PKA-Ausbildung: Doch nicht das Richtige 24.02.2026 12:52 Uhr
Seit Juni vergangenen Jahres ist die PKA-Auszubildende Viktoria Kuznetsov in der Schellenberg-Apotheke in Hüfingen beschäftigt. Dass sie ihre PKA-Ausbildung überhaupt beenden würde, war nicht abzusehen – nach ihren vorherigen Ausbildungserfahrungen stand sie im dritten Lehrjahr kurz davor, abzubrechen. Jetzt glänzt sie – kurz vor Ausbildungsende – mit Bestnoten, will nach dem Abschluss aber nicht weiter in der Apotheke arbeiten. Inhaberin Sarah Mast und ihre PKA-Auszubildende berichten, warum es dennoch eine erfolgreiche Zusammenarbeit war und weshalb es sich unbedingt lohnt, in Auszubildende zu investieren – selbst wenn sie sich am Ende für ein anderes Berufsbild entscheiden.
Wenn Inhaberin Sarah Mast von Viktoria berichtet, gerät sie ins Schwärmen. „Sie ist richtig aufgeblüht. Ihre Lehrer loben sie total.“ Dass die angehende PKA einmal derartig gut abschneiden würde, sei nicht von vornherein absehbar gewesen, denn zunächst wollte Viktoria alles abrechen. „Sie ist deutlich selbstbewusster geworden und traut sich auch selbst mehr zu. Es ist eine wunderschöne Entwicklung und ich bin froh, dass ich sie da begleiten darf“, betont Mast.
Apotheke rettet PKA-Ausbildung
Der Grund für die fast getroffene Entscheidung: Sie war unglücklich mit dem bisherigen Verlauf ihrer Ausbildung. Im Juni 2025 kam die PKA-Auszubildende verzweifelt in die Schellenberg-Apotheke. „Als sie zu uns kam, habe ich im Gespräch bemerkt, dass sie die Ausbildung eigentlich schon beenden möchte und motiviert ist, aber in dem anderen Betrieb einfach nicht mehr kann.“
Dort habe Viktoria vor allem nicht selbstständig arbeiten dürfen. „Für mich ist ausschlaggebend, ob die Person ins Team passt. Ich habe sie persönlich kennengelernt und gesehen, dass sie ein toller Mensch ist und ich ihr in der Situation helfen möchte.“ Das habe sich nun ausgezahlt. „Es hat sich alles gut entwickelt. Sie hat das Potenzial, eine tolle Ausbildung hinzulegen. Sie ist ein motivierter, fleißiger und engagierter Mensch.“
Stoff von mehreren Semestern Ausbildung nachgeholt
Anhand des Ausbildungsberichtshefts hatte das Apothekenteam ablesen können, wie es für Viktoria bislang abgelaufen sein muss. „Wir mussten sehr stark mit diesem Heft arbeiten. Es sind nur Bruchstücke der Ausbildung vermittelt worden.“ Die Auszubildende ergänzt: „Vieles war hier neu für mich, selbstständig telefonieren oder Rezepte bearbeiten. Das durfte ich bisher nicht.“ So habe es Nachhilfe in so ziemlich jedem Bereich gegeben.
„Den Stoff der ersten beiden Ausbildungsjahre hat sie im vergangenen halben Jahr gemeinsam mit uns aufgeholt.“ Dafür könne sie auch die Zeit in der Apotheke nutzen. „Sie darf bei uns eine Stunde am Tag lernen und jederzeit Fragen stellen. Wir sind sehr hinterher, dass sie einen schönen Abschluss macht.“
Erzieherinnenausbildung statt PKA-Beruf
Auch wenn Viktoria nach dem Ausbildungsabschluss nicht mehr in der Apotheke arbeiten und sich beruflich in Richtung Erziehung umorientieren werde, bereue Mast nichts. „Es hat sich total ausbezahlt. Ich würde es in jedem Fall wieder genau so machen.“ Teamharmonie stehe bei ihr an erster Stelle – und zu genau dem richtigen Zeitpunkt habe Viktoria perfekt ins Team gepasst und es bereichert. „Apotheke ist wie eine zweite Familie. Wir sind nicht so viele Leute im Team und arbeiten eng zusammen. Ich bin da sehr bei Gen Z und sage, dass man sich bei der Arbeit wohlfühlen muss“, betont die Inhaberin.
Mit ihrem Engagement und Eifer habe Viktoria das Team perfekt ergänzt. Groll hege Mast keineswegs. „Ich wünsche ihr für ihren beruflichen Weg alles Gute und hoffe, dass sie das findet, worin sie Spaß hat und was ihr gut tut und wo ihre Leidenschaft liegt. Wenn es nicht der PKA-Beruf ist, dann ist es eben so.“ Die Apothekerin betont, dass es in einem Alter von 22 Jahren reflektiert sei herauszufinden, dass es eben doch nicht der richtige Beruf sei, „sie aber dennoch die Ausbildung fertig macht. Ich bin so froh, dass wir das Abbrechen verhindern konnten.“
Viktoria habe mit der Zeit herausgefunden, „dass der Schwerpunkt auf Bürotätigkeit und dem Kaufmännischen einfach nicht meins ist. Ich brauche mehr direkten Kontakt mit Menschen.“ Der PKA-Beruf sei weder schlecht noch langweilig, aber „ich sehe mich langfristig einfach mehr im erzieherischen Bereich“.
Berufswechsel „völlig in Ordnung“
Mast findet diese Erkenntnis „völlig in Ordnung“: „Ich denke, je jünger die Leute sind, wenn sie ihre Ausbildung beginnen, desto schwieriger ist es, da direkt das Richtige zu finden, auch, weil die Persönlichkeit noch nicht so ausgeprägt ist.“ In diesem Alter müssen Auszubildende herausfinden dürfen: „Okay, ist das wirklich das, was ich in 40 Jahren auch noch machen will?“
Viktoria will anderen Auszubildenden mit ihrer Geschichte Mut machen. „Sie war kurz davor, abzubrechen. Dann hat sie den Mut gefasst, zu uns in die Apotheke zu kommen und um Hilfe zu bitten. Der Wechsel war schwierig, sie hat all den Stoff nachgeholt und sich ganz toll entwickelt. Es war ein langer Weg, der sich mit einem tollen Berufsabschluss auszahlen wird“, betont die Inhaberin. Die PKA-Auszubildende bestätigt den Neuanfang als zentralen Meilenstein. „Ich hätte abgebrochen, wäre ich hier nicht aufgenommen worden.“
Nun suche die Schellenberg-Apotheke eine neue PKA. Immerhin werde auch PKA Anastasia den Betrieb – zumindest zeitweise – bald verlassen, da sie ihre PTA-Ausbildung im Herbst beginnt.