einschätzung darüber zu, ob das eigene Mikrobiom gesund ist“, erklärt Professorin Birgit Terjung, Mediensprecherin der DGVS und Chefärztin der Inneren Medizin am St. Josef Hospital der GFO Kliniken Bonn. „Das Mikrobiom ist hochindividuell und verändert sich ständig.“

So verändere sich die Zusammensetzung der Darmflora beispielsweise durch Ernährung, Stress oder Medikamente. Hinzu komme ein grundlegendes medizinisches Problem, denn die Bakterien im ausgeschiedenen Stuhl unterscheiden sich deutlich von den Mikroorganismen, die direkt auf der wichtigen Darmschleimhaut sitzen. Da man aktuell ohnehin noch gar nicht wisse, wie das perfekte, gesunde Mikrobiom aussieht, rät die Magen-Darm-Expertin zum Arzt zu gehen. „Aus fachlicher Sicht raten wir daher davon ab, kommerzielle Mikrobiomtests ohne weitere ärztliche Konsultation zu verwenden.“

Hohe Kosten

Auch das Geld spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Spezielle Tests kosten zwischen 100 und 180 Euro. Diese werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Häufig nutzen die Anbieter die fragwürdigen Ergebnisse direkt im Anschluss, um den Kunden teure, medizinisch oft unnötige Nahrungsergänzungsmittel oder spezielle Diätprogramme zu verkaufen.

Wer unter anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Schmerzen, Durchfall oder Verstopfung leidet, sollte eine Arztpraxis aufsuchen. Nur dort kann verlässlich nach echten Ursachen wie Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Infektionen oder chronischen Entzündungen gesucht werden.

Bis dahin rät Terjung: „Sinnvoller sind Ernährungsgewohnheiten, von denen wir wissen, dass sie sich positiv auf Mikrobiom und Stoffwechsel auswirken, also viele fermentierte und ballaststoffreiche Produkte.“ Gleichzeitig solle man weitgehend auf rotes Fleisch, Zucker, Alkohol und hochverarbeitete Lebensmittel verzichten.

Ums Mikrobiom geht es auch in der aktuellen August-Ausgabe der Apotheken Umschau – jetzt reinschauen und beratend mitgeben! Für weitere Beiträge besuchen Sie gern die APOTHEKE ADHOC-Rubrik „Apotheken Umschau“.