PKA: Der vergessene Berufsstand 17.03.2026 13:53 Uhr
Stefanie Lehmann hat über 25 Jahre lang als PKA gearbeitet. Vor drei Jahren hat sie der Apotheke den Rücken gekehrt und ist als Assistenz im Betriebsrat eines Energieversorgers tätig. Grund dafür war auch das mangelnde Fort- und Weiterbildungsangebot ihres Ausbildungsberufs. „PKA verfügen über fachliche und organisatorische Kompetenzen. Häufig fehlt jedoch eine klare Einbindung dieser Fähigkeiten in die Abläufe und Verantwortlichkeiten der Apotheke. Wer diese Kompetenzen bewusst nutzt, stärkt Abläufe, entlastet das Team und entwickelt den Beruf konsequent weiter.“
Rückblickend nehme Lehmann die Arbeitsweisen in der Apotheke als eingestaubt wahr: „Jetzt, wo ich drei Jahre raus bin und papierlos in einem großen Konzern arbeite, weiß ich nicht, ob ich noch mit Post-its an einem Rechner arbeiten könnte.“ Raum für Veränderung oder Modernisierung habe es nur wenig gegeben.
„Und dann habe ich irgendwann gesagt, okay, wenn ihr nicht wollt, dann will vielleicht jemand anders meine Ideen haben oder ich bringe sie einfach woanders ein, dort, wo sie gefordert und gefördert werden.“ Heute wisse sie nicht, „ob ich noch einmal zurück in die Apotheke könnte“.
Fortbildungen ohne erkennbaren Mehrwert
Für PKA fehle es nach wie vor an gezielten wie zertifizierten Fort- und Weiterbildungslehrgängen. „Die Entwicklungen, die ich als PKA gemacht habe, sind nicht durch irgendein cooles BWL-Seminar belegbar, sondern weil ich aktiv gesagt habe, dass ich Verantwortung übernehmen möchte.“
Auf diese Weise habe sie sich Kompetenzen angeeignet und ausgebaut. Ein gutes Beispiel dafür sei das Thema Auszubildende. „Ich habe keinen Ausbilderschein gemacht oder ein Führungskräfteseminar besucht. Ich habe mir das einfach zugetraut und gesagt: Ich übernehme das jetzt.“
Irgendwann sei ihr der PKA-Beruf zu klein geworden. „Ich suchte nach neuen Impulsen und Herausforderungen und das konnte Apotheke irgendwann nicht mehr bedienen. Ich wollte nicht das fünfte Kosmetik- und das zehnte Inkontinenz-Seminar besuchen.“
Ihre Relevanz und ihren Wert für andere spreche die ehemalige PKA diesen Fortbildungen damit nicht ab. „Ich habe dort durchaus Inhalte mitgenommen und der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Apotheken war immer interessant. Gleichzeitig habe ich mich gefragt, was ich langfristig konkret daraus in meinem Berufsalltag entwickeln kann. Viele dieser Fortbildungen fanden zudem nach Feierabend oder in der Freizeit statt. Am Ende blieb für mich oft das Gefühl, dass mir echte Entwicklungsperspektiven im Beruf fehlen.“
Zwar steige dadurch potenziell die Beratungskompetenz, „aber wenn ich das Produkt als PKA gar nicht verkaufen darf, dann hat es für meine Weiterentwicklung doch keinen Mehrwert.“
Über den Tellerrand blicken
Zwar gebe es durchaus Abwechslung im Apothekenalltag – „wenn Frau Müller fünfmal die Woche kommt, dann hat Frau Müller fünfmal ein anders Thema“ – aber: „Diese persönliche und für PKA auch gezielte fachliche Weiterentwicklung, die kann Apotheke nicht bieten.“
Schließlich entschied sie sich für Weiterbildung zur Feelgood-Managerin bei der IHK. Dabei handelt es sich um einen zertifizierten Lehrgang, der darauf abzielt, Mitarbeitende zu befähigen, eine positive Unternehmenskultur zu gestalten und das Arbeitsklima zu verbessern.
„Es gibt sehr unterschiedliche PKA – und ich bin kein reiner Zahlen-Daten-Fakten-Mensch.“ Auch das Zwischenmenschliche – das Vermitteln und Kommunizieren mit anderen – gehöre schließlich zum Berufsbild. „Und wenn es jemand braucht, dann sind es die Apotheken.“
Wertschätzung fehlt
Das schlimmste für Lehmann: „In den Einladungsschreiben werden PKA häufig gar nicht erst erwähnt.“ Man erfahre nur durch Nachfrage, dass PKA sich „auch“ anmelden dürften. Das sei ein zusätzlicher Schlag in die Kerbe mangelnder Wertschätzung für ihren Ausbildungsberuf.
„PKA verfügen über fachliche und organisatorische Kompetenzen. Häufig fehlt jedoch eine klare Einbindung dieser Fähigkeiten in die Abläufe und Verantwortlichkeiten der Apotheke. Wer diese Kompetenzen bewusst nutzt, stärkt Abläufe, entlastet das Team und entwickelt den Beruf konsequent weiter.“
Ein Erlebnis habe diesen Eindruck insbesondere geprägt: „Ich hatte als junge Ausgelernte in einer Apotheke einen für den Kunden im HV aus sichtbaren Arbeitsplatz. Die diensthabende Apothekerin hat dennoch zur Kundschaft gesagt, dass sie alleine in der Apotheke sei. Das war rückblickend ziemlich schlimm für mich.“