Experte warnt vor „UV-Maxxing“ 06.08.2026 08:25 Uhr
Ein aktueller Trend birgt große Gesundheitsgefahren: Jugendliche und junge Erwachsene setzen sich gezielt der extremen Mittagssonne aus, verzichten auf Sonnenschutzcremes oder nutzen Bräunungsbeschleuniger und Bräunungsöle, um eine intensive Rötung oder extrem dunkle Haut zu bekommen.
Der Chefarzt der Hautklinik der Asklepios Klinik in Hamburg St. Georg, Professor Dr. Christian Sander, warnt vor erheblichen gesundheitlichen Risiken. „Ein Sonnenbrand ist kein ästhetisches Statement, kein „Look“, sondern ein Hilferuf der Haut, genauer: eine akute, zelluläre Brandverletzung der Haut mit dem klaren Risiko des Hautkrebses.“ Der Trend kursiert auf verschiedenen Social-Media-Plattformen unter Schlagworten wie „Tanmaxxing“ und „UV-Maxxing“.
Keine unbedenkliche Bräune
Die leicht gerötete Haut werde fälschlicherweise als attraktiver „Sunburn-Look“ verharmlost, die Algorithmen der Plattformen verstärkten diese vermeintlichen Schönheitsideale noch zusätzlich, kritisiert Sander. „Es gibt medizinisch gesehen keinen gesunden Sonnenbrand und auch keine unbedenkliche Bräune“, betont der Experte. „Sobald sich die Haut rötet, liegt bereits eine Entzündung mit einer Schädigung der Zell-DNA vor.“ Die Haut reagiere mit einer Entzündung auf die ultraviolette Strahlung. „Zu glauben, man könne die Haut durch schrittweises Abbrennen auf die Sonne vorbereiten oder einen ästhetischen Trend daraus machen, ist ein medizinischer Mythos mit potenziell tödlichen Folgen.“
Sander appelliert an Eltern und Pädagogen, das Thema aktiv anzusprechen: „Social-Media-Trends kommen und gehen – aber die Schäden an der Haut bleiben ein Leben lang. Aufklärung, konsequenter Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor, also LSF 50, sowie das Meiden der prallen Mittagssonne sind unverzichtbar.“
UV-Strahlung nimmt zu
Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) nimmt die Gefahr auch zu, weil die Belastung mit UV-Strahlung steigt. Nach Daten der Messstationen in Dortmund und im Raum Brüssel nahm die monatliche UV-Strahlung zwischen 1997 und 2022 in Dortmund um mehr als zehn Prozent zu, im Raum Brüssel wurde ein Anstieg von nahezu zwanzig Prozent verzeichnet. Die wichtigste Ursache für die zunehmenden Werte sind nach Angaben der Forscher Veränderungen der Bewölkung und damit eine Zunahme der Sonnenscheindauer, möglicherweise aufgrund des Klimawandels.
Die Leiterin des Krebsinformationsdienstes, Dr. Susanne Weg-Remers, plädiert für einen bewussten Umgang mit der zunehmenden UV-Strahlung und einem dem Hauttyp angepassten konsequenter Sonnenschutz. Das gelte bereits ab dem Frühjahr und auch bei bedecktem Himmel sowie wechselhaftem Wetter. „Wir müssen uns bewusst machen, die Haut vergisst nicht. Auch wenn sie sich von einem Sonnenbrand dem Anschein nach erholt – Schaden nimmt sie trotzdem. Und so kann auch noch nach vielen Jahren Hautkrebs entstehen.“
Die Zahl der Hautkrebs-Patienten in deutschen Krankenhäusern hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt. Das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamts. 2024 waren es 120.100 stationär mit Hautkrebs behandelte Patienten und damit 95 Prozent mehr als noch 2004. Auch die Zahl der Todesfälle durch Hautkrebs hat demnach zugenommen: 4.600 Menschen starben 2024 an Hautkrebs, 65 Prozent mehr als 20 Jahre zuvor.