Digital gestützte Hausbesuche

Kassen wollen Telemedizinrucksack 20.08.2026 14:41 Uhr

Berlin - 

Nach der Sparreform sollen im zweiten Halbjahr dieses Jahres Strukturreformen im Gesundheitssystem folgen. Ein Vorhaben ist dabei die Etablierung eines Primärversorgungssystems, um die Patientensteuerung zu verbessern. Dabei müsse die Politik stärker auf die Delegation ärztlicher Leistungen mit Unterstützung digitaler Instrumente setzen, appelliert der Verband der Ersatzkassen (vdek).

Die Herausforderungen des demografischen Wandels und knapper werdender ärztlicher Ressourcen ließen sich nur bewältigen, indem stärker auf die Delegation ärztlicher Leistungen mit Unterstützung digitaler Instrumente gesetzt werde, betont der vdek. Wie das in der Praxis funktionieren könne, habe der vdek bereits im Projekt „Regionale Gesundheitspartner der Ersatzkassen“ gemeinsam mit dem Regionalen Versorgungszentrum (RVZ) Wurster Nordseeküste in Niedersachsen gezeigt. Dort werde der Einsatz von nichtärztlichen Praxisassistenten (NäPa) mit einem sogenannten Telemedizinrucksack im Versorgungsalltag getestet.

„Durch das intelligente Zusammenspiel von Digitalisierung und Delegation werden Versorgungsprozesse beschleunigt, Ressourcen zielgerichtet eingesetzt und Ärztinnen und Ärzte können sich auf ihre Kernaufgaben fokussieren“, so der vdek-Vorstandsvertreter Boris von Maydell. „Diese Bausteine sollten deshalb neben der digitalen Ersteinschätzung, der E-Überweisung und einer Plattform zur schnelleren Terminvermittlung zu den zentralen Elementen eines künftigen Primärversorgungssystems gehören.“

NäPa mit Rucksack

Mithilfe des Telemedizinrucksacks könnten NäPa bei Hausbesuchen vor Ort Vitalwerte wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Puls messen sowie beispielsweise ein EKG oder eine Lungenfunktionsprüfung durchführen. Die erhobenen Daten werden in Echtzeit an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt übermittelt. Bei Bedarf könnte die behandelnde Ärztin oder der Arzt zudem per Videokonferenz zugeschaltet werden, Untersuchungsergebnisse beurteilen und unmittelbar Therapieentscheidungen treffen.

Von diesem Modell profitieren laut vdek alle Beteiligten: Patientinnen und Patienten könnten so oftmals weite Wege sparen und Ärztinnen und Ärzte im Praxisalltag mehr Kapazitäten für komplexe Leistungen erhalten. Gleichzeitig könnten die NäPa anspruchsvolle Tätigkeiten mit hoher Eigenverantwortung übernehmen und dadurch eine deutliche Aufwertung ihres Berufsbildes erfahren.

„Gerade in einer ländlich geprägten Region mit langen Wegen ist der Telemedizinrucksack ein echter Gewinn“, erklärt Dr. Andreas Rühle, Geschäftsführer des RVZ Wurster Nordseeküste. „Mit der digitalen Unterstützung bei Hausbesuchen entlasten unsere Nichtärztlichen Praxisassistentinnen- und -assistenten unsere Ärztinnen und Ärzte spürbar und schaffen mehr Zeit für die persönliche Betreuung der Patientinnen und Patienten. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu einer modernen, wohnortnahen Versorgung im ländlichen Raum. Die Rückmeldungen, die wir bekommen, zeigen große Dankbarkeit für dieses Angebot.“

Damit solche innovativen Konzepte etabliert werden können, sollten sie künftig auch flächendeckend in der vertragsärztlichen Versorgung berücksichtigt werden, appelliert der vdek. Das würde die ambulante Versorgung stärken, die Patientensteuerung verbessern und die Versorgung insbesondere in strukturschwachen Gebieten langfristig sichern.

 

Was bringt die Primärversorgung mit sich? Dieses und weitere Themen finden Sie in der neu erscheinenden Ausgabe der Apotheken Umschau. Für weitere Beiträge besuchen Sie gern die APOTHEKE ADHOC-Rubrik „Apotheken Umschau“.